Margarete Gleichmann

Große Familie: Eine 96-jährige Kasselerin hat bald 25 Urenkel

An den Wänden ist kein Platz mehr: Überall in der Wohnung von Margarete Gleichmann hängen und stehen Bilder ihrer Kinder, Enkel und Urenkel. F otos:  Schachtschneider

Kassel. Die 96-jährige Margarete Gleichmann wohnt auf dem Hegelsberg und hat eine große Familie.

Wenn Margarete Gleichmann mit ihren Enkeln und Urenkeln einen Ausflug machen würde, dann müsste sie wohl einen Bus mieten. In den Kleinwagen der 96-jährigen Frau, die auf dem Hegelsberg wohnt, finden ihre Nachkommen keinen Platz. Margarete Gleichmann hat nämlich 16 Enkelkinder im Alter zwischen 44 und 20. Und 24 Urenkel. Im Juni wird Urenkel Nummer 25 geboren.

Die Grundlage für diese große Familie haben Margarete und ihr Mann Otto, der vor 37 Jahren gestorben ist, gelegt. Das Paar bekam vier Söhne: Der Älteste ist 72, der Jüngste, ein Nachkömmling, ist 52. Am heutigen Mittwoch wird der zweitälteste Sohn, der mit seiner Familie in Marburg lebt, übrigens 70 Jahre alt.

Die Söhne, Enkel und Urenkel von Margarete Gleichmann leben in der Schweiz und über Deutschland verteilt. Bis vor wenigen Jahren ist die 96-Jährige noch selbst im Auto bis in die Schweiz oder nach Euskirchen gefahren, um ihre Kinder zu besuchen. Da sie mittlerweile ab und an mal Schwindelanfälle bekomme, habe sie ihren Söhnen versprochen, nicht mehr solche lange Strecken auf der Autobahn zu fahren. Mit ihrem Wagen fährt sie aber noch vom Hegelsberg runter in die Stadt, um Wege zu erledigen.

Sie habe nicht viel Zeit, sagt die 96-Jährige, die von ihren Freunden Gretel genannt wird. Allein das Schreiben der ganzen Geburtstagskarten an ihre Kinder und Enkel ist sehr aufwendig. An den Wänden in ihrer Wohnung hängen überall Bilder von ihren Nachfahren. „Ich habe gar keinen Platz mehr.“ Zu ihrem 95. Geburtstag im August 2016 hat sie von vier Urenkeln ein ganz besonderes Foto bekommen. Die vier Jungs, die Söhne einer ihrer Enkeltöchter, haben mit ihren Körpern Buchstaben gebildet und daraus einen Geburtstagsgruß gemacht. Auch wenn sie so viele Enkel hat, fallen der 96-Jährigen zu allen Anekdoten ein, die aber nicht veröffentlicht werden sollen. Wegen der Privatsphäre der Kinder.

Ihre Enkel würden sie oft in Kassel besuchen

Meist stehen sie überraschend vor der Tür, sagt die Seniorin. Ihren 95. Geburtstag feierte Margarete Gleichmann in Bad Sooden Allendorf. „Da waren bald 100 Leute da“, erzählt sie. Zu der Region an der Werra hat sie ein besonderes Verhältnis, weil sie mit ihren Eltern nach Kriegsende ab Frühjahr 1945 in dem Dorf Ellershausen für einige Jahre gelebt hat.

In Ellershausen heiratete sie auch Weihnachten 1945 ihren Mann Otto. Den jungen Soldaten aus Thüringen hatte sie Jahre zuvor in den Niederlanden kennengelernt, wo sie als Stenografin bei der Rüstungsinspektion arbeitete. In Holland und Kassel hat die junge Frau mehrere Bombenangriffe miterlebt und mitansehen müssen, wie Kollegen von ihr dabei ihr Leben verloren. Sie habe mehrfach Todesangst gehabt.

Nach einem Tieffliegerangriff auf einen Zug, mit dem sie von den Niederlanden nach Kassel unterwegs war, habe sie mit mehreren Menschen in einem Graben gelegen. „Als ich dort lag, habe ich gebetet, dass ich noch einmal nach Hause komme. Wenn ich überlebe, wollte ich ein anderer Mensch werden.“

Margarete Gleichmann wurde später gläubig und Mitglied einer freien evangelischen Gemeinde. Sie empfindet es als Gnade, so alt geworden zu sein, sagt die Frau, die keinen Alkohol trinkt und nie geraucht hat. Ihre Kinder sagten immer, sie müsse noch weiterleben, damit sie noch für alle beten kann.

Sie selbst hatte eine glückliche Kindheit 

Um für ihre Söhne da zu sein, wurde Margarete Gleichmann nach dem Krieg nicht wieder berufstätig. Sie finde es schlimm, wenn heutzutage Mütter arbeiten müssten. Ihr Engagement für ihre Söhne wurde belohnt: Alle haben studiert und wurden Arzt, Jurist oder Pastor. Nach dem Tod ihres Mannes Otto nahm sie mit 60 Jahren allerdings noch mal eine neue Beschäftigung auf: Margarete Gleichmann arbeitete fünf Jahre lang in der Bibliothek und im Fotoarchiv der Arbeitsgemeinschaft für Friedhof und Denkmal.

Sie selbst habe eine glückliche Kindheit und vorbildliche Lehrer gehabt, sagt die 96-Jährige. „Ich habe nur nette Menschen in meinem Leben kennengelernt.“ Auch in der Nachkriegszeit, als es ihrer Familie finanziell nicht gut ging, habe sie wundervolle Begegnungen gehabt.

Heute nehme man zu viel als selbstverständlich hin, zum Beispiel, dass man sauberes Wasser habe, sagt die 96-Jährige. Komme es zu einer Verunreinigung des Wassers, wie am Wochenende, seien die Menschen schnell unzufrieden. Dabei sollten sie dankbar sein, dass überhaupt Wasser aus der Leitung kommt.

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