„Große Herausforderung mit kleinem Budget“

Skulptur „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ von New Yorker Künstlerin in der Kritik

Das Kunstwerk „11 Frauen - 11 Jahrhunderte“ nahe dem Platz der elf Frauen in Kassel
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Künstlerin

Ein Anruf aus dem New Yorker Stadtteil Bronx. Linda Cunningham, Künstlerin der Skulptur „11 Frauen – 11 Jahrhunderte“ ruft zurück. Sie will sich zur Kritik an ihrem Kunstwerk äußern. „Es ist weitaus besser, wenn es Kontroversen gibt, als wenn die Skulptur ignoriert wird. Leider wird zu selten über positive Reaktionen berichtet.“

Kassel – Zu viel Text, zu kleine Buchstaben, schlecht lesbare Texte aufgrund transparenter Glaspaneele – von verschiedenen Seiten kommt Kritik an der 48.000-Euro-Skulptur, mit der die US-amerikanische Künstlerin beauftragt und die im Mai dieses Jahres am Standort im Vorderen Westen fertiggestellt wurde. Das Ziel: 11 Frauen würdigen, die in Politik, Literatur oder Wirtschaft Wichtiges geleistet haben.

„Ich konnte frei entscheiden, wie ich diese Idee innerhalb der Grenzen eines sehr, sehr kleinen Budgets umsetzen wollte“, sagt Cunningham, die die Skulptur 2013 selbst angeregt hatte – im Anschluss an das Stadtjubiläumsprojekt 11 Frauen – 11 Jahrhunderte, zu dem auch ein Buch veröffentlicht wurde.

Ihre Anregung habe sich auch wegen des Budgets als „große Herausforderung“ herausgestellt, sagt Cunningham und erklärt: „Das architektonische Glas ist transparent, damit es sich in die natürliche Umgebung einfügt und Teile der anderen Tafeln den Betrachter zum Weiterschauen anregen können.“ Die Entscheidung für Glas habe wiederum ihre Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt: „Alles, was auf der einen Seite gezeigt wurde, musste das Bild auf der anderen Seite verdecken.“ Ihr Entwurf sei von der Kasseler Kunstkommission genehmigt worden. Eine Änderung sei später nicht mehr möglich gewesen.

Dass die Schrift so klein ausfiel, hatte mit der Menge an Material zu tun. „Es waren viele Worte notwendig, um die Bedeutung der Leistungen der Frauen zu verdeutlichen.“ Noch immer seien die meisten Worte aus einer Entfernung von einem Meter lesbar.

Die Wirkung der Skulptur werde unterschiedlich wahrgenommen, teilen indessen Elke Böker und Sabine Köttelwesch, Initiatorinnen des 11-Frauen-Projekts, mit. „Von völliger Begeisterung bis hin zur totalen Ablehnung ist alles drin.“ Sie empfänden es als Bereicherung, wenn über ästhetische Fragen und kulturelle Relevanz gestritten werde.

Linda Cunningham

Einer, der sich auch für die Würdigung von Frauen im öffentlichen Raum einsetzt, ist der Historiker und Publizist Wolfgang Matthäus. Erfolg hatte er etwa mit der Benennung des Platzes vor der Adventskirche nach Dr. Lilli Jahn. Das Problem der Skulptur am Platz der elf Frauen sei, dass sie sich nicht entscheiden wolle: „Will sie eine künstlerische Würdigung sein, will sie informativ dokumentieren?“ Beidem werde sie nicht gerecht. Ein Beispiel: „Auf der Tafel für Sara Nussbaum wird der NS-Zynismus ’Arbeit macht frei’ optisch in einen unmittelbaren Zusammenhang mit ’Deutsches Rotes Kreuz’ gebracht. Mehr als ärgerlich.“

Wohlgemeinte Ratschläge des Archivs der deutschen Frauenbewegung zu den Inhalten der Tafeln seien von der Projektgruppe und der Künstlerin zurückgewiesen worden. „Die künstlerische Freiheit, mit der das begründet wurde, findet ihre Grenzen in den Maßstäben geschichtswissenschaftlicher Regeln.“ Wenn auch sie sich „in Teilen das Ergebnis anders gewünscht“ hätten, wollen Böker und Köttelwesch das Projekt als abgeschlossen betrachten. Foto: Pia malmus

(Anna Lischper)

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