„Persönliche Gründe“

Kassel-Mitte: Grüner Ortsvorsteher hört nach nur vier Wochen wieder auf

War kurzzeitig einer der jüngsten Ortsvorsteher Kassels: der Grüne Johannes Kreuzer (24) an der Treppenstraße.
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War kurzzeitig einer der jüngsten Ortsvorsteher Kassels: der Grüne Johannes Kreuzer (24) an der Treppenstraße.

Abruptes Ende einer vielversprechenden politischen Laufbahn: Johannes Kreuzer (24) zieht sich überraschend von allen Ämtern und Parteifunktionen zurück.

Kassel – Trotz schmaler Tagesordnung gab es am Dienstag (18.05.2021) im Ortsbeirat Mitte gewichtige Neuigkeiten zu besprechen: Die Vertretung des zentralsten Stadtteils von Kassel steht schon wieder ohne Ortsvorsteher da, nachdem keine vier Wochen zuvor der junge Grüne Johannes Kreuzer in dieses Amt gewählt worden war. Kurz vor der Sitzung hatte Kreuzer (24) durch grüne Listenkolleginnen ausrichten lassen, dass er in dem Stadtteilgremium „aus persönlichen Gründen“ nicht länger mitarbeiten werde.

Grüne äußern sich zu Rückzug von Johannes Kreuzer

Das gab Vize-Ortsvorsteherin Bettina Dodenhöft (Freie Wähler) zum Auftakt des Treffens merklich konsterniert bekannt. Sie selbst habe erst tags zuvor erfahren, dass ihr die Leitung der Sitzung obliegen werde – allerdings nicht von Johannes Kreuzer, dessen Wirken im Ortsbeirat Mitte sich nach jetziger Lage in einer Amtsantrittsrede erschöpfte, in der er allen Kolleginnen und Kollegen „einen kurzen Draht“ in Aussicht gestellt hatte. Manchen verblüfften Ortsbeiratsmitgliedern war die Personalie am Dienstag noch völlig neu.

Andere waren telefonisch von der grünen Ortsbeirätin Julia Herz in Kenntnis gesetzt worden. Sie könne Kreuzers Beweggründe nicht kommentieren, sagte sie gegenüber der HNA. Herz verwies auf eine Pressemitteilung der grünen Stadtpartei zu der Personalie.

Politische Karriere in Kassel abrupt beendet: Johannes Kreuzer hört auf

In der knappen Nachricht vom 14. Mai teilen die Stadtparteivorsitzenden Daniel Stein und Vanessa Gronemann „anlässlich des Rücktritts von Johannes Kreuzer als Ortsvorsteher im Stadtteil Mitte, als Stadtverordneter und als Beisitzer im Parteivorstand“ mit, dass sie ihm für sein jahrelanges Engagement danken, dass sie „seine aus persönlichen Gründen getroffene Entscheidung, sich aus der Politik zurückzuziehen“, respektieren und „alles Gute“ wünschen.

Von der HNA selbst angesprochen, war von Kreuzer nichts darüber Hinausgehendes zu seinen Beweggründen zu erfahren. Diese seien privater Natur; „es ist für mich sehr wichtig, darüber Stillschweigen zu bewahren“, sagte Kreuzer. Dass dies Raum für Spekulationen eröffne, sei ihm bewusst. Er bitte aber um Verständnis, dass er „es dabei belassen“ wolle.

Damit bleibt vorerst rätselhaft, warum eine vielversprechende politische Karriere bei Kassels Grünen ein abruptes Ende findet. Kreuzer war eine prägende Figur bei der Grünen Jugend, bis vor Kurzem dort auch Bundesvorstandsmitglied. Bei der Landtagswahl 2018 war er im Kasseler Osten Ersatzkandidat für Parteikollegin Karin Müller, er arbeitete im Wahlkreisteam der Landtagsabgeordneten und Kasseler Parteichefin Vanessa Gronemann. Neben dem Amt des Ortsvorstehers in Mitte gehörte Kreuzer zugleich der grünen Stadtverordnetenfraktion an und war zu deren wirtschaftspolitischem Sprecher berufen.

Johannes Kreuzer (Grüne) hört nach vier Wochen auf

An der jüngsten Stadtverordnetensitzung am Montag (17.05.2021) nahm Kreuzer ebenfalls nicht mehr teil. Sein Ausscheiden und eine entsprechende Nachrücke-Regelung waren dabei allerdings kein Thema.

Grünen-Fraktionschef Boris Mijatovic sagte dazu: Der Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann (ebenfalls Grüne) sei „die Unterlage des Rücktritts bekannt“ gewesen. Auch habe Kreuzers Nachrückerin Selina Holtermann auf Einladung der Partei bereits an der Sitzung teilgenommen. Die Sache am Montag auf der Tagesordnung zu behandeln, „ging dann wohl aus irgendwelchen Gründen nicht“, meinte Mijatovic: „Wir wollten auch keine große Sache daraus machen.“

Neuwahl des Ortsvorsteher-Postens in Kassel-Mitte

Parteivorsitzender Daniel Stein präzisierte gegenüber der HNA, dass „die formal notwendigen unterschriebenen Unterlagen“ am Tag der Sitzung, also am 17. Mai, im Büro der Stadtverordneten eingegangen seien. Eine Woche zuvor, am 10. Mai, habe Johannes Kreuzer seinen Rückzug gegenüber dem grünen Parteivorstand per E-Mail bekanntgegeben.

„Herr Kreuzer hat sehr persönliche Gründe angeführt und um vertrauliche Behandlung gebeten“, sagte Stein. Daher werde der Parteivorstand dies nicht weiter kommentieren. Was die Vakanz im Ortsbeirat Mitte angeht, dazu würden die grünen Mitglieder in Kürze auf die anderen Parteien zugehen, um gemeinsam „eine mögliche Lösung zu diskutieren“. (Axel Schwarz)

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