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Gruppe bedrängt Manfred Mattis (AfD) in Kasseler Gaststätte

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Von: Ulrike Pflüger-Scherb

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Manfred Mattis Jurist und AfD-Mitglied
Manfred