Überblick auf die Region

Grippewelle fordert zweites Todesopfer im Schwalm-Eder-Kreis

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Frierend und schniefend im Bett: In der vergangenen Woche stieg im Landkreis Kassel und in der Stadt die Zahl der Grippefälle deutlich an.

Schwalm-Eder-Kreis/Kassel. Ein zweites Todesopfer hat die Grippewelle im Schwalm-Eder-Kreis gefordert. Hier halten wir Sie über die weiter ansteigende Grippewelle in der Region auf dem Laufenden.

Aktualisiert am 23. Februar um 15.50 Uhr - Wie der Sprecher des Landkreises Schwalm-Eder Stephan Bürger um die Mittagszeit bekannt gab, ist ein erkrankter Mann in der Nacht zum Freitag in einer Klinik gestorben. Es soll sich um einen Mitte-Sechzigjährigen handeln. Über den Wohnort und die Klinik wurde nichts mitgeteilt. Es ist das zweite Opfer im Schwalm-Eder-Kreis, im Zusammenhang mit einer Influenza war bereits ein Mensch verstorben, eine Frau ebenfalls in den Sechzigern, wie der Sprecher nunmehr sagte. 

Deutschlandweit hat die Grippewelle einen neuen Höhepunkt erreicht. In der dritten Februarwoche registrierte das Robert Koch-Institut (RKI) rund 24.000 nachgewiesene Grippefälle. 136 Menschen starben nachweislich nach einer Influenza-Infektion. Die Dunkelziffer ist allerdings höher. 

In Hessen wurden bislang sechs weitere Todesfälle mit nachgewiesener Influenza erfasst, wie Sprecherin Esther Walter vom Hessischen Ministerium für Gesundheit mitteilt. 2544 Menschen sind in Hessen 2018 bisher an Grippe erkrankt. "Die diesjährige Influenzawelle befindet sich noch im Anstieg", sagt Walter. Zum aktuellen Zeitpunkt falle sie etwas höher aus als im Vorjahr, in dem insgesamt 3769 Influenza-Fälle gemeldet worden sind.

In Niedersachsen wurden in der vergangenen Woche (12. bis 18.2.) 1203 neue laborbestätigte Grippefälle dem Landesgesundheitsamt gemeldet. 

Wir haben uns umgeschaut. So stark hat es die Region erwischt:

Stadt und Landkreis Kassel

111 Menschen sind laut Gesundheitsamt Kassel in der aktuellen Woche als erkrankt gemeldet worden. Davon leben 44 in der Stadt und 67 im Landkreis. "Das ist ein deutlicher Anstieg", betont Markus Schimmelpfennig, der stellvertretende Amtsleiter. In der letzten Woche waren es noch insgesamt 72, in der vorletzten nur 42 gemeldete Fälle. Etliche Erkrankte sind auch im Krankenhaus gelandet. "Gerade das Klinikum und das Marienkrankenhaus sind sehr gut frequentiert", sagt Schimmelpfennig.

Das Dunkelfeld sei außerdem deutlich höher: Bei den gemeldeten Erkrankungen gehe es nur um die Fälle, bei denen ein Arzt die Grippe durch einen Labortest erwiesen habe. Zusätzlich kurieren zahlreiche Menschen ihre Grippe zu Hause aus. 

Ihren Höhepunkt hat die Grippewelle noch nicht erreicht, die Tendenz sei weiter steigend: Traditionell ist die Hauptsaison der Grippe im Februar und März. "Es geht hier leider richtig rund", sagt Schimmelpfennig.

Auch im Altkreis Kassel ist die Welle angekommen, wenn auch mit unterschiedlicher Intensität. Während in der Praxis von Dr. Michael Poll aus Kaufungen die Anzahl der grippalen Infekte dem normalen Maß für diese Jahreszeit entspricht und es nur einige Grippefälle gab, verzeichnet Dr. Martina Thiele in ihrer Praxis in Baunatal deutlich mehr Fälle. 

„Die Krankenhäuser in Wolfhagen und Hofgeismar sowie das Klinikum melden eine deutliche Zunahme der Grippefälle“, sagt auch die Pressesprecherin der Gesundheit Nordhessen (GNH), Inga Eisel. Dies deckt sich mit dem bundesweiten Trend. 

