Einzelhändler haben sich mit japanischen Produkten der alten Ernte eingedeckt

Grüntee bald ausverkauft?

Begehrte Ware: Benjamin Warminsky zeigt Kukicha-Tee aus Japan. Dies ist eine von zwölf Grüntee-Sorten, die der Kasseler Einzelhändler im Sortiment hat. Es ist Ware aus der Ernte des vergangenen Jahres. Foto: Dietzel

Kassel. Er ist gehaltvoll, aromatisch und ein knappes Gut: Grüntee aus Japan. Wie lange es den beliebten Tee noch in Kasseler Verkaufsregalen gibt, ist ungewiss. Seit der Katastrophe im Atomkraftwerk in Fukushima im März hat es Hamsterkäufe von japanischen Importprodukten gegeben. Kasseler Verbraucher haben mehr grünen Tee gekauft als sonst, um im Falle eines Engpasses Vorräte zu haben, berichtet Benjamin Warminsky von Tee Gschwendner.

Einige hochwertige Teesorten werden nur in Japan angebaut. Einzelhändler haben daher nach dem Vorfall noch Grüntee der alten Ernte bestellt. „Ich habe mir Vorräte angeschafft“, sagt Valeska Andrian vom Teehaus Harleshausen. Sie will gerüstet sein, falls es dieses Jahr wegen radioaktiver Belastung der Pflanzen zu Ernteausfällen kommen sollte. In der japanischen Teeanbau-Provinz Shizuoka ist in getrockneten Teeblättern bereits erhöhte radioaktive Strahlung gemessen worden. Die Regierung hat daraufhin entschieden, Auslieferungen aus einigen Gebieten nahe Fukushima zu stoppen.

„Ich weiß nicht, ob aus dem Markt in Japan wieder was wird.“

Petra Klippert

„Ich weiß nicht, ob aus dem Markt in Japan wieder was wird“, sagt Petra Klippert, Inhaberin von Tee & Gewürz Kontor in Kassel. Viele der Teeplantagen befinden sich aber mehrere Hundert Kilometer von dem havarierten Atomkraftwerk entfernt. Und sie werden überwacht und die Blätter untersucht. Die Kontrollen in asiatischen Ländern sind nach Ansicht von Petra Klippert verlässlich, zumindest was Bio-Tee betrifft. Sie habe bereits Teeplantagen in Asien besucht und war beeindruckt von der Qualität.

Tee Gschwendner bezieht japanische Tees seit der Katastrophe nur noch von der Südinsel Kyushu, die mehr als 1000 Kilometer von Fukushima entfernt liegt. Importierte Waren aus Japan gelangen nur nach aufwendiger Prüfung in die EU. „Nur Waren, die Reisende privat importieren, könnten bedenklich sein“, sagt Benjamin Warminsky.

Auch Autokäufer in Kassel sind besorgt. Oliver Anhalt, Geschäftsführer des Kasseler Nissan-Händlers Auto Damm, bestätigt, dass einige Kunden verunsichert sind. Nissan ist zwar eine japanische Marke, 95 Prozent der Autos, die hier verkauft werden, würden aber in Europa hergestellt. Autos aus Japan wurden vier Wochen lang nicht geliefert, da durch das Erdbeben die Produktion zeitweise stillstand.

Das Autohaus Schubert aus Kassel klärt seine Kunden auf seiner Internetseite auf: „Wussten Sie, dass 80 Prozent der in Europa verkauften Toyotas in Europa gebaut werden?“, heißt es dort. „Unsere Kunden haben einen Bogen um japanische Modelle gemacht“, sagt Michael Kohlhase, Betriebsleiter in Kassel.

„Jetzt haben wir aber keine Bedenken mehr, denn die Fahrzeuge werden bei der Einfuhr getestet“, sagt Oliver Anhalt.

Von Stefanie Dietzel

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