Hoher Krankenstand in Betrieben

Grippe und kein Ende: Lange Wartezeiten in Arztpraxen und Kliniken

Alltag im Wartezimmer: Über mangelnden Zulauf von Patienten können Arztpraxen derzeit kaum klagen. Foto: dpa

Kassel. Die Grippewelle hat Stadt und Kreis Kassel weiter fest im Griff: Die Wartezimmer der Arztpraxen sind rappelvoll, die Krankenstände in Schulen, Kitas und Betrieben weiter hoch.

„Die Situation ist angespannt“, sagt Dr. Stefan Pollmächer von der Kasseler Ärztegenossenschaft DOXS: „Wir haben eine heftige Epidemie, die sich mit saisonal typischen Erkältungskrankheiten mischt.“

Schwere Krankheitsverläufe seien häufiger als in den Vorjahren, auch Lungenentzündungen würden öfter diagnostiziert, beobachtet der Allgemeinmediziner.

Auch wenn in dieser Saison der Impfstoff offenbar nicht so sicher wie erwartet schütze, sei eine Impfung durchaus noch sinnvoll. Denn noch sei unklar, ob die Welle ihren Höhepunkt erreicht hat.

Besonders lästig sei, dass sich die Praxen mitten in der Grippeepidemie auch noch mit der seit Jahresbeginn verpflichtenden Elektronischen Gesundheitskarte rumschlagen müssten, so Pollmächer. „Bei vielen Krankenkassen müssen sich Patienten ohne gültige Karte für jeden Arztbesuch einen Behandlungsausweis ausstellen lassen, der aber nur für einen Tag gültig ist“, kritisiert der Mediziner das Vorgehen vieler Kassen.

Auch im Klinikum dreht sich vieles um die Krankheitswelle Grippe, grippale Infekte, Lungenentzündung und Co. Zurzeit gebe es einen sehr großen Andrang an Patienten, sagt Sprecherin Gisa Stämm. In viele Zimmer müssten noch zusätzlich Betten gestellt werden, weil der Platz nicht ausreiche. Aber auch die Reihen der Mitarbeiter lichteten sich zurzeit aufgrund eines hohen Krankenstands. Der sei sieben Prozent höher als im Februar des Vorjahrs. „Wir mussten sogar Kollegen aus ihren freien Tagen zurückholen, damit der Krankenhausbetrieb reibungslos weiterläuft und die Patienten gut versorgt werden.“ In der Notaufnahme müsste zurzeit unter Umständen lange gewartet werden. „Wie in vielen Arztpraxen auch.“

Mit erhöhten Krankenständen müssen aber auch viele Betriebe und Institutionen im Moment kämpfen. Im VW-Werk Baunatal verzeichne man zurzeit unter den 15 500 Mitarbeitern einen Krankenstand von acht Prozent. Das sind zwei Prozent mehr als im Februar vor einem Jahr. Allerdings so VW-Sprecher Heiko Hillwig, bringe das den Betrieb nicht in die Bredouille: „Bei uns reißt nichts ab.“ Anders bei den Blutspendediensten, wo langsam die Blutkonserven knapp werden. „Es gibt definitiv einen Engpass bei den Blutkonserven“, sagt Dr. Rudolf Richter vom DRK-Blutspendedienst in Kassel. Die Zahl der Spender sei im Moment um zehn bis 20 Prozent eingebrochen. Richter: „Die Blutlager schmelzen dahin.“ Deshalb seien vor allem gesunde Spender der Blutgruppe 0 Rhesus negativ und A Rhesus negativ aufgerufen zu spenden.

Jeder, der an einer Erkrankung des blutbildenden Systems wie Blutarmut leidet, sowie Personen mit Infektionskrankheiten wie Grippe und HIV dürfen nicht spenden, erklärt Dr. Markus Schimmelpfennig, der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamtes Region Kassel. (abe/chr)

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