Kammerpräsident Gringel warnt vor Zerstörung von bewährtem System

Handwerk lehnt EU-Pläne ab: Große Sorge um den Meisterbrief

+
Es läuft: Bau- und Ausbaugewerbe, aber auch Metall- und Nahrungsmittelhandwerke haben derzeit gut zu tun.

Kassel. Frei von Sorgen ist das heimische Handwerk zwar nicht. Aber so gut wie derzeit ging es der Branche noch nie, wenn man von schwächelnden Kfz-Werkstätten und Dienstleitern wie Frisöre, Schneider und Kosmetiker absieht. Getrübt wird die Stimmung derzeit aber von den schwelenden EU-Plänen, den Meisterbrief abzuschaffen.

Kassels Kreishandwerksmeister Bernd-Peter Doose treiben die Absichten der EU-Bürokraten auf die Palme. „Unsere Handwerksordnung ist seit Jahrhunderten gewachsen. Wir wollen nicht, dass sie auf dem Altar Europas geopfert wird“, sagt er. Und der Präsident der Kreishandwer-kerschaft Kassel, Heinrich Gringel, warnt davor, „ohne Not ein gutes, bewährtes System zu zerstören“.

Ansonsten aber steht das heimische Handwerk seit Jahren für gute Nachrichten und Stimmung. Dabei profitiert es nicht nur von der insgesamt robusten Binnenkonjunktur, sondern vor allem auch von den niedrigen Zinsen. Weil das Ersparte kaum Rendite abwirft, investieren viele Menschen ihr Geld in die eigenen vier Wände. Begünstigt wird dies noch von der latenten Angst vor einem Niedergang des Euro oder großer Inflation, die die Vermögen aufzehrt. Die Folge: Der Bau hat so gut zu tun wie schon lange nicht mehr, und das Ausbaugewerbe arbeitet faktisch an der Kapazitätsgrenze. Aber auch die technischen Handwerke und Zulieferbetriebe, das Nahrungsmittelgewerbe und das Gesundheitswesen florieren.

Im Schnitt liegen die Auftragsbestände bei 7,1 Wochen und damit auf ähnlich hohem Niveau wie im Vorjahr. Nicht wenige Betriebe sind bis Jahresende und darüber hinaus ausgelastet. „Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht“, gibt sich Gringel auch für die überschaubare Zukunft zuversichtlich.

Von dieser guten Entwicklung profitiert auch die Beschäftigung. Nach Schätzungen der Handwerkskammer stieg die Zahl der Mitarbeiter binnen Jahresfrist um knapp 1000 auf nunmehr rund 90.000 in 16 100 Betrieben. Davon sind knapp 8000 Lehrlinge. „Wir sind die Ausbilder der Nation“, sagt Gringel mit Blick auf die hohe Ausbildungsquote. Das nordhessische Handwerk wird 2013 rund acht Milliarden Euro umsetzen nach 7,8 Mrd. im vergangenen Jahr.

Mit rund fünf Millionen Beschäftigten (davon gut 400.000 Lehrlingen) in einer Mio. Betrieben und einem Jahresumsatz von 507 Mrd. Euro ist das Handwerk der größte deutsche Wirtschaftszweig noch vor Industrie und Handel.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.