Ruth Selbert, langjährige SPD-Stadtverordnete und Schwiegertochter Elisabeth Selberts, wird heute 90

Ein großer Name verpflichtet

Erbe: 2003 übergab Ruth Selbert (rechts) den Nachlass von Elisabeth Selbert an das Kasseler Archiv der deutschen Frauenbewegung. Links Cornelia Wenzel. Archivfoto: Herzog

Kassel. Den großen Namen der Stadt, Selbert, trägt sie mit Grandezza. Dass sie immer wieder auf ihre berühmte Schwiegermutter Elisabeth Selbert (1896-1986) angesprochen wird, sei ihr eine Ehre und Selbstverständlichkeit, sagt Ruth Selbert. Elisabeth Selbert gilt als „Mutter des Grundgesetzes“, der unter anderem der Gleichberechtigungsparagraf in der deutschen Verfassung zu verdanken ist. Ein Name, der verpflichtet. Warum auch nicht? Schließlich sei das Verhältnis zur Schwiegermutter von Respekt, Zuneigung und Vertrautheit geprägt gewesen.

Dabei ist Ruth Selbert, die heute ihren 90. Geburtstag feiert, selbst eine verdiente Persönlichkeit der Stadt. Über Jahrzehnte war sie als Sozialdemokratin im Stadtparlament und als Stadträtin engagiert. Heute ist sie nicht nur Ehrenvorsitzende in diversen Vereinen, sondern trägt auch den Titel „Stadtälteste“. Einen Namen machte sie sich in der Stadtgesellschaft als langjährige Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Sich sozial engagieren, Kontakte pflegen, sich immer wieder aktiv politisch einmischen – das ist für die damenhafte, aufgeweckte und rhetorisch versierte Frau noch immer eine Selbstverständlichkeit.

Großes Spektrum

Ihr bewegtes Leben spielt sich ab zwischen Reisen in die Türkei mit der 22-jährigen Enkeltochter, Arbeiten im Garten und dem Aufzeichnen der Lebenserinnerungen. Das Interessenspektrum der Ruth Selbert ist weit gesteckt. In ihrer gemütlichen, mit Korbsesseln und Topfpflanzen eingerichteten Wohnung, gibt es viel gelesene Bücher in den Regalen und filigrane Druckkunst an den Wänden. Der Blick vom Balkon geht weit über Harleshausen bis hin zum Herkules.

Ruth Selbert sitzt entspannt im „Großmuttersessel“, wie sie sagt, und erzählt von ihren vielen Plänen. Demnächst möchte sie ein Buch über ihre Kindheit in der Nazizeit schreiben. Sie habe gesehen, wie in Melsungen, wo die gebürtige Heinebacherin aufwuchs, die Synagoge zerstört wurde. Dieses und andere Erlebnisse haben sie geprägt. Zur Sozialdemokratie hatte sie ihr Mann Gerhart gebracht, der in Kassel zuletzt als Finanzamtschef tätig war. Aber jetzt steht erst mal eine Feier an: mit der großen Familie, den ebenfalls stadtbekannten, weil gesellschaftlich und politisch engagierten Kindern Axel Selbert und Susanne Selbert, den drei Enkelkindern sowie Freunden und Weggefährten.

Von Christina Hein

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