Aktion "Blitz for Kids"

"Gelbe Karte" für schnelle Autofahrer: Kasseler Grundschüler und Polizei kontrollieren Verkehr 

+
„Grüne Karte“ für vorbildliches Verhalten: Viertklässler Lars Naroshnyi schenkte solch eine an Autofahrer Christian Beichel aus Kassel. Der 22-Jährige hatte sich an das Tempolimit vor der Grundschule gehalten.

Grundschüler und Polizei kontrollierten  die Geschwindigkeit vor der Grundschule an der Korbacher Straße. Zu schnelle Autofahrer bekamen die "Gelbe Karte" gezeigt.  

„Ich habe eine Frage: Kommt das Geld in unsere Klassenkasse?“ will der neunjährige Lars Naroshnyi von Polizeioberkommissar Jens Horry wissen. Dessen Kollegen haben gerade einige Verwarngelder von Autofahrern kassiert, die in der Tempo-30-Zone vor der Dorothea-Viehmann-Schule in Niederzwehren zu schnell unterwegs waren. Zwischen 15 und 25 Euro müssen die meisten der Temposünder zahlen.

Lars Naroshnyi und vier seiner Mitschüler aus der Klasse 4c haben die Polizei am Dienstagmorgen bei der Aktion „Blitz für Kids“ an der Korbacher Straße unterstützt. Die Polizisten vom Revier Süd-West in Baunatal kontrollierten die Geschwindigkeit vor der Grundschule mit einem Laser-Messgerät. Autofahrer, die schneller als die erlaubten 30 km/h fuhren, wurden gestoppt. Innerhalb von einer halben Stunde wurden hier fünf zu schnelle Autofahrer erwischt.

Sie mussten nicht nur zahlen, sondern sie wurden auch von den Polizisten und den Grundschülern belehrt. Unter dem Motto „Blitz für Kids“ läuft diese Gemeinschaftsaktion von Polizei und ADAC zur Verkehrssicherheit.

Grundschüler sammeln Verwarngeld ein

„Sie waren etwas zu schnell“, sagt die neunjährige Frieda Rehberg zu einer Frau, die mit einem Pflegedienst-Auto mit Tempo 40 unterwegs gewesen ist. Die Schülerin überreicht der Pflegedienstkraft daraufhin eine „Gelbe Karte“. Die Frau räumt den Fehler ein, sagt aber auch, dass sie unter zeitlichem Druck stehe. Ein Patient habe sie angerufen und gefragt, wo sie bleibe.

Ein Mann, der mit einem Audi Q 7 unterwegs ist, schiebt seine überhöhte Geschwindigkeit auf die Technik in seinem Fahrzeug. Das Auto habe zu spät angezeigt, dass hier nur 30 erlaubt sei. Das Schild habe er nicht gesehen. „Das war kein absichtliches Schnellfahren“, sagt der Mann und zahlt 25 Euro.

„Grüne Karte“ für vorbildliches Verhalten: Viertklässler Lars Naroshnyi schenkte solch eine an Autofahrer Christian Beichel aus Kassel. Der 22-Jährige hatte sich an das Tempolimit vor der Grundschule gehalten.

Apropos Geld: Wer bekommt das denn nun? Das will nicht nur Lars Naroshnyi wissen, sondern auch sein Klassenkamerad Jannik Premm (10). Wenn es in die Klassenkasse käme, wäre das gut: „Wir sind nach der Klassenfahrt nämlich pleite.“

Polizeioberkommissar Jens Horry kann da den Jungs nicht weiterhelfen. „Wir selbst dürfen das Geld auch nicht behalten.“ Verwarngelder landen letztlich in der Staatskasse.

Grüne Karte für vorbildliche Fahrer 

Aber nicht alle Autofahrer mussten zahlen. Einige wurden nur gestoppt, weil sie vorschriftsmäßig gefahren waren und die Schüler sich bei ihnen dafür bedanken wollten. Diese Fahrer bekamen eine „Grüne Karte“. So wie der 22-jährige Christian Beichel aus Kassel. Ihm sei es wichtig, sich an Tempolimits zu halten. „Menschenleben sind wichtiger, als irgendwo schnell anzukommen.“

Schulleiterin Anita Winning wäre froh, wenn alle Eltern so einsichtig wie der junge Mann wären. Sie berichtet von vielen Vätern und Müttern, die auf dem Bürgersteig vor der Schule im Halteverbot parken, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen. Andere Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, müssten dann auf die Straße ausweichen.

Obwohl sie den Eltern deshalb jedes Jahr einen Brief schreibe, bekomme man das Problem einfach nicht in den Griff, sagt Schulleiterin Winning.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.