Kasseler Forscher entwickeln Anstrich mit Nanoteilchen zur Luftreinigung

Grüne Farbe frisst Abgase

Kassel. Der Autoverkehr nimmt ständig zu, die Lkw-Lawine auf den Autobahnen wächst. Trotz moderner Katalysatortechnik stoßen die Fahrzeuge Umweltgifte aus, die vor allem die Gesundheit von älteren Menschen und Kindern bedroht.

Eine verblüffende Erfindung Kasseler Forscher könnte auf lange Sicht die Luft an Straßen und in den Ballungszentren sauberer machen: Ein grüner oder blauer Anstrich an Lärmschutzwänden, Brücken, Fassaden und Leitplanken genügt.

Professor Rüdiger Faust vom Institut für Nanostrukturwissenschaften der Universität Kassel (CinSat) entwickelt mit seinem Team Spezialfarben die mithilfe der Photokatalyse gefährliche Stickoxide und Keime in der Luft „fressen“, also unter Sonneneinstrahlung durch Oxidation unschädlich machen. Die Wissenschaftler experimentieren dabei mit einer Mixtur aus handelsüblichen, im Labor veränderten Farbstoffen und Metallteilchen aus Titandioxid, die weniger als ein Tausendstel eines menschlichen Haares messen.

Selbstreinigende Fenster

Diese so genannten Titandioxid-Nanoteilchen verrichten schon heute in handelsüblichen Produkten ihre Arbeit. Sie sind beispielsweise in Fenstern, Autospiegeln oder Dachpfannen enthalten, die sich selbst reinigen können. Die bisherige Technik zur Selbstreinigung ist jedoch auf unsichtbares ultraviolettes Licht angewiesen, um den Oxidationsprozess in Gang zu setzen.

Das ist aber in geschlossenen Räumen, im Schatten oder bei diesigem Wetter kaum vorhanden. Faust setzt deshalb auf Farbstoffe, weil diese fast die ganze Bandbreite des sichtbaren Lichts nutzen. Ein Anstrich mit Nanofarbe könnte daher auch in einem Operationssaal bei künstlichem Licht helfen, Keime abzutöten oder Wohnzimmer von giftigem Formaldehyd zu befreien, das manche Möbel ausdünsten.

Am wirksamsten hätten sich dabei grüne und blaue Farbstoffe erwiesen, sagt der Nanostrukturwissenschaftler und Doktorand Andreas Winzenburg. Diese Farben seien am besten in der Lage, die Lichtenergie an den Oxidationsprozess, also den Reinigungsvorgang, abzugeben.

Die Kasseler Forscher haben eine Methode gefunden, die Farbstoff- und Titandioxid-Moleküle miteinander zu verzahnen. Den Wirkungsgrad dieses sogenannten Hybridmaterials will Faust noch verbessern. Das Fernziel sei eine Herstellung der reinigenden Farbe im industriellen Maßstab.

Von Peter Dilling

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