Bei der BSG Kassel trainieren Rollstuhlbasketballer mit und ohne Behinderung gemeinsam

Großer Wurf für jungen Sportler

Das Ziel fest im Blick: Rollstuhlbasketballer Benedikt Fricke visiert den Korb an. Seit seiner Geburt ist der 15-Jährige hüftabwärts gelähmt. Foto: Deppe

Kassel. Mit einer Hand fängt Benedikt Fricke den Pass seines Mitspielers, prellt den Ball noch zweimal und versenkt ihn dann mit einem gekonnten Wurf im Korb. Keine ungewöhnliche Aktion für einen Basketballspieler. Bei dem 15-jährigen Benedikt ist das anders: Er sitzt im Rollstuhl. Wegen eines offenen Rückens ist er seit seiner Geburt hüftabwärts gelähmt.

Sechs Jahre dauert Benedikt Frickes Begeisterung für den Rollstuhlbasketball jetzt schon an. 2007 hatte sein jetziger Trainer und Lehrer an der Kasseler Alexander-Schmorell-Schule für Körperbehinderte, Harald Nolte, eine Fahrt zur Europameisterschaft in Wetzlar organisiert. Benedikt fuhr mit und spielt seitdem mit großer Begeisterung bei der Behindertensportgemeinschaft (BSG) selbst. Nicht nur seine motorischen Fähigkeiten kann er dabei trainieren. Auch das soziale Umfeld komme dem Schüler zugute, sagt sein Vater Bernd Fricke. „Früher hat Benedikt kaum mit Fremden gesprochen. Das ist heute schon ganz anders.“

Fricke ist bei jedem Training seines Sohnes dabei. Fast eine Stunde pro Fahrt nehmen die beiden, die im nordhessischen Trendelburg leben, in Kauf. Nach dem Training übernachten sie bei einem Verwandten in Kassel.

Teamgeist zählt

Bis zu 14 Mitspieler kommen einmal wöchentlich zum Training in die Sporthalle der Willy-Brandt-Schule an der Brückenhofstraße. Teamgeist sei beim Rollstuhlbasketball der wichtigste Aspekt, um ein Spiel zu gewinnen, erläutert Trainer Nolte: „Im Gegensatz zum Läuferbasketball sind hier Dribblings und Einzelaktionen so gut wie nie erfolgreich.“ Der Rollstuhl wird häufig zum Blocken der Gegenspieler genutzt. Und ein schnelles Umfahren des Gegners ist ob der Sperrigkeit der Geräte kaum möglich. Nicht selten knallen die Rollstühle deshalb laut scheppernd aneinander.

Bei der BSG wird Integration großgeschrieben. Nicht alle Spieler sind an den Rollstuhl gebunden. Manche sind körperlich sogar gesund und spielen nur aus Spaß an diesem Sport im Rollstuhl sitzend.

Benedikt Fricke interessiert sich neben dem Rollstuhlbasketball auch für viele andere Sportarten. Am Wochenende fährt er deshalb mit seinem Vater zu Spielen der lokalen Handballvereine. Das paralympische Finale im Rollstuhlbasketball wird sich Benedikt natürlich anschauen. Ansonsten sieht er nicht viel fern. Zu groß ist sein Bewegungsdrang. Viel lieber helfe er seinem Vater bei der Gartenarbeit. „Der fährt sogar mit der Schubkarre Sachen durch die Gegend“, sagt dieser. Benedikts größte Leidenschaft aber bleibt der Sport. Und wie zum Beweis versenkt er unter dem Applaus seiner Mitspieler den nächsten Drei-Punkte-Wurf im Korb.

ARTIKEL UNTEN

Von Lasse Deppe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.