Schwalm-Eder-Kreis

Die Zahl nachgewiesener Grippeerkrankungen im Landkreis Schwalm-Eder steigt weiter an, aber nicht sprunghaft. Bis Freitagmittag wurden 66 Influenzaerkrankte registriert, das ist ein Plus von sieben gegenüber Donnerstag. Die tatsächliche Anzahl liegt weit höher, auf einen Abstrich zum Nachweis des Virus wird meistens verzichtet. Inzwischen wurden vier weitere Kindertagesstätten beim Kreisgesundheitsamt gemeldet, die die Grippe besonders schwer getroffen hat, alle im Raum Borken. Die Kita Krausgasse in der Innenstadt von Borken kann nur noch einen Notbetrieb aufrecht erhalten, also Kinder betreuen, die keinesfalls zu Hause bleiben können. Wie gemeldet sind auch Einrichtungen in Ziegenhain, Willingshausen, Remsfeld und Guxhagen besonders betroffen. Über Schließungen ist weiterhin nichts bekannt.

Hersfeld-Rotenburg

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg sind die Wartezimmer brechend voll, das meldet Peter Artelt, der Leiter des Gesundheitsamtes. 74 Fälle von echter Grippe wurden hier gemeldet. Betroffen sind vor allem Kitas: Im Rotenburger Stadtteil Lispenhausen waren am Donnerstag 75 von 124 Kindern und zwölf von 22 Erzieherinnen krank, in der Kita Dreikäsehoch in Rotenburg gibt es außerdem 41 Krankheitsfälle. 

Hier finden Sie nähere Informationen zum Krankheitsstand in den Kitas in Hersfeld-Rotenburg.

Waldeck-Frankenberg

20 Fälle von Influenza sind im Landkreis Waldeck-Frankenberg bekannt. Da so viele Erzieherinnen erkältet waren, musste zudem die Kindertagesstätte des DRK in Battenberg am Dienstag und Mittwoch geschlossen werden. Und im evangelischen Kindergarten in Berndorf mussten aufgrund von Krankheitsfällen Gruppen zusammengelegt werden.

Werra-Meißner-Kreis

Laut Kreissprecher Jörg Klinge handelt es sich im Werra-Meißner-Kreis währenddessen um einen ganz normalen Grippeverlauf. Der Betrieb in den Kitas läuft hier ohne besondere Vorkommnisse weiter.

Göttingen und Hann. Münden

Seit Anfang des Jahres gibt es in Göttingen und Hann. Münden 192 bestätigte Fälle. Die mit Abstand meisten Influenza-Fälle wurden im Raum Göttingen gemeldet. Dort gibt es 110 bestätigte Krankheitsfälle. „Wir rechnen in den nächsten Tagen mit weiteren Influenza-Patienten“, so Prof. Dr. Volker Kliem. 

Hier gehts zum ARE-Report über die gemeldeten Krankheitsfälle in Niedersachsen.

Landkreis Northeim

Bis zum Freitag wurden im Landkreis Northeim 237 Fälle von Influenza gemeldet, das hat Landkreis-Mitarbeiterin Claudia Hiller bestätigt. Der Krankheitsstand spiegelt sich auch in der Erfassung der akuten Atemwegserkrankungen wider, die das Landesgesundheitsamt Niedersachsen erfasst.  „Wir haben allein in den vergangenen zwei Wochen 40 Abstriche bei Patienten gemacht, 30 davon waren mit dem Influenza B-Virus infiziert“, sagte Dr. Christian Steigertahl.

Fünf bestätigte Grippe-Patienten sind aktuell in der der Helios Albert-Schweitzer-Klinik untergebracht.

So hängen Herzinfarkt und Grippe zusammen

Mit der Zahl der eingelieferten Menschen mit Grippe-Symptomen steigt auch die Zahl der Herzinfarkt-Patienten, das meldet die Medizinische Hochschule Hannover. Die MHH-Mediziner beobachten diesen Effekt schon im zweiten Winter: Das Herzinfarkt-Risiko sinkt laut der Ärzte durch eine Grippe-Impfung vor Beginn der Influenza-Saison. In diesem Winter ist der empfohlene Impfstoff allerdings nicht so wirksam wie erhofft. 

Wann wird von einer Grippewelle gesprochen?

Die Influenzarate stieg auf den neuen Höchststand für diese Saison von 44 Prozent. Von einer Grippewelle ist die Rede, wenn der Erreger in mehr als 20 Prozent der übermittelten Proben zu finden ist.

Wie sind die Zahlen einzuordnen?

Die Zahlen aus den Krankenhäusern sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Die meisten kurieren die Grippe zu Hause aus. Offenbar ist auch ein Grippe-Virus im Umlauf, der die Patienten nicht gleich mehrere Wochen niederstreckt, sondern für einen milderen Verlauf sorgt. Doch mehrere Tage hohes Fieber und schwere Krankheitssymptome seien ein klares Zeichen für die „echte Grippe“, die Influenza, betont Müller.

