Stadt und Uni ziehen positive Bilanz zu Projekt "Veronika"

Grüne Welle für Bus und Bahn in Kassel

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Test im Stadtverkehr: Unter anderem die Ampeln an der Kreuzung unterhalb des Weinbergs sind mit der Technik ausgestattet worden, die den Datenaustausch mit Trams und Bussen erlaubt

Mit intelligenter Technik wollen  Stadt und Universität Kassel für einen besseren Verkehrsfluss in der Stadt sorgen. Dabei sollen vor allem Busse und Bahnen auf der grünen Welle fahren.

Kassel - Beim Warten auf Grün, das ungeduldige Autofahrer mitunter zur Verzweiflung bringt, hat der öffentliche Nahverkehr in Kassel einen technischen Vorsprung. In einem dreijährigen Forschungsprojekt haben Wissenschaftler der Uni Kassel zusammen mit dem städtischen Straßenverkehrsamt Busse, Bahnen und Ampeln miteinander vernetzt. Die öffentlichen Verkehrsmittel können dadurch an Kreuzungen passgenauer freie Fahrt bekommen.

Grünes Band: Die Anzeige signalisiert dem Busfahrer, ob er die Grünphase der nächsten Ampel erreicht. Das ist der Fall sofern sich der schwarze Streifen (Position des Busses) im grünen Bereich bewegt.

In einem Testfeld auf zwei Strecken in der Stadt habe sich das System bewährt, bilanzierten Stadt und Uni gestern zum Abschluss des Projekts „Veronika“ (Vernetztes Fahren des öffentlichen Nahverkehrs in Kassel). Es wurde mit 2,6 Millionen Euro vom Bundesverkehrsministerium gefördert.

„Wir haben den ÖPNV in Kassel digitalisiert“, sagte Prof. Dr. Robert Hoyer vom Fachgebiet Verkehrstechnik und Transportlogistik der Uni Kassel. Durch die intelligente Steuerung könne nicht nur der Verkehr insgesamt flüssiger gemacht werden. Auch der Ausstoß klimaschädlicher Abgase könne reduziert werden.

Auf Frankfurter Straße und B83

Im Bereich der beiden Teststrecken zwischen Auestadion und Ständeplatz sowie zwischen der Anschlussstelle Kassel-Waldau und dem Platz der Deutschen Einheit wurden an 15 Kreuzungen die Ampeln mit einer digitalen Funktechnik ausgestattet, einer Art WLAN. Zudem erhielten fünf Trams, zehn Busse sowie ein Rettungswagen spezielle Bordeinheiten. Das ermöglicht den Datenaustausch zwischen den Fahrzeugen einerseits und Ampeln sowie der dahinterstehenden Steuerungstechnik andererseits.

Bewegt sich der Bus oder die Bahn auf seiner Strecke, kann er sich mit ständig aktualisierten Standortdaten an den nächsten Ampeln anmelden. Je nach Verkehrsaufkommen wird dann möglichst punktgenau Grün erteilt. Über eine Anzeige auf dem Bordsystem bekommt der Fahrer zusätzlich sein Grünfenster angezeigt, sodass er die Fahrweise entsprechend anpassen kann. Sprich: beschleunigen oder das Tempo drosseln, um ohne Halt und erneutes Anfahren über die Kreuzung zu rollen.

Von den passgenauen Grünphasen für den ÖPNV profitierten auch Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger. Denn je zügiger Busse und Bahnen über die Kreuzung kommen, desto kürzer müssen dann auch die anderen warten.

Die Stadt will in den nächsten Jahren nach und nach weitere Ampeln mit der digitalen Technik aufrüsten. Dabei denkt sie nicht nur an den ÖPNV. Auch Autofahrer sollen künftig ihr Grün vorhersehen: In einem separaten Vorhaben plant die Stadt, eine Smartphone-App zur Verfügung zu stellen, über die man die Grünphasen der Ampeln angezeigt bekommt.

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