Vereint durch HNA-Aktion: Die Kinder vom Mattenberg

Jede freie Minute verbrachten (von links) Laura Heidemann, Ingrid Borucki, Marlene Falkenhain, Margit Gellert, Robert Heidemann und Günther Gellert (1959 alle zwischen acht und zehn Jahre alt) zusammen. Marlene Falkenhain hatte das Foto der Kinder vom Mattenberg für die HNA-Aktion Familienbilder zur Verfügung gestellt. Jetzt kam es zu einem Wiedersehen. Foto: nh

Oberzwehren. Marlene Holstein hält ein Foto in ihrer Hand: Sechs Kinder stehen nebeneinander auf der Straße, die beiden Jungen tragen kurze Hosen, ein Mädchen schiebt einen Puppenwagen, ein anderes hält einen Ball in der Hand.

Das Schwarz-Weiß-Bild ist schon lange vergilbt. Es entstand im Sommer 1959 an der Mattenbergstraße. Jetzt trafen sich die sechs Freunde, die ihre Kindheit zusammen verbracht haben, vor dem Haus wieder, an dem damals das Foto aufgenommen wurde.

Wiedersehen nach 50 Jahren: Laura Akoleyen geborene Heidemann, Ingrid Sauer geb. Borucki, Marlene Holstein geb. Falkenhain, Margit Pieper geb. Gellert, Robert Heidemann und Günther Gellert stellen das Foto aus dem Jahr 1959 nach.

„50 Jahre haben wir uns nicht gesehen, das ist ganz schön aufregend“, sagt Holstein und lacht. Die 61-Jährige, die damals noch Falkenhain hieß, wohnte mit ihren Eltern und ihrem Bruder Manfred im Haus Nummer 43. „Damals gab es hier noch einen kleinen Spielplatz und einen Hühnerstall“, erinnert sich die Hausfrau. Heute stehen hier Eibenhecken und Wäschespinnen. Nur die kleine Mauer, auf der sie früher immer balancierte, ist noch da.

Wenn Marlene Holstein vor dem gelben Haus steht, in dem sie aufwuchs, hat sie noch genau das Bild vor Augen, wie es damals war. „In der ganzen Straße standen Obstbäume“, sagt Margit Pieper und schließt die Augen. Heute würde sie nicht mehr hier wohnen wollen. „Du hast immer so gerne mit Deinen Anziehpuppen aus Papier gespielt“, sagt Robert Heidemann zu Marlene Holstein. Als Mädchen wollte sie Modedesignerin werden, später machte sie eine Ausbildung zur Verkäuferin im Kaufhof.

Die Kinder von der Mattenbergstraße gingen alle in die benachbarte Volksschule, heute August-Zinn-Schule. „Einmal habe ich mit einem Schneeball die Scheiben der Turnhalle eingeschmissen“, erinnert sich Holstein. „Da hat dich der Vorsitzende vom Turnverein TSV Jahn am Schlafittchen gepackt“, ergänzt Heidemann. Der 60-Jährige hat als Kind am liebsten Cowboy und Indianer gespielt, später Politik studiert und berät heute Betriebs- und Personalräte.

Margit Gellert aus Haus Nummer 38 und Frank Pieper aus dem Nummer 81 erlebten sogar ihre erste Liebe an der Mattenbergstraße. „Er ist damals immer an meinem Fenster vorbei gegangen“, erzählt die 59-Jährige. „Ich habe jeden Tag nach ihr geguckt“, sagt Pieper. Heute sind die Hausfrau und der pensionierte VW-Arbeiter 42 Jahre verheiratet.

Sie sind auf dem Schenkelsberg Schlitten gefahren, haben sich ihre Kleider von der Schneiderin Geiß von gegenüber nähen lassen und haben mit ihrem ersten Auto, einem hellgrünen Fiat 600, die nordhessischen Berge erklommen. 19 Kinder waren es damals, die sechs auf dem Bild haben sich wiedergetroffen. Sie sind alle in Nordhessen geblieben. „Wir haben uns auch alle gleich wiedererkannt, es war so, als wären die letzten 50 Jahre nicht gewesen“, sagt Marlene Holstein und hält Margit Pieper an der Hand – wie auf dem Foto. Jetzt möchten sie ein Straßenfest feiern, mit allen Kindern von damals.

Von Mareike Nicklas

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