Größte Erfolge gibts im Team - Abkehr vom Geniekult gefordert

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Titel durch Teamwork: Weil es Bundestrainer Joachim Löw (rechts) gelang, eine Mannschaft zu formen, in der alle elf Spieler miteinander spielten und ihre Stärken entfalten konnten, wurde Deutschland 2014 Weltmeister.

Kassel. Warum ist Deutschland 2014 in Brasilien Fußball-Weltmeister geworden? Weil sich Bundestrainer Joachim Löw von der Philosophie der Einzelstars verabschiedet und eine „Mannschaft" geformt hat, in der alle miteinander gespielt haben. Das ist die Überzeugung von Kreativforscher Prof. Dr. Olaf-Axel Burow von der Universität Kassel.

In seinem neuen Buch fordert Burow den Abschied vom „längst überholten Geniekult“ und zeigt, wie Gruppenprozesse zu kreativen Höchstleistungen führen können. In Bezug auf den Fußball verweist der Erziehungswissenschaftler auf wissenschaftliche Untersuchungen über das Abspielverhalten während der Europameisterschaft 2008. Fazit: Mit Spanien holte sich damals das Team den Titel, in dem alle Spieler ausgewogen am Zusammenspiel beteiligt waren, während zum Beispiel bei Deutschland vor allem sechs Spieler miteinander spielten und fünf weitestgehend außen vor waren.

Jeder bringt seine Stärke ein

„Nicht jeder kann alles, aber jeder kann etwas Besonderes“, sagt Burow. Und ergänzt: „Wenn jeder seine Fähigkeiten einbringen kann, alle sich mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten wertschätzen, sich einem gemeinsamen Ziel und einer gemeinsamen Strategie unterordnen und sich gemeinsam die Bälle zuspielen, dann entsteht ein synergetisches Kreatives Feld, in dem der Team-Flow alle zu gemeinsamen Spitzenleistungen beflügelt.“

Olaf-Axel Burow

Burow bezieht seine Theorie nicht nur auf den Fußball, sondern auf alle Lebenslagen. Beispiele: Der Erfolg von Apple zum Beispiel sei nur möglich gewesen, weil Steve Jobs immer ein starkes Team neben sich gehabt habe. Oder: Ringo Starr sei als Musiker eher mittelmäßig begabt gewesen, im Zusammenspiel mit den drei anderen Beatles aber ein Star geworden. Burow: „Wir sind fasziniert von Koryphäen, aber jeder, auch Messi, kann seine Spitzenleistungen nicht bringen, wenn er nicht in der passenden Mannschaft spielt.“

Als Gegenbeispiel nennt Burow die Deutsche Bank, „die auf den Hund gekommen ist, weil sie keine Teamkultur hatte.“ Die Überhöhung einzelner Spitzenmanager habe zu Größenwahn und zum Absturz geführt.

Lob hat Burow hingegen für Götz Werner, den Gründer der Drogeriemarkt-Kette DM parat. Dessen Erfolg basiere darauf, dass er den Filialen Eigenverantwortung übertragen habe und diese ihre Prozesse selbst bestimmen könnten.

Auf die Schule übertragbar

Auch in der Bildungspolitik ist es nach Ansicht von Burow überholt, die Schüler einzeln und isoliert abzuprüfen. Sinnvoller sei es, auch in der Schule Teams zu bilden und sie so zusammenzustellen, dass jeder seine Stärken einbringen könne.

Team-Flow, so Burow, sei „der einzige Weg, um mit der wachsenden Komplexität unserer heutigen Mediengesellschaft fertig zu werden und den Einzelnen vor Überforderung zu schützen.“

„Team-Flow. Gemeinsam wachsen im Kreativen Feld.“ Olaf-Axel Burow., Beltz-Verlag, 220 Seiten, 24,95 Euro. 

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