Berg ab durch den Wald

PSV Grün-Weiß schafft offizielle Strecke für Mountainbiker am Hohen Gras

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Sie sind gerne am Hohen Gras unterwegs: Der Mountainbiker Bijan Otmischi (44, links) und der Downhill-Radfahrer Max Achler (17). Achler freut sich auf die geplante Downhill-Strecke.

Kassel. Radfahrer, die auf schmalen Pfaden im Wald unterwegs sind, riskieren eine Anzeige. Damit Radler dennoch raus in die Natur können, ist nun eine spezielle Strecke am Hohen Gras geplant.

Wer mit seinem Mountainbike über schmale Trampelpfade am Hohen Gras fährt, der riskiert eine Anzeige. Das Fahren quer durch die Waldbestände ist verboten, sagt Uwe Zindel, Leiter des zuständigen Forstamtes. Deshalb hat der Polizei-Sportverein Grün-Weiß Kassel (PSV) nun eine neue Abteilung aufgenommen, deren Mitglieder Kassels erste Strecke für Downhill- und Freeride-Mountainbiker am Hohen Gras einrichten wollen. Hessen-Forst steht dem Vorhaben grundsätzlich offen gegenüber.

Die Sportarten

Downhill: Downhill (zu deutsch Bergabfahrt) ist eine Sportart, bei der die Radfahrer auf speziell gefederten Mountainbikes auf einer bergab führende Strecke versuchen, so schnell wie möglich zu fahren. Dabei müssen sie verschiedenste Hindernisse überwinden.

Freeride: In dieser Sportart geht es vor allem darum, mit Mountainbikes technisch anspruchsvolle Fahrten (unter anderem mit Sprüngen und hohen Hindernissen) zu absolvieren. Diese Disziplin setzt eine hohe Beherrschung des Körpers und des Rades voraus.

Bisher hatte es immer mal wieder Konflikte zwischen Förstern, Spaziergängern und den Radfahrern gegeben. Beim Downhill überwinden die Radfahrer eine bergab führende Strecke und deren Hindernisse. Dabei wählen sie nicht die breiten, befestigten Waldwege, sondern schmalere Pisten. Beim Freeride ist es ganz ähnlich.

„Wenn man diesen Sport betreibt, muss es in geordneten Bahnen laufen“, sagt Zindel. Andernfalls sei es störend für andere Waldbesucher und schädlich für den Wald. Nun soll eine offizielle Strecke die Probleme lösen. Der Startpunkt soll sich im Bereich des Gasthauses Hohes Gras und dem Skilift befinden. Der genaue Verlauf der Strecke solle bis Juni/ Juli geklärt werden, sagt Janine Hoffmann, eine der Organisatoren des Vorhabens. Aber weder der Bergpark noch Naturschutzgebiete würden berührt.

Wer die Strecke zukünftig nutzen will, der muss Vereinsmitglied werden (fünf Euro Beitrag pro Monat). Denn Hessen-Forst hatte es zur Auflage gemacht, dass ein Verein die Trägerschaft für die Strecke übernimmt und auch das Haftungsrisiko trägt. Sollten Nicht-Mitglieder die Strecke nutzen, drohe ihnen eine Anzeige, sagt Hoffmann. Bislang gebe es 18 Mitglieder.

Die neue Abteilung des PSV will auch Trainer ausbilden, Wettbewerbe organisieren und Kurse in Fahrtechnik und Verhalten im Wald anbieten. Für die Einrichtung der Strecke werden noch Sponsoren gesucht.

Hinweis

Wir haben den Einstieg in unseren Artikel geändert. Natürlich erhalten Radfahrer, die auf Waldwegen unterwegs sind, nicht gleich eine Anzeige. Vielmehr geht es um schmale Pfade, die für die Benutzung durch Radfahrer nicht freigegeben sind.

Forstamtsleiter Zindel stellt klar, dass auch die Naturschutzbehörden dem Vorhaben noch zustimmen müssten. Der Bedarf an einer solchen Strecke sei jedenfalls offensichtlich. Zindel hofft, dass mit einer offiziellen Strecke die illegalen Pisten der Vergangenheit angehören.

Max Achler (17), der regelmäßig Downhill fährt, freut sich schon auf die geplante Strecke. Bislang würden Downhill-Fahrer allerhöchstens von den Förstern geduldet. Bijan Otmischi, Jugendbildungsreferent des Landkreises Kassel, bietet Mountainbikekurse an. Der leidenschaftliche Mountainbiker hält es für unterstützenwert, wenn Jugendliche wieder im Wald unterwegs sein. Sie dürften aber keine Spuren hinterlassen.

Von Bastian Ludwig

Kontakt: www.psv-gwkassel.deoder über Janine Hoffmann, janine-calden@web.de

Hintergrund: Waldgesetz: Zwei-Meter-Regel abgeschafft

Bis Sommer 2013 galt nach dem Hessischen Waldgesetz, dass Radfahrer nur auf Waldwegen von mindestens zwei Metern unterwegs sein dürfen. Diese Regelung wurde mit dem neuen Waldgesetz abgeschafft. Heute gilt, dass Radfahrer auf „befestigten oder naturfesten Wegen“ fahren dürfen, wenn ein Begegnungsverkehr mit Spaziergängern möglich ist und wenn diese Wege von den Waldbesitzern angelegt wurden. Eine gegenseitige Rücksichtnahme ist im Gesetz festgelegt worden. Das Anlegen von Pisten ist verboten, ebenso das Fahren auf den Rückegassen, die zum Holzrücken dienen. (bal)

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