Große Wut an der Zapfsäule: Kunden ärgern sich über hohe Spritpreise

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An der Tankstelle: Dem Pächter Kerim Parlatan bleiben wegen der hohen Spritpreise zurzeit die Kunden weg. Auch die Geschäfte im Shop-Verkauf liefen schlecht, sagt er.

Kassel. Die Kunden schimpfen wie die Rohrspatzen an den Zapfsäulen. Ärger, sogar Wut bekommt das Personal der Tankstellen seit vergangener Woche ab. Bis zu zehn Cent mehr pro Liter müssen die Autofahrer hinlegen.

„Manchmal denke ich, ich hätte gleich zu Hause bleiben können“, sagt Tülay Erdogan von der Aral-Tankstelle an der Langenbergstraße in Baunatal. Die Kunden ließen ihren ganzen Frust am Tankstellen-Personal aus - vor allem jene, die aus beruflichen Gründen viel unterwegs seien. Viele erklärten, sie wollten künftig auf Rad oder Motorroller umsteigen. Normalerweise geht es samstags an der Elan-Tankstelle an der Frankfurter Straße wie im Taubenschlag zu.

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Doch von den täglich 1500 Kunden bliebe momentan die Hälfte weg, sagt Pächter Kerim Parlatan. Die meisten tankten für gerade mal fünf, zehn oder 20 Euro. Auch Parlatan bekommt die Wut zu spüren. „Manche fragen mich, ob ich bald Millionär sei“, sagt er. Sie machten ihn für die Verteuerung verantwortlich und nicht die Verursacher - die großen Ölkonzerne, die die Preise diktierten.

Parlatans Verkäuferin Seker Demir steht, was den Ärger der Kunden angeht, an vorderster Front. „Die Leute schimpfen viel, und alle wollen meinen Chef sprechen und stellen ihn zur Rede“, bestätigt die 21-Jährige. Da heißt es für sie Ruhe bewahren und freundlich bleiben.

Für exakt 20 Euro macht Meik Schmidt aus Kassel den Tank seines Autos voll. Er hofft auf fallende Preise. Der 28-Jährige sieht die Situation aber nicht ganz so dramatisch, weil die neuen Autos spritsparender seien. Aber mit dem Benzin versucht er trotzdem sparsam umzugehen.

„Die Spritpreise sind der Hammer“, sagt Cornelia Pfromm. Die Barrel-Preise fürs Öl seien noch vor Kurzem heruntergegangen, was aber nicht beim Verbraucher angekommen sei.

Gegenwärtig seien Spekulanten am Werk, die die Libyenkrise nutzten, um sich die Taschen vollzumachen, sagt die 42-Jährige aus Kassel aufgebracht. „Das ist reine Profitgier“, bringt es ihr Mann Kai (44) auf den Punkt.

Die Reaktion des Ehepaars auf das Preisdesaster: „Wir fahren jetzt weniger mit dem Auto. Und mein Mann fährt mit dem Rad zur Arbeitsstelle“, sagt Cornelia Pfromm. Das Ehepaar versteht auch die Politik nicht, denn die Steuern aufs Benzin seien viel zu hoch. Damit würden womöglich Tausende von Arbeitsplätzen in der Autoindustrie gefährdet. Ihr Credo: Runter mit den Steuern.

„Das ist nur Geldschneiderei“, meint auch Jörg Zickler aus Kassel. Der 42-Jährige bekommt die Spritpreiserhöhung besonders stark zu spüren: Er ist als selbstständiger Kfz-Sachverständiger viel unterwegs. „Ich fahre wegen der hohen Spritpreise privat weniger mit meinem Auto“, sagt Daniel Frochtmann. Der zweifache Vater ist auf sein Auto angewiesen. Bevor er morgens zur Arbeit fährt, bringt er seine Frau zu ihrer Arbeitsstelle und die Kinder in den Kindergarten. Auch die Lebensmittelpreise seien enorm gestiegen, sagt der 28-Jährige. Leider aber nicht die Löhne. Ob der nächste Urlaub noch möglich sein wird, weiß er nicht. (bea)

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