Änderungen bei Städtischen Werken und EAM

Strompreise: Große Haushalte sparen - Fragen und Antworten

Stromnetz: Weil immer mehr Haushalte ihren Strom selbst produzieren, haben die Städtischen Werke weniger Einnahmen. Eine höhere Servicepauschale soll die Verluste ausgleichen. Archivfoto: dpa

Kassel. Preisänderungen für Strom bei den Städtischen Werken und bei EAM sorgen für Gesprächsstoff. In der Kritik sind vor allem die Steigerungen der Städtischen Werke bei der Servicepauschale, die andere Versorger Grundpreis nennen.

Mit Blick auf andere Anbieter geben wir Antworten auf einige Fragen dazu.

Wie begründen die Städtischen Werke, dass die Servicepauschale teurer wird? 

Bisher haben die Städtischen Werke die Kosten für die Bereitstellung der Netzinfrastruktur zu einem großen Teil über Erträge aus dem Verkauf von Strom finanziert. Weil aber immer mehr Haushalte im Zuge des Ausbaus der Erneuerbaren Energien ihren Strom selbst produzieren zum Beispiel über Photovoltaikanlagen und weniger aus dem Netz entnehmen, haben die Städtischen Werke in diesem Bereich weniger Einnahmen. Deshalb erhöhen sie mit der Servicepauschale den Bestandteil, der unabhängig vom Verbrauch ist. Als weitere Gründe nennen die Städtischen Werke höhere Preise im vorgelagerten Netz, die sie selbst zahlen müssen, sowie neue gesetzliche Anforderungen, die „Mehrkosten in der Abrechnung nach sich ziehen“.

Zahlen wegen der höheren Servicepauschale ab 1. März alle mehr? 

Nein. Die Städtischen Werke senken zugleich den Strompreis pro Kilowattstunde. Teurer wird es für alle, die weniger als 1696 Kilowattstunden pro Jahr verbrauchen. Große Haushalte mit höherem Verbrauch zahlen also unter dem Strich weniger, während es für kleine Haushalte teurer wird.

Wie viele Haushalte in Kassel produzieren inzwischen selbst Strom? 

Bis Juli 2014 gab es im Netzgebiet der Städtischen Werke allein 1383 Photovoltaikanlagen. Die haben zusammen eine Leistung, die drei mal so hoch ist wie vor fünf Jahren, als es 608 Anlagen mit einer kumulierten Leistung von 7354 Kilowatt gab.

Warum ist der Strom noch so teuer, obwohl die Preise an den Börsen gesunken sind? 

Ein Grund sind staatliche Abgaben. Nach Zahlen des Bundes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) behalten die Energieversorger weniger als die Hälfte vom Preis. Demnach lag der Anteil staatlicher Steuern, Abgaben und Umlagen im vorigen Jahr bei 52 Prozent, so hoch wie noch nie. 1998 lag der Anteil staatlicher Abgaben bei 25 Prozent, seither ist er stetig gestiegen.

Warum können andere Energieversorger günstigere Angebote machen?

In Kassel sind die Städtischen Werke als Grundversorger verpflichtet alle Haushalte zu beliefern und eine absolut sichere Versorgung zu garantieren. Deswegen müsse der Strom langfristig beschafft werden, was teurer sei. Von den kurzfristig niedrigen Preise an den Strombörsen profitieren Grundversorger nicht. Gleiches gilt im Kasseler Umland für Eon. Trotz der Rekommunalisierung der EAM ist Eon weiter Grundversorger, weil er nach wie vor die meisten Kunden hat. Unter anderem aus diesem Grund kann EAM derzeit auch bessere Preise anbieten.

Kann man als Kunde der Städtischen Werke mit einem Wechsel zu EAM sparen? 

Nicht wirklich. Als kommunales Unternehmen macht die EAM anderen kommunalen Energieversorgern wie eben den Städtischen Werken in Kassel keine Konkurrenz mit Kampfpreisen. Sparen kann man eigentlich nur durch einen Wechsel zu anderen Versorgern, die ihren Sitz nicht in der Region haben.

Wie kann man den Anbieter wechseln?

Wegen der Preiserhöhung muss man bei einem Wechsel zu einem anderen Anbieter derzeit keine Kündigungsfrist beachten. Viele Versorger locken mit Boni, von denen Neukunden aber oft nur am Anfang profitieren. Die meisten bieten zudem einen kompletten Service, bei dem die Energieunternehmen den Kunden alle Formalitäten rund um den Wechsel abnehmen.

Allerdings bleibt abzuwarten, ob nicht auch weitere Anbieter ihre Preise ändern. Bisher hat sich zum Beispiel bei Eon nichts geändert. Auf Anfrage erklärte Pressesprecherin Verena Huber: „Eon hält die Strompreise für Privatkunden bereits seit Anfang 2013 bis mindestens Ende Januar 2015 stabil.“

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