Studie der Uni Kassel: Jahreswertschöpfung durch Anlagen in der Region liegt bei gut 115 Millionen Euro

Grüner Strom schafft Arbeitsplätze

Solarparks wie dieser auf dem Sandershäuser Berg in Niestetal im Kreis Kassel und zahlreiche andere Ökostromanlagen sorgen für zusätzliche Wertschöpfung in der Region. Archivfotos: Wohlgehagen / nh

kassel. Die Erzeugung von Ökostrom entwickelt sich in Nord- und Osthessen zu einem respektablen Wirtschaftsfaktor. Nach Berechnungen des Instituts für Volkswirtschaftslehre (Fachgebiet Statistik) der Universität Kassel summiert sich die regionale Wertschöpfung von Solar-, Biogas- und Windkraftanlagen sowie von kleinen Wasserkraftwerken in der Region auf jährlich 115,4 Millionen Euro. Dass heißt: Strom aus erneuerbaren Quellen setzt jährlich eine Wirtschaftsleistung in dieser Größenordnung frei und sorgt damit für Beschäftigung.

Wertschöpfung beschreibt die Differenz zwischen Leistung und Vorleistung. Beispiel: Eine Schreinerei kauft Holz, baut dafür Möbel und verkauft diese. Die Differenz zwischen Holzpreis und Verkaufserlös ist die Wertschöpfung, von der der Betriebsinhaber seine Leute bezahlt und seinen Gewinn bezieht.

Neben dem Wert des erzeugten Stroms – also dessen Verkaufspreis – wurden Steuern, etwaige Personal-, Wartungs-, Versicherungs- und Kapitalkosten eingerechnet. Hinzu kommen die Effekte, die dadurch entstehen, dass die Anlagenbetreiber ihre Gewinne zumindest zum Teil in der Region ausgeben und dadurch ja wieder Wertschöpfung an anderer Stelle schaffen. Nicht berücksichtigt wurden die Investitionen, also Baukosten, die ja auch eine Wertschöpfung haben. Auch das Edersee-Kraftwerk wurde aus der Betrachtung herausgenommen.

Den Löwenanteil an der Ökostrom-Wertschöpfung steuerte mit 90,4 Millionen Euro die Fotovoltaik bei, gefolgt von der Windkraft mit 12,2 und dem Biogas mit zwölf Mio. Euro. Die Wasserkraft bringt es auf bescheidene 0,8 Mio. Euro.

Den größten volkswirtschaftlichen Effekt in der Betriebsphase haben demnach Biogasanlagen, weil deren Betrieb im Gegensatz zu Windkraft und Solarenergie personell und rohstoffseitig wesentlich aufwendiger ist.

Der Verfasser der vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie, Prof. Reinhold Kosfeld, bezeichnet die erneuerbaren Energien angesichts des volkswirtschaftlichen Effekts als „ökonomische Chance“. Je größer die Wertschöpfung sei, desto nachhaltiger sei auch der Beitrag zur Regionalentwicklung, „wodurch sich insbesondere auch in strukturschwachen, ländlichen Räumen völlig neue Perspektiven ergeben können“.

Einfacher ausgedrückt: Wenn Strom aus Erneuerbaren und dazu noch dezentral von Privatpersonen, Kommunen und regionalen Unternehmen – idealerweise unter Beteiligung der Bevölkerung – produziert wird, bleibt die Wertschöpfung ganz überwiegend in der Region. Das Geld fließt also nicht ab, sondern wird vor Ort reinvestiert oder geht in den Konsum, was Beschäftigung schafft beziehungsweise sichert.

Von José Pinto

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.