Tag der Achitektur bot Einblicke in neue Gebäude und Innenhöfe

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Klare Linien, lichte Atmosphäre: Den Innenhof der Goethestraße-Häuser Nr. 114 -122 hat das Landschaftsarchitekturbüro „Schöne Aussichten“ gestaltet. Bauleiter Christian Wedler (von links) erläutert Veronika und Helmut Weich und Gudrun Pause das Konzept.

Kassel. Dieses Haus weiß, wie lange die Mitarbeiter abends bleiben. In dem ehemaligen Kasernengebäude auf der Marbachshöhe, in dem seit einem Jahr die Ingenieurgesellschaft Enco ihre Büros hat, wird natürlich niemand bespitzelt.

Aber um Energie zu sparen, schalten sich - quasi im Gleichschritt - jeden Abend die Steckdosen aus. Wer noch länger Strom für seinen Computer braucht, muss per Knopfdruck die Weiterversorgung anfordern. Nur ein technisches Detail des energetisch hocheffizienten Gebäudes, das auch durch seine architektonische Gestaltung besticht. Das Enco-Haus war eins von 12 Bauwerken in Kassel und Umgebung, die zum Tag der Architektur ihre Türen öffneten.

Von militärischer Uniformität ist in dem ehemaligen Gebäude der Lüttichkaserne an der Amalie-Wündisch-Straße nichts zu spüren. Innerhalb von einem halben Jahr hat Prof. Alexander Reichel (Reichel Architekten) mit kleinen Eingriffen eine große Wirkung erzielt. Die geschwungenen Ausbuchtungen nehmen den langen Fluren ihre Strenge und bieten „Kommunikationszonen“ für die Mitarbeiter, erklärt der Kasseler Architekt. Die Wellen in den Gängen sind eine Entsprechung zur den Rundungen in der äußeren Hülle des Enco-Hauses. Der 70er-Jahre-Bau wurde gedämmt und mit neuen Fenstern versehen, die in abgerundeten Leibungen eingefasst sind.

Durch Dämmung, eine Lüftungsanlage, die Wärmeverluste minimiert, die Photovoltaik auf dem Dach und ein intelligentes Steuerungssystem für Licht, Strom und Temperatur ist das Haus auch unter dem Aspekt der Umweltfreundlichekeit ein Vorzeigeobjekt. Der Energieverbrauch sei durch den Umbau auf ein Zehntel des Ausgangswerts gesunken, sagt Enco-Prokurist Martin Jost.

Streifenteppich im Hof

Grüne Ideen haben, auch im übertragenen Sinn, die Landschaftsarchitekten des Kasseler Büros „Schöne Aussichten“ bei der Neugestaltung des Innenhofs zwischen den Häusern an der Goethestraße 114-122 bewiesen: Die Beleuchtung des überdachten Fahrradstands ist solarbetrieben. Grün weggenommen habe man zunächst aus dem sehr dichten und verwilderten Bewuchs der Böschung, erklärt Landschaftsarchitekt Christian Wedler. Stattdessen wurden schnell und schmal wachsende Säulen-Birkenpappeln gesetzt. Dank ihrer schmalen Äste und des zarten Laubs wirke der Hof nun viel lichter.

Eine Art Streifenteppich mit wechselnden Bändern aus gepflasterten Wegen, Rasen- und Pflanzflächen gibt dem Gelände Struktur. Bepflanzt sind die stark abschüssigen Bereiche, die ohnehin nicht anderweitig nutzbar wären. Mehrere Bänke laden zum Schwätzchen unter Nachbarn ein. Helmut Weich und seine Frau Veronika waren angetan von dem Innenhof: „Sehr sauber und geradlinig“, lobte der Kasseler die gestalterische Arbeit.

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