Ohne Antibiotika

Große Nachfrage nach Wildfleisch

Stammkunden im Waldladen: (von links) Adolf und Barbara Roddewig und Michael Richter werden von Renate Herbort beraten und bedient. Fotos:  Koch

Kassel. Michael Richter aus Fuldabrück gehört zu den Menschen, die regelmäßig in den Waldladen im Habichtswald gehen und Wildfleisch kaufen.

„Das schmeckt nicht nur sehr gut, sondern ich weiß, dass ich ein Naturfleisch ohne Antibiotika esse“, sagt Richter. Eine halbe Stunde vor der eigentlichen Öffnung stehen die Kunden bereits vor dem Laden, der vom Forstamt Wolfhagen betrieben wird, um sich mit Braten, Wurst und Schinken einzudecken.

Wildschweinrücken sei zur Weihnachtszeit eigentlich der Renner, sagt Renate Herbort, die hinter der Theke steht. Einige Kunden seien allerdings jüngst irritiert gewesen, weil ein HNA-Leserbriefschreiber behauptet habe, dass Wildschweine nicht auf Trichinen (Gattung winziger Fadenwürmer mit parasitischer Lebensweise) untersucht würden. Das sei falsch. „Wir verkaufen nur zertifiziertes Fleisch. Wildschwein niemals ohne Trichinenbeschau.“

Seit Jahren kein Befall

Das bestätigt auch Theo Arend, stellvertretender Chef des Forstamts Wolfhagen. Das Gesetz schreibe vor, dass jedes Wildschwein auf Trichinen untersucht werden muss. Die Trichinellose ist eine parasitäre Infektionskrankheit, die bei Alles- und Fleischfressern auftreten kann. Da Rehe Pflanzenfresser sind, müssen sie nicht untersucht werden. Es habe seit Jahren keinen einzigen Trichinenbefall in Hessen gegeben, betont Arend. Von jedem Wildschwein würden zwei Proben aus dem Zwerchfell und aus dem Vorderlauf an das Veterinäramt gegeben und dort untersucht, sagt Arend. „Wenn wir innerhalb von drei Tagen nichts von denen hören, dann ist alles in Ordnung.“

Jedes erlegte Stück Wild müsse ohnehin, nachdem es aufgebrochen (Entfernung der Innereien) sei, mindestens 72 Stunden in der Kühlkammer abhängen, damit sich der PH-Wert des Fleisches auf einen Wert von 5,5 absenkt. Danach werde das Wild bei einem Metzger zerlegt, bevor es im Waldladen verkauft wird, sagt Arend. Hier werde seit vier Jahren zudem nur Wild angeboten, das mit bleifreier Munition erlegt worden sei.

72 Stunden abhängen: Theo Arend schaut sich ein Reh in der Kühlkammer an.

„Viele Kunden wünschen gefrorenes Fleisch, weil sie es ohnehin bis Weihnachten aufheben wollen. Aber wir haben natürlich auch frische Ware“, sagt Herbort. Sie verkauft nicht nur das Fleisch, sondern gibt den Kunden auch gern Tipps, wie sie daraus schmackhafte Gerichte zubereiten können.

Fast vier Tonnen

Der Verkauf dort sei längst zu einem Selbstläufer geworden, im vergangenen Jahr seien fast vier Tonnen im Waldladen verkauft worden, sagt Arend. Wenn das Wild verantwortungsvoll gejagt werde, dann sei das fettarme und eiweißreiche Fleisch eine „gesunde Alternative“.

Die Qualität der Ware überzeugt auch Hartmut Wünsche aus Oberelsungen. In der vergangenen Woche haben er und seine Frau Reh und Wildschwein gekauft. Bereits für Weihnachten. „Das ist ein gutes Stück Fleisch ohne Chemikalien“, sagt Wünsche.

Waldladen Habichtswald, Forsthaus neben dem Golfplatz, Ehlener Straße 31, Kassel, Tel. 05 61/310 23 39. Geöffnet: Dienstag 15 bis 17 Uhr, Freitag 15 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 13 Uhr (nur November bis Dezember).

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