Größer denken mit Helmut Schmidt

Kommunalwahl in Kassel: Matthias Nölke tritt für die FDP an

Offen für pragmatische Lösungen in Sachen Umwelt und Verkehr: Matthias Nölke auf dem Bebelplatz im Vorderen Westen. Ein paar Schritte entfernt wohnt der FDP-Spitzenkandidat seit einigen Jahren.
+
Offen für pragmatische Lösungen in Sachen Umwelt und Verkehr: Matthias Nölke auf dem Bebelplatz im Vorderen Westen. Ein paar Schritte entfernt wohnt der FDP-Spitzenkandidat seit einigen Jahren.

Vor der Kommunalwahl am 14. März 2021 stellen wir die Spitzenkandidaten der einzelnen Listen vor, die in Kassel antreten. Hier: Matthias Nölke (FDP).

Kassel – Matthias Nölke lacht, auf diese Nachfrage zum FDP-Plakatslogan „Zukunft braucht Visionen“ ist er vorbereitet: Hatte nicht Helmut Schmidt gesagt: Wer Visionen hat, solle zum Arzt gehen? „Wir haben das bewusst gewählt“, sagt der 41-jährige Spitzenkandidat der Liberalen in Kassel. Seine Auffassung dazu sei: Wer keine Visionen habe, sei in der Politik nicht richtig.

Nölke hat nach eigenem Bekunden „eine Vorstellung davon, wie Kassel in zehn Jahren aussehen soll“. Falls das als Vision gilt, ist das okay für den Juristen, der seit 2016 im Stadtparlament und seit April 2020 auch als Nachrücker in der FDP-Bundestagsfraktion sitzt. Nölke wirbt dafür, dass große Ziele, die als allgemein erstrebenswert gelten, nicht an politischem Kleinmut oder ideologischer Blockade scheitern sollten.

Rad-Schnellwege auf Ständern hoch über dem Straßenraum wie in Kopenhagen, Behördengänge per App „so einfach wie Online-Shopping“, die teilweise Verlegung von Auto-Verkehrsachsen unter die Erde etwa beim Hansahaus – für Nölke alles eine Frage des Gestaltungswillens. Eines habe er in der Kommunalpolitik gelernt: „Wenn man etwas wirklich will, dann ist auch Geld dafür da.“

Gelernt hat er aber auch, dass in der Politik die Dinge schon mal anders laufen als geplant. Bei der Wahl 2016 hatten die Liberalen mit vier Sitzen zunächst wieder Fraktionsstatus im Stadtparlament erreicht – dann entzweite sich die kleine Truppe über der Frage, ob mit SPD und Grünen ein Regierungsbündnis eingegangen werden solle.

Für Nölke kam es nicht infrage, „nur den Mehrheitsbeschaffer zu spielen“, wie er sagt. Zwei Dissidenten von der FDP aber wechselten die Seiten, die verbleibenden Liberalen schlossen sich 2018 mit Freien Wählern und Piraten zu einer neuen Fraktion zusammen, deren Vorsitzender wiederum Nölke ist.

„Das war eine turbulente Zeit“, blickt er zurück – und verweist zugleich mit Stolz darauf, wie die Partei zur bevorstehenden Wahl aufgestellt sei: ein deutlicher Mitgliederzuwachs seit 2016, eine Kandidatenliste mit 66 Namen – die zweitlängste nach der SPD, wie Nölke betont. Das ist ihm wichtig. Den in Kassel politisch führenden Sozialdemokraten sagt er nach, einen Habitus zu pflegen, „als sei die Stadt ihr Eigentum“. Dem wolle er eine Politik entgegenhalten, „die die Menschen ein Stück weit in Ruhe lässt, aber nicht im Stich“.

Im links-grünen Milieu rund um den Bebelplatz, wo der Hobbytaucher und Technikfan Nölke seit einigen Jahren als Single wohnt, hat er einiges Anschauungsmaterial dafür, dass bestimmte Politikfelder zunehmend außerhalb der hergebrachten demokratischen Institutionen ausgetragen werden. Er verstehe nicht, dass Klima-Initiativen und Rad-Aktivisten sich nicht per Liste zur Kommunalwahl aufstellen lassen, sagt der gebürtige Kasselaner, der auch Kreisvorsitzender der Liberalen ist. Die Themen seien wichtig, „deshalb gehört das ins Parlament“. Den auf städtischer Ebene gegründeten Klimaschutzrat hält Nölke hingegen für „ein Placebo“.

Statt moralischer Appelle und düsterer Szenarien setze die FDP auf Vernunft, Eigenverantwortung sowie auf technische und wissenschaftliche Innovationen zur Lösung dieser Fragen. Die Menschen müssten nicht belehrt und erzogen werden, ist Nölke überzeugt: „Es ist heute eigentlich selbstverständlich, dass man sich ressourcenschonend verhält.“

Bei der Reihenfolge der Porträts orientieren wir uns an der Reihenfolge der Listen auf dem Wahlzettel. Am Montag stellen wir Violetta Bock von der Kasseler Linken vor.

Von Axel Schwarz

Hinweis in eigener Sache: Für die Aussagen in den Kandidatenvideos sind ausschließlich die Kandidaten und Parteien verantwortlich.

Alle Kandidatenporträts finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.