Ob Stadt Geld in die Hand nimmt, ist unklar

Große Mängel in Kassels Freibädern

Ablagerungen: Schwimmer wie Walter Petow müssen hinnehmen, dass ein Schmutzfilm aus Fett, Kosmetika und Umwelteinflüssen am Rand des Beckens haftet. Fotos:  Herzog

Kassel. „Ich habe gehört, hier sollen ganz viele Häuser gebaut werden. Bleibt das Bad jetzt für immer geschlossen?“, fragt ein etwa zehnjähriger Junge am Freitagmittag im Freibad in Bad Wilhelmshöhe.

Norbert Witte, Städtische-Werke-Vorstand, kann dem Jungen keine eindeutige Antwort geben. Er sagt zwar, dass das sanierungsbedürftige Bad (Baujahr 1935) auch in der kommenden Saison wieder aufgemacht werden soll. Aber mit einer Einschränkung: „Ich lehne die Verantwortung für die Verkehrssicherheit ab, wenn hier nichts passiert“, sagt Witte.

Ob noch einmal Geld in die Bäder in Wilhelmshöhe und Harleshausen gesteckt wird, darüber muss letztlich die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. Kämmerer Dr. Jürgen Barthel hatte kürzlich mit Blick auf die städtischen Schulden gesagt, dass die Bäder vorerst geschlossen werden sollen, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne.

Aus den 50er-Jahren: Mitarbeiter Andreas Hornhart steht neben dem Balken, der den Technikraum abstützen muss. Die Beckenwasseraufbereitungsanlage entspricht auch nicht mehr dem heutigen Stand der Technik (unten).

Die Umkleidekabinen in Wilhelmshöhe sind zumindest seit Jahren gesperrt. Feuchtigkeit ist in die Decke gezogen. „Die Standfähigkeit der Konstruktion ist rechnerisch nicht mehr nachzuweisen“, sagt Karsten Luttrup-Bauer, der für die Planungsabteilung KVC der Städtischen Werke arbeitet. Der Zustand werde von Jahr zu Jahr schlechter. Ursprünglich waren die Umkleidekabinen nach vorne hin offen. Nachdem sie zugemauert worden waren, habe die Feuchtigkeit nicht mehr abziehen können.

Der Duschbereich musste noch nicht gesperrt werden, er ist noch funktionsfähig. Allerdings wirken die knapp 80 Jahre alten Duschen wenig einladend.

Auch das Technikgebäude muss abgestützt werden, um die Standsicherheit zu gewährleisten. Die Beckenwasseraufbereitungsanlage stammt aus den 50er-Jahren. Das entspreche nicht mehr dem heutigen Standard, sagt Jens Herbst, zuständig für den Bäderbetrieb. Es bedeute aber nicht, dass das Wasser dreckig oder gesundheitsschädlich ist. Während in modernen Bädern das Wasser über eine Überlaufrinne aus dem Becken läuft und anschließend gereinigt wird, läuft es in Wilhelmshöhe durch Gitter im Nichtschwimmerbereich ab. Diese Gitter müssen regelmäßig gereinigt werden, da sich hier gern Pflaster, Blätter und Unrat ansammeln. 500 Kubikmeter Wasser werden pro Stunde aufgearbeitet, das 50-Meter-Becken umfasst insgesamt 2000 Kubikmeter.

Das 50-Meter-Becken und das Kinderbecken weisen Risse auf. Zum Teil sind diese bereits notdürftig geflickt worden, damit sich niemand an den scharfen Kanten verletzt. Zudem sei der Beton im Becken chloridhaltig, sagt Luttrup-Bauer. Die Risse sehe man erst nach den Wintermonaten, wenn das Wasser aus dem Becken gelassen werde. Je größer die Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter seien, desto größer seien später die Schäden im Becken.

Von Ulrike Pflüger-Scherb

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