Birgit Wiegand führt in der dritten Generation eine Praxis in Niederzwehren

Von Groß- zu Kleintieren

Dritte Generation: Dr. Birgit Wiegand hat im Jahr 2001 die Praxis von ihrem Vater übernommen. Auf dem Behandlungstisch liegt ihr Hund Luna, im Hintergrund arbeitet Helferin Kira Schirghofer. Foto:  Herzog

Niederzwehren. Wie sich das Leben von Familien in den vergangenen 90 Jahren verändert hat, das wird an der Niederzwehrener Tierarzt-Familie Wiegand deutlich. Als Dr. Heinrich Wiegand im Jahr 1920 mit seiner Arbeit begann, da kümmerte er sich nur um die Gesundheit von Großtieren: Hund und Katze gehörten damals nicht zu seinen Patienten. Er wurde nur gerufen, wenn Nutztiere wie Pferd oder Kuh krank waren.

Mit dem Wirtschaftswunder bekamen in den 60er-Jahren Haustiere einen anderen Stellenwert. Dr. Heinz Wiegand, der 1954 in die Praxis seines Vaters in der Usbeck-straße eingestiegen war, fing 1959 mit der Behandlung von Hunden und Katzen an. Die ersten vier Jahre behandelte er die langsam in die Mode gekommenen vierbeinigen Familienmitglieder in einem Zimmer seiner Wohnung, das er zum Behandlungsraum umgestaltet hatte.

Dr. Birgit Wiegand, die die Praxis im Jahr 2001 von ihrem Vater übernommen hat, kümmert sich nur noch um Tiere, die Menschen in ihren Wohnungen halten. Neben Hunden, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögeln und Schildkröten behandelt sie auch viele Schlangen und Reptilien. „Dafür benötigt man schon ein spezielles Wissen“, sagt die 46-jährige Ärztin.

Viel Erfahrung bei der Behandlung dieser Exoten hat sie gesammelt, als sie ihre Assistenzzeit in Berlin verbrachte. „Das ist schon ein anderes Pflaster, was Reptilien angeht.“

Birgit Wiegand und ihre drei ärztlichen Kollegen sowie die drei Helferinnen behandeln 30 bis 40 Tiere am Tag in der Praxis an der Leuschnerstraße, in die sie vergangenes Jahr umgezogen ist. „Die Tiere werden immer älter“, sagt die Tierärztin. „Das liegt an der besseren Pflege und Diagnostik. Heutzutage können wir eine Überfunktion der Schilddrüse bei Meerschweinchen nachweisen.“

Da die Menschen ihre Tiere meist als Familienmitglied betrachten, seien sie auch bereit, alles Mögliche für die kranken Zwei- und Vierbeiner zu machen. Zu den Patienten von Birgit Wiegand gehört ein Dackel, der mittlerweile 16 Jahre alt ist. In Menschenjahren wäre er 112. Kürzlich musste sie eine Katze einschläfern, die 22 Jahre alt geworden ist.

Tierärzten gehe es oft wie Kinderärzten, sagt die 46-Jährige. Da Tiere genauso wenig wie kleine Kinder über ihre Schmerzen sprechen können, sind die Ärzte auf die Beschreibung angewiesen. „Es ist wichtig, gezielt nachzufragen und auf die Menschen einzugehen.“

Die Tierärztin macht nicht nur Hausbesuche, sondern nimmt kranke Tiere auch stationär auf. „Das ist bei uns mit Familienanschluss“, sagt Wiegand, die im selben Haus wohnt. Apropos Familie - ob ihr 13-jähriger Sohn die Praxis in vierter Generation übernehmen wird, steht noch nicht fest. „Oft genug ist er jedenfalls schon danach gefragt worden“, sagt Birgit Wiegand.

Tierarztpraxis Wiegand, Leuschnerstr. 37, Tel. 4 26 64.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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