Festplatz Schwanenwiese

Schausteller planen vierwöchigen Freizeitpark in Kassel

Das Archivfoto zeigt Konrad Ruppert, Vorsitzender des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen, im Riesenrad bei der Frühjahrsmesse 2011 in Kassel
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Will mit seinen Schausteller-Kollegen wieder zum Rummel auf den Messeplatz einladen: Konrad Ruppert, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes. Unser Foto zeigt ihn im Riesenrad bei einer Frühjahrsmesse in Kassel.

Trotz Großveranstaltungsverbots: In diesem Corona-Sommer soll es in der Stadt Kassel doch noch einen großen Rummel geben. Die vom Lockdown besonders betroffenen Schausteller planen einen temporären, rund vierwöchigen Freizeitpark auf dem Festplatz Schwanenwiese.

Kassel - Unter anderem mit zehn bis zwölf Fahrgeschäften solle der Kasseler „Kirmespark“ vom 21. August bis zum 27. September öffnen. Das kündigt Konrad Ruppert, der Vorsitzende des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen, an. Mit dem Freizeitpark am Großen Kreisel wollen sich die rund 60 Mitgliedsbetriebe des Verbandes eine neue Einnahmequelle in wirtschaftlich schwerer Zeit schaffen. Seit Monaten und bis mindestens Ende Oktober sind Volksfeste verboten. Ruppert kritisiert die „Ungleichbehandlung“. Denn während quasi jeder Viehmarkt und jede Kirmes in Deutschland abgesagt worden seien, hätten die großen Freizeitparks schon wieder geöffnet und seien Volksfeste in europäischen Nachbarländern wie Frankreich und Italien bereits wieder erlaubt.

Seit einigen Wochen zeigen die Schausteller mit einzelnen Ständen in der Innenstadt Präsenz. Mit dem Freizeitpark in Kassel, einen ähnlichen gibt es zum Beispiel in Paderborn („Tivoli Wunderland“), wolle das Schaustellergewerbe nun beweisen, dass es coronagerecht Volksfeste organisieren und die Sicherheit wie feste Freizeitparks gewährleisten könne, betont Ruppert. Das Hygienekonzept sehe unter anderem eine Einzäunung, die Registrierung der Besucher und eine Maskenpflicht überall dort vor, wo Abstandsregeln nicht einzuhalten seien.

Der Freizeitpark auf der Schwanenwiese soll mittwochs bis sonntags öffnen

Nach den Plänen wird der Freizeitpark mittwochs bis sonntags öffnen. Der Eintritt koste einen Euro, an den Karussells seien jeweils die Fahrpreise zu zahlen. Ruppert kündigt etwa das „Take off“, das „Scirocco“ sowie Riesenrad und Achterbahn an. Das von den Schaustellern erarbeitete Hygienekonzept sieht maximal 3000 zeitgleiche Besucher im Park vor. Das Gelände werde komplett abgesperrt. Der Eingang sei zum Kreisel hin, der Ausgang an der Rückseite geplant. Auf dem Festplatz werde eine Einbahnstraßenregelung gelten. Besucher sollen am Eingang nicht nur den einen Euro Eintritt zahlen, sondern auch ihre Personalien in Fomulare eintragen. Zudem werde es Hygienestationen geben, auf Festzelte werde verzichtet. Die gesamte Gastronomie finde unter freiem Himmel mit entsprechendem Abstand der Stehtische und Garnituren statt. Und überall dort, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne, bestehe eine Maskenpflicht.

Die Bad Wildunger Schausteller-Familie Ruppert ist seit Jahrzehnten auf den Volksfesten in der Region anzutreffen – auch in Kassel. Konrad Rupperts Sohn Dennis betreibt unter anderem das Fahrgeschäft „Frisbee“, Sohn Sebastian unter anderem die Eisrutsche auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt.

Stadt Kassel prüft Antrag des Schaustellerverbandes

Über die Freizeitpark-Pläne hat die Stadt Kassel zu entscheiden. Der Antrag des Schaustellerverbandes Kassel-Göttingen für den Betrieb eines temporären Freizeitparks liege der Stadt erst seit Mittwoch vor. „Es wird nunmehr geprüft, ob das Vorhaben unter den Voraussetzungen der zurzeit geltenden Kontakt- und Betriebsbeschränkungsverordnung und des vorzulegenden Hygienekonzeptes gestattungsfähig ist“, sagt Stadtsprecher Michael Schwab auf HNA-Anfrage. Die Stadt Kassel habe großes Verständnis für die wirtschaftlich belastende Situation der Schausteller durch die Corona-Pandemie. Daher habe sie die Schausteller bereits dadurch unterstützt, dass ihnen die Gelegenheit zum Betrieb verschiedener Schaustellerbuden im Innenstadtbereich eingeräumt worden ist. „Zudem ist beabsichtigt, den Schaustellern die normalerweise dafür zu erhebenden Sondernutzungsgebühren zu erlassen“, kündigt Schwab an.

Volksfeste wie der Zissel in Kassel gelten als Großveranstaltung und sind in Hessen noch bis zum 31. Oktober untersagt. Die von den Absagen betroffenen Schausteller hoffen, dass dieses Verbot nicht verlängert wird und zumindest die Weihnachtsmärkte stattfinden können. „Werden auch sie noch abgesagt, ist das deutsche Schaustellergewerbe größtenteils am Ende“, warnt Verbandsvorsitzender Konrad Ruppert.

In Deutschland haben Schausteller bereits einige temporäre Freizeitparks (oder auch Pop-Up-Parks genannt) geöffnet, allen voran im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Seit 10. Juli lädt zum Beispiel das „Tivoli Wunderland“ bei Paderborn zum Rummel ein. Vergleichbare Freizeitparks finden sich in Düsseldorf („Düsselland“), Dortmund („Fundomio“ ), Ibbenbüren („Ibbiland“) oder auch im Schlosspark Erwitte im Landkreis Soest. In Hessen haben am Freitag das „Sommerland“ in Bürstadt/Bobstadt und das „Freuberg-Land“ bei Wiesbaden geöffnet, weitere Freizeitparks auf Zeit sind in Planung. 

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