Deutlich mehr Impfungen

Grippe-Impfstoff wird in Kassel knapp: Apotheken und Ärzten geht Mittel aus

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Medikamente und ein Fieberthermometer liegen auf einem Nachttisch.

Die heftige Krankheitswelle Anfang des Jahres macht sich jetzt zur neuen Grippesaison bemerkbar. Den Apotheken und Hausärzten geht der Impfstoff aus.

Die Grippewelle aus diesem Winter dürfte den meisten noch präsent sein: tausende Kranke, überfüllte Krankenhäuser und Arztpraxen, 21 Tote in Stadt und Landkreis Kassel. Die heftige Krankheitswelle macht sich jetzt bemerkbar: Denn den Apotheken und Hausärzten geht der Impfstoff aus. 

„Momentan ist alles vergriffen“, beklagt Alexandra Tscheuschner, Inhaberin der Heinrich-Heine-Apotheke in Kassel. Die einzelnen Impfpackungen seien komplett aus, bei den Herstellern sei keine Nachlieferung mehr möglich. „Die 10er-Packungen werden wohl aber noch mal nachbestellbar sein“, sagt Tscheuschner. Dabei hätte die Apotheke die gleiche Menge wie im vergangenen Jahr bestellt. „Es lassen sich aber viel mehr Leute impfen.“ 

Diese Feststellung macht auch der Kasseler Hausarzt Dr. Peter Fleischmann. Etwa 400 Patienten hätten sich in seiner Praxis in diesem Jahr bereits impfen lassen. Auch dort wird der Impfstoff knapp. Von den vorbestellten 10er-Packungen sei zwar noch etwas vorhanden, aber: „Außer dem Vorbestellten ist laut Hersteller nichts mehr zu bekommen.“ Ein möglicher Grund ist, dass in diesem Jahr erstmals die Vierfachimpfung für alle gilt. Bisher galt sie nur für Privatpatienten. Den Dreifachimpfstoff, der bisher gesetzlich Versicherten verschrieben wurde, gibt es nicht mehr. 

Der Impfstoff sei sehr früh sehr knapp – dabei sei die Grippewelle noch gar nicht angerollt, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel. In diesem Jahr sei dem Amt noch kein Grippefall gemeldet worden. „Es gibt viele Virusinfekte und Erkältungen“, schildert Müller. Die Zahl der Grippekranken steige meist ab Dezember – so auch in der vergangenen Saison. Die meisten Fälle werden von Januar bis April gemeldet. Dennoch rät die Amtsleiterin dringend zur Impfung. Insbesondere für Ältere ab 60 Jahren und chronisch Erkrankte.

Alle Infos zur Grippewelle: Welche Symptome gibt es und wie kann man der Grippe vorbeugen. In dieser Übersicht gibt es alle Informationen zur Grippewelle.

Grippewelle: Fragen und Antworten

Der Winter steht vor der Tür und somit auch die Zeit, in der wieder mehr Menschen an Grippe erkranken. Wie sehr sich die Krankheit ausbreiten kann, zeigten die vielen Krankheitsfälle im vergangenen Winter. Deutschlandweit waren es laut Robert-Koch-Institut knapp neun Millionen Arztbesuche aufgrund von Influenza. Wird es wieder so viele Kranke geben? Und warum gibt es jetzt einen anderen Impfstoff? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Hat die Grippe-Saison bereits begonnen?

Nein, bisher wurde noch kein Fall in Kassel gemeldet, bei dem eine Grippeerkrankung vorliegt, erklärt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts der Region Kassel. Das sei aber nicht verwunderlich, denn die Grippesaison beginne meist im Dezember. Die meisten Menschen erkranken laut Statistik des Gesundheitsamts von Januar bis April. In der vergangenen Saison gab es im März besonders viele Fälle.

Woher weiß ich, dass ich an Grippe erkrankt bin?

Die typischen Symptome einer Influenza sind hohes Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, trockener Reizhusten und Halsschmerzen. Weitere Symptome können laut Robert-Koch-Institut Schweißausbrüche, selten auch Übelkeit und Durchfall sein.

Wie kann ich mich vor der Grippe schützen?

Regelmäßiges Händewaschen, Flächendesinfektion, Abstandhalten zu Personen, die Krankheitssymptome aufzeigen – so kann das Risiko einer Grippeerkrankung verringert werden. Bei Krankheit ist Bettruhe das Wichtigste, damit der Körper die Krankheit selbst bekämpfen kann. Das Einnehmen von Antibiotika bewirkt bei einer Viruserkrankung nichts, mit Schmerzmitteln werden in der Regel nur die Symptome behandelt, erklärt Müller.

Wie wird die Krankheit übertragen?

Das Influenza-Virus ist hochansteckend. Der Erreger wird durch kleinste Tröpfchen des Nasen-Rachen-Sekrets verbreitet, die beim Niesen, Husten und Sprechen in die Luft gelangen. Die Erreger haften aber auch an Türklinken oder Treppengeländern und können auf diese Weise übertragen werden.

Wer sollte sich impfen lassen?

Das Gesundheitsamt rät jedem zu einer Grippe-Impfung. Insbesondere sollten sich Ältere über 60 Jahren, Schwangere und Menschen mit chronischer Erkrankung der Atmungsorgane, Herz- oder Kreislaufkranke, Leber- oder Nierenkranke impfen lassen.

Außerdem rät Müller allen Menschen zur Impfung, die im medizinischen Bereich tätig sind. Das sind Krankenschwestern, Ärzte, Pfleger, Zahnarzthelfer. In diesem Berufsfeldern sei das Übertragungsrisiko besonders hoch.

Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Impfen?

Nach der Impfung dauert es zehn bis 14 Tage, bis der Impfschutz vollständig abgebaut ist. Um rechtzeitig geschützt zu sein, wird deshalb empfohlen, sich bereits in den Monaten Oktober oder November impfen zu lassen. Auch im Verlauf der Grippewelle kann es dann noch sinnvoll sein, sich impfen zu lassen.

Warum gibt es für viele jetzt einen anderen Impfstoff als im vergangenen Jahr?

Noch in der vergangenen Saison gab es zwei Impfstoffe – den Dreifach- und den Vierfachimpfstoff. Den Dreifachen gibt es in diesem Jahr nicht mehr. Grund: Gegen die Typen, von der die meisten Influenza-Erkrankungen ausgingen, schützte er nicht richtig, so Müller. Rund 70 Prozent sind in der vergangenen Saison an einer der beiden Typen erkrankt. In dem Vierfachimpfstoff sind zusätzlich Bestandteile einer zweiten B-Virus-Linie enthalten.

Bisher war der Vierfachimpfstoff nur für Privatpatienten vorgesehen, nun für alle.

Lässt sich schon einschätzen, wie die kommende Grippe-Saison verlaufen wird?

Nein, das lässt sich nicht sagen. „Das kann keiner voraussagen“, sagt die Amtsleiterin des Gesundheitsamts. Auch im vergangenen Jahr gab es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Grippefall.

Von Christopher Hess

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