Grundschrift für Grundschüler: Andere Schulen warten noch ab 

Schnörkellos: Die Grundschrift ist stärker an der Druckschrift orientiert, die die Schüler bereits beim Lesen kennenlernen.

Kassel. An der Kasseler Schule am Heideweg werden in den nächsten Wochen zwei Klassen mit der neuen Schriftart arbeiten. Andere Schulen verfolgen das Projekt, warten aber noch ab.

Die Karteikästen mit den Buchstabenkarten sind fertig, die Arbeitsmaterialien vorbereitet: An der Grundschule am Heideweg in Bad Wilhelmshöhe soll jetzt in zwei Klassen die Grundschrift gelehrt werden.

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Als sie sich mit dem Projekt des Grundschulverbands beschäftigt habe, sei ihre erste Reaktion gewesen: „Das ist es!“, sagt Lehrerin Stephanie Hertha. Sie hat immer wieder beobachtet, dass einige Grundschüler in der zweiten Klasse beim Erlernen der Schreibschrift Probleme haben. Das flüssige Schreiben der verbundenen Buchstaben falle den Kindern schwer. Und die neu zu lernende Form der Schreibschrift-Buchstaben, die teilweise deutlich von der Druckschrift abwichen, sorge für Verwirrung.

„Einige Kinder entwickeln regelrecht Blockaden“, sagt die Grundschulpädagogin. Viele Kinder seien auch von den motorischen Abläufen überfordert, ergänzt ihr Kollege Frank Schumacher-Henrich, der das Pilotprojekt „Grundschrift“ mitbetreut. In der Folge würden durch die starke Konzentration auf den Schreibvorgang an sich wieder vermehrt Rechtschreibfehler gemacht.

Die Grundschrift will den Kindern den Übergang von der Handschrift in Druckbuchstaben zur verbundenen Schreibschrift leichter machen. Dadurch, dass dann lediglich die Verbindungen zwischen den einzelnen Buchstaben geübt und keine zweite, komplett neue Schriftart antrainiert werden muss, soll ein Bruch in der Schreibentwicklung verhindert werden. „Das Umlernen fällt weg“, sagt Stephanie Hertha.

Generell seien die Spielräume für die Kinder bei der Grundschrift größer. Zwar würden Vorschläge gemacht, welche Buchstaben man verbinden kann. Doch rege man die Schüler an, selbst herauszufinden, wie sie am besten zurechtkommen. So werde schon frühzeitig die Entwicklung einer individuellen Handschrift gefördert. Später, sagt Frank Schumacher-Henrich, würden die meisten Erwachsenen ohnehin maximal drei bis vier Buchstaben ohne Unterbrechung schreiben.

Im November hatte das Kollegium der Schule am Heideweg beschlossen, die Grundschrift in der Praxis zu testen. Bei einem Elternabend mit der teilnehmenden Klasse habe es Zustimmung für das Projekt gegeben, sagt Lehrerin Hertha. Sie betont, dass auch das Schönschreiben bei der Grundschrift nicht zu kurz komme. Und natürlich gebe es nach wie vor Regeln zum Schreiben und zur Gestaltung der Buchstaben. „Angst vor dem großen Kritzeln und Krakeln muss keiner haben.“

An anderen Schulen in Stadt und Altkreis Kassel gibt es offenbar bislang keine konkreten Pläne, die Grundschrift zu erproben. Viele Schulleiter verfolgen aber die Diskussion. „Die Gedankengänge kann ich gut nachvollziehen“, sagt Dieter Hermann von der Fridtjof-Nansen-Schule in Süsterfeld-Helleböhn. Allerdings wolle man erst mal die weiteren Erfahrungen mit der Grundschrift abwarten. (rud)

Noch mehr Hintergrund finden Sie in der HNA vom Dienstag.

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