Kassel

Großzügiger Finderlohn für ehrlichen Kasseler

Cordelia und Siegfried Lippmann-Schulz überreichten Uwe Cechowitz am Donnerstag einen großzügigen Finderlohn in Kassel.
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Glückliche Zusammenkunft in Kassel: Cordelia und Siegfried Lippmann-Schulz überreichten Uwe Cechowitz am Donnerstag einen großzügigen Finderlohn in Kassel.

Die Geschichte hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt: Nachdem Uwe Cechowitz aus Kassel kürzlich in seinem Renault 5000 Euro und ein Sparbuch mit einem Wert von über 17 000 Euro unter einer Fußmatte gefunden und bei der Polizei abgegeben hatte, haben am Donnerstag die Eigentümer die Wertsachen abgeholt und einen großzügigen Finderlohn überreicht.

Kassel - Es ist eine Geschichte, die nicht alle Tage passiert. Eine ungewöhnliche Geschichte, die gestern ein schönes Ende mit ihren Protagonisten in der Mattenbergsiedlung nahm. Dort überreichten Cordelia und Siegfried Lippmann-Schulz aus Soltau (Niedersachsen) Uwe Cechowitz vor seinem Renault 5 einen Blumenstrauß und 2210 Euro Finderlohn.

In dem französischen Kleinwagen (Baujahr 1990) hatte vor fünf Jahren der damalige Eigentümer Siegfried Lippmann-Schulz ein Sparbuch mit einem Guthaben von mehr als 17 000 Euro und 5000 Euro in einem Umschlag versteckt. Diesen hat Uwe Cechowitz, der den Wagen 2017 von einem Händler in Göttingen gekauft hatte, kürzlich durch einen Zufall unter der Fußmatte hinter dem Beifahrersitz gefunden. Der 50-Jährige zögerte keinen Augenblick. Er gab den Fund bei der Polizei in Baunatal ab.

Nachdem die HNA am Dienstag die Geschichte veröffentlicht hatte, wurde bundesweit über den ehrlichen Finder berichtet. Auch gestern waren mehrere Kamerateams vor Ort, als das Ehepaar Lippmann-Schulz zunächst sein Sparbuch und die 5000 Euro im Polizeirevier Süd-West in Baunatal abholte und sich dann bei dem Finder in Oberzwehren bedankte.

Bei der Übergabe vor dem Revier sagte Polizeioberkommissar Aaron Wedegärtner, dass man gespannt sei, ob jetzt deutschlandweit eine Goldgräberstimmung ausbreche und die Menschen in ihren Gebrauchtwagen nach verstecktem Geld suchten. Spannend sei auch die Frage, ob weitere Finder so ehrlich wie Uwe Cechowitz wären und das Geld abgeben würden – so wie es sich gehört.

Cordelia und Siegfried Lippmann-Schulz sind über die Ehrlichkeit des Mannes aus Kassel jedenfalls so begeistert, dass sie sich dazu entschlossen haben, ihm wesentlich mehr Finderlohn zu geben, als ihm gesetzlich zugestanden hätte. Das wären 160 Euro gewesen. „Das soll ein Anreiz für andere Menschen sein, dass Ehrlichkeit belohnt wird“, so Cordelia Lippmann-Schulz. Die 61-jährige erzählte, dass sie einst selbst ein Portemonnaie mit Geld und Papieren gefunden habe. Für sie sei es selbstverständlich gewesen, alles abzugeben. „Jetzt kommt das Gute zu uns zurück.“

Aber wie kann man überhaupt 5000 Euro Bargeld und ein Sparbuch in einem Auto vergessen? Diese Frage musste der 69-jährige Siegfried Lippmann-Schulz vor den Kameras beantworten.

Er habe eine Scheune gehabt, in der er an alten Autos gebastelt habe, erzählte der 69-jährige Rentner. Dort stand neben einem Golf II auch der R 5. Eines Tages habe er vom Sparbuch 5000 Euro abgehoben, um einen Gebrauchtwagen für seine Tochter zu kaufen. Zwischenzeitlich musste er auch in die Scheune fahren, wo die Familie einen Flohmarkt veranstaltet habe. Dort habe er den Umschlag dann unter der Fußmatte des R 5 versteckt.

Dann kamen einige Umstände zusammen: Die Tochter übernahm das alte Auto der Mutter, es musste kein neuer Wagen für die 5000 Euro angeschafft werden. Zudem zog die Familie von Göttingen weg und löste alles auf. Auch die Autos aus der Scheune wurden verkauft. In dieser Hektik wurden Sparbuch und Geld schlicht vergessen. Erst nach dem Umzug habe er sich gefragt, wo die Wertsachen geblieben seien. Es wurden Kartons durchwühlt, aber nichts gefunden. „Ich habe so manche Nacht darüber nachgedacht, aber bin nicht darauf gekommen“, sagt der Rentner. Als er jetzt den Anruf von der Polizei bekam, dass der Umschlag abgegeben worden sei, habe er es erst nicht glauben wollen. „Ich dachte, es wäre ein Trick, dass uns einer verarschen will.“

Und was passiert jetzt mit dem Geld? Uwe Cechowitz will seinen Finderlohn in Ersatzteile für seinen 30 Jahre alten R 5 stecken. „Das scheint ja ein Glücksbringer zu sein.“ Cordelia und Siegfried Lippmann-Schulz planen einen Urlaub. Zudem wollen sie ein Sparbuch für ihre erste Enkeltochter anlegen, die Ende dieses Monats auf die Welt kommen soll. Es sind glückliche Zeiten für das Paar. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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