Anwohner befürchten Plage

Große Rosenstraße in Kassel: Ein wahres Paradies für Ratten

+
Mögliche Ursachen der Rattenplage: Tote Tauben, gelbe Säcke und Essensreste sind Gründe für die zunehmende Rattenpopulation, vermuten Anwohner Klaus-Dieter Neumann (rechts) und Kfz-Meister Lothar Rebbig. Foto: Triesch

Kassel. Die Anwohner der Rudolf-Schwander-Straße sind nicht erfreut über ihre neuen Nachbarn: Denn dort sollen sich jede Menge Ratten tummeln. Aufgefallen waren die Nager bei ihren Ausflügen rund um die Große Rosenstraße, zwischen Rudolf-Schwander- und Werner-Hilpert-Straße in Kassel-Mitte.

Die Anwohner informierten die Stadt. Doch dann sei zunächst erst mal nichts passierte, sagen sie. Die Stadt sieht das ganz anders.

„Warum mussten wir mehrere Wochen warten, bis sich die Stadt das mal angesehen hat?“, empört sich Anwohner Klaus-Dieter Neumann. Während der Wartezeit habe er selbst alle Rattennester aufgespürt und mehrere große Tiere gesichtet, erzählt der 82-Jährige. Seit 35 Jahren wohne er schon in der Gegend - aber so etwas habe er hier noch nie erlebt. Sein Verdacht: Die gelben Säcke sind schuld.

Auch Anwohnerin Martina Becker-Garcia ist sicher, dass die zunehmende Rattenpopulation an den Anwohnern selbst liegt - quasi als Futterlieferanten durch Essensreste im Müll.

Gelbe Säcke locken an 

Mit mindestens 20 gut gefüllten gelben Säcken, die auch außerhalb der Abholtage immer wieder vor die Tür gestellt werden, locke man die Ratten geradezu an, sind sich alle Beteiligten einig.

Man werde nicht mehr Herr der Lage, fügt Hausmeister Michael Mühr hinzu. Besonders unangenehm: „Direkt neben dem Parkhaus Vaterland liegen immer wieder tote Tauben“, erzählt Lothar Rebbig vom Kfz-Meisterbetrieb Auto-Praxis. „Ein gefundenes Fressen für die Ratten. Die zerren die Tauben tatsächlich über den ganzen Hof.“ Fraglich ist, woran die Tauben gestorben sind. „Wir vermuten Gift“, spekulieren die Anwohner. Wer das Gift verteilt, wisse niemand.

Ordnungsamt informiert 

Zu solch drastischen Mitteln wie Gift müsse man gar nicht greifen, erklärt Ingo Happel-Emrich, Pressesprecher der Stadt Kassel. Um die Rattenpopulation niedrig zu halten, rät er, gelbe Säcke nicht im Freien zu lagern und das Umfeld sauber zu halten.

Aber auch die Stadt will nun aktiv werden: „Dem Ordnungsamt liegen Informationen über Ratten-Vorkommen in dieser Gegend vor“, erklärt Happel-Emrich. „Es wurden die zuständigen Stellen wie etwa Kasselwasser wegen der Kanalisation, die Stadtreiniger wegen der gelben Säcke und das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt wegen der Ratten-Löcher informiert.“ Eine Rattenbekämpfung durch den Eigentümer habe es im April, nach Anordnung der Stadt, gegeben. Scheinbar ohne Erfolg.

Wird diese Anordnung nicht fristgemäß befolgt, beauftragt die Stadt eine Fachfirma, übernimmt die Kosten und stellt diese dem Hauseigentümer in Rechnung. Diese belaufen sich ab 250 Euro aufwärts und hängen vom Umfang der jeweiligen Arbeiten ab.

„Sollten nach Prüfung wieder Ratten auf Privatgrundstücken festgestellt werden“, so Happel-Emrich, „werden wir die Eigentümer zu einer erneuten Bekämpfung auffordern.“

Das sagt Kasselwasser

In Kassel ist der städtische Eigenbetrieb Kasselwasser mit der Bekämpfung der Tiere innerhalb der Kanalisation beauftragt. Dort ist das Problem rund um die Große Rosenstraße bekannt: „Wir waren schon mehrfach vor Ort und haben regelmäßig Rattengift ausgelegt“, erklärt Arno Bauer, Sachgebietsleiter bei Kasselwasser.

Außerdem werde regelmäßig dokumentiert, ob die Köder erfolgreich ausgelegt werden, da tote Tiere beim Veterinäramt gemeldet werden müssen. Kasselwasser sei jedoch ausschließlich für das 830 Kilometer lange Kanalnetz unterhalb der Stadt zuständig. „Die Ratten leben allerdings nicht in den Kanälen“, weiß der Experte. „Sie nutzen diese nur als Verbindungswege.“

Bauer verweist darauf, dass für die Schädlingsbekämpfung und die Hygiene der städtischen Grundstücke das Ordnungsamt zuständig ist. „Beköderung auf Privatgelände darf die Stadt jedoch nicht. Dafür ist der Privateigner selbst verantwortlich.“

Von Melanie Triesch

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.