Polizei verteidigt Vorgehen mit Hubschrauber und LKA - Sprecher: Wir konnten kein Risiko eingehen

Großeinsatz nach Kunstaktion

Auslöser für Polizeieinsatz: Bei der Performance: „Hypostase Requiem“ verschenkte die Künstlerin Sonja Töpfer documenta-Besuchern die gefüllten Röhrchen, die mit Öl und Filmblut gefüllt wurden. Die Röhrchen sollen symbolisch Kraft schenken. Fotos:  Zucchi/dpa

Kassel. Gestern Morgen waren alle schlauer. Polizei, Feuerwehr und die Verantwortlichen der documenta. Da war der Großeinsatz mit Hubschrauber und Landeskriminalamt vom Dienstagabend aber schon passiert. „Das ist alles ein bisschen unglücklich gelaufen“, fasst Polizeisprecher Wolfgang Jungnitsch zusammen. Eine vermeintlich gefährliche Flüssigkeit hatte sich als Bestandteil einer Kunstaktion entpuppt.

„Das ist alles ein bisschen unglücklich gelaufen.“

Die Künstlerin Sonja Töpfer hatte am Mittwochmittag während einer Performance im alten Zollamt am Kulturbahnhof Reagenzgläser mit Speiseöl und einem Tropfen Filmblut an ihr Publikum verteilt. Dass es sich um eine völlig harmlose Flüssigkeit handelt, wussten die Mitarbeiter des documenta-Sicherheitsdienstes nicht, als sie diese gegen 17 Uhr entdeckten. Um 17.06 Uhr ging ein Notruf bei der Kasseler Feuerwehr ein, dass möglicherweise eine „gefährliche Flüssigkeit“ gefunden worden wäre, sagt Einsatzleiter Ralf Krawinkel. Die Feuerwehr sei umgehend mit einem Messfahrzeug ausgerückt und habe die Polizei alarmiert.

Nachdem ein Feuerwehrmann die Reagenzgläser inspiziert und erfahren habe, dass sich noch weitere Gläser in dem Gebäude befinden sollten, habe man sich aus Eigenschutz für eine Absperrung des Areals entschieden und die Spezialisten vom Landeskriminalamt (LKA) angefordert, sagt Krawinkel. Es gebe nämlich durchaus Flüssigkeiten, die auch in geringen Mengen zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen oder so schlag- und druckempfindlich sind, dass sie Explosionen auslösen können.

Obwohl die Polizei im engen Kontakt mit dem Sicherheitspersonal der Weltkunstausstellung gestanden habe, habe keiner gewusst, dass die Reagenzgläser einfach nur Bestandteil einer Kunstaktion gewesen seien.

Sonja Töpfer ist nämlich keine offizielle documenta-Künstlerin, sondern wurde von dem Künstlerkollektiv „Critical Art Ensemble“ für eine Performance im documenta-Pavillon am Schrotthaufen engagiert. Dort gibt es jeden Mittag im Rahmen des documenta-Projektes „Winning Hearts and Minds“ Darbietungen von verschiedenen Künstlern.

Den Pavillon könne jeder frei nutzen, der sich vorher bei der documenta dafür angemeldet habe, sagt Pressesprecherin Lena Pralle. Das habe zur Folge, dass die documenta nicht erfahre, was in dem Pavillon geschieht.

Keine Alternative

Die Polizei sei froh, dass es sich um keine „Gefahrensituation“ gehandelt habe, sagt Sprecher Jungnitsch. Man habe aber keine Alternative zu dem Großeinsatz gehabt. „Die documenta ist ein Ereignis mit vielen Menschen, da konnten wir kein Risiko eingehen.“ Wenn die Polizei nichts unternommen hätte und es wäre etwas passiert, dann „hätte man uns Vorwürfe gemacht“. Allerdings werde man den Vorfall „lückenlos“ aufklären und prüfen, ob jemand für den Einsatz aufkommen müsse. Die Kosten lägen, so Jungnitsch, im fünfstelligen Bereich.

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