Auswirkungen auf den Zugverkehr

Auch bei Unternehmen macht sich die Welle bemerkbar. "Wir haben nach wie vor einen hohen Krankenstand", sagte etwa ein Sprecher der Deutschen Bahn in Frankfurt. Allerdings habe das keine Auswirkungen auf den Zugverkehr, weder bei S-Bahnen noch bei Regionalbahnen. Eng sei es zur Fastnachtszeit geworden, als schlagartig eine Reihe an Lokführern erkrankt sei. Mittlerweile sei das Ganze beherrschbar. "Viele Kollegen sind aus der Pause heraus eingesprungen", sagte der Bahnsprecher.

Grippewelle 2018: Aktuelle Symptome

„Auffällig ist vor allem, dass sie alle die gleichen Symptome aufweisen: ein starker, trockener Husten und hohes Fieber“, beschreibt Thiele die Krankheit. 

Unter ihren zahlreichen Fällen gab es auch Patienten, die es trotz Grippeschutzimpfung erwischt hat. Die ständige Impfkommission hätte aber noch keine Aussagen dazu gemacht, ob das aktuelle Virus durch die Impfung abgedeckt wurde.

Grippe oder Erkältung?

Bei der „echten Grippe“ handelt es sich um eine Infektion mit Influenza-Viren. Im Gegensatz zur Erkältung, die schleichend kommt, hat der Erkrankte plötzlich schwere Krankheitssymptome wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Fieber. Abgeschlagenheit kann hinzukommen. 

Wie lang ist die Inkubationszeit?

Bei einer Grippe dauert die Inkubationszeit wenige Stunden bis zu drei Tagen, schon in dieser Zeit ist der Erkrankte ansteckend. Die Ansteckung erfolgt über Töpfcheninfektion. Das kann beispielsweise geschehen, wenn eine erkrankte Person niest und andere die Tröpfchen einatmen. 

Wie lange ist man ansteckend?

Bis zu einer Woche, nachdem sich die ersten Symptome gezeigt haben, kann der Erkrankte ansteckend sein. 

Behandlung und Medikamente bei Grippe

Wichtig sind vor allem Bettruhe, Schonung und das Trinken einer großen Menge Flüssigkeit. Kopf- und Gliederschmerzen können durch Schmerzmittel gelindert werden, Inhalieren hilft gegen Husten und Schnupfen. Außerdem können vor allem am Beginn einer Grippe antivirale Medikamente dazu beitragen, dass sich die Viren nicht stärker im Körper ausbreiten. Notwendig sind sie aber nur bei Menschen mit Immunschwäche, chronischen Erkrankungen oder einer Komplikation der Gruppe wie eine Lungenentzündung.

Grippe: Tipps zur Vorbeugung

Der wirksamste Schutz vor einer Grippe ist die Impfung. Wer sich jetzt noch mit einer Impfung schützen will, kann das tun. Allerdings könnte es schon zu spät sein. Es dauert rund zwei Wochen, bis der Körper einen Schutz aufgebaut hat. Es gibt aber Wege, um die Gefahr einer Ansteckung zu minimieren.

1. Händewaschen ist das A und O – aber richtig: Mit Seife mindestens 20 Sekunden lang einseifen, auch zwischen den Fingern.

2. Ein Grund für die Schwächung des Immunsystems im Winter ist mangelnde Bewegung an der frischen Luft. Ein Mittagsspaziergang hilft.

3. Frische Luft wirkt auch in geschlossenen Büroräumen wahre Wunder. Durch regelmäßiges Lüften reduziert sich die Virenkonzentration.

4. Auch eine ausgewogene Ernährung wirkt wahre Wunder. Mindestens fünf Portionen Obst und Gemüse stärken die Immunabwehr.

5. Auf der Computertastatur finden sich mehr Keime als auf der Toilette, deshalb lohnt es sich, die Tastatur regelmäßig mit Desinfektionsmittel abzuwischen.

6. Schlafmangel kann dem Immunsystem schaden. Ausreichend Schlaf, Ruhe und Erholung sind wesentliche Faktoren zur Vorbeugung. Auch ein Nickerchen nach der Arbeit oder am frühen Abend hilft gegen Erkältungen.

7. In Grippehochzeiten sollte man versuchen, Menschenmengen zu meiden. Vor allem aber in Bus und Bahn ist das sehr schwierig, dann sollte möglichst viel Abstand zu Menschen gehalten werden, die niesen und husten. Vor allem Zeitungsleser sind an dieser Stelle geschützter, sie können sich mit einer aufgeschlagenen Zeitung schützen. 

(mit dpa)

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