Landwirt Burkard von Kieckebusch produziert Strom und Wärme

Aus Grünmasse wird hier Gas

Hier entsteht Methan: In den Fermenter werden Mais und Grünroggengras plus Gülle eingeleitet. Die beiden Mischer versetzen die Masse in Bewegung. Seit Februar wird die Anlage bei Hoof aufgebaut (Foto unten). Im August soll sie ans Netz gehen. Fotos: Kühling

Schauenburg. Noch ähneln die kreisrunden Behälter beim Blick aus der Ferne zwei fliegenden Untertassen, die unterhalb der Schauenburg bei Hoof gelandet sind. Doch mit Raumfahrt hat das Projekt, das der Landwirt Burkard von Kieckebusch auf einem Feld realisiert, nichts zu tun. Der 50-jährige Hoofer baut für 1,2 Millionen Euro eine Biogasanlage samt Blockheizkraftwerk zur Produktion von Strom und Wärme.

Ab August will von Kieckebusch mit der Anlage das Gas für zwei Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren. Das reicht für etwa 570 Durchschnittshaushalte. Etwa die gleiche Menge stehe für die Wärmeversorgung zur Verfügung, erläutert er. Das reicht für etwa 150 Haushalte.

Das Gas dafür entsteht in den runden Behältern. Diese werden mit nachwachsenden Rohstoffen – Grünroggengras und Mais – befüllt. Hinzu kommt Gülle, die von mehreren landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung geliefert wird.

Die Bakterien in den Behältern produzieren schließlich das Gas Methan, das in einem Blockheizkraftwerk verbrannt wird.

Transformator nötig

Den Strom will von Kieckebusch ins allgemeine Netz von Eon einspeisen. Doch das ist gar nicht so einfach. Er müsse einen eigenen Transformator kaufen und ein eigenes Leitungsnetz aufbauen, sagt der 50-Jährige. Allein 70 000 Euro koste ihn der Leitungsanschluss ans Eon-Netz, weil keine öffentlichen Anlagen in der Nähe seines Kraftwerkes vorhanden seien.

Und auch Leitungen für die Wärmeversorgung muss der Landwirt selbst in die Erde bringen. 300 Meter Rohrleitung führten zu seinem Hof, sagt er.

Das Anwesen an der Korbacher Straße mit rund 3000 Quadratmeter Fläche wolle er mit Wärme versorgen. Von der Leitung könnten aber auch andere profitieren. Es sei möglich, sagt von Kieckebusch, dass sich weitere Haushalte anschließen. „Mehrere Interessenten aus dem Ort gibt es bereits.“

Damit baut der Landwirt ein eigenes Nahwärmenetz für den oberen Teil des Ortes auf. Derzeit geht er davon aus, dass diejenigen, die sich anschließen lassen, ordentlich sparen können. Die Kilowattstunde koste lediglich 60 bis 65 Prozent des Öl- und Gaspreises.

Burkard von Kieckebusch ist von seinem Konzept überzeugt. Auch etwas für den Umweltschutz zu tun, das ist ihm sichtlich ein Anliegen. „Das machen wir genauso im Wald“, sagt er. „Es gibt keinen Kahlschlag. Es geht um Naturverjüngung.“ Auch sei ihm wichtig, ergänzt der Landwirt, dass er künftig seinen Hof aus eigener Kraft mit Heizungswärme versorgen könne.

Die Anlage unterhalb der Schauenburg wächst indes in Windeseile. Baubeginn war im Februar. Im August soll das kleine Kraftwerk ans Netz gehen.

HINTERGRUND

Von Sven Kühling

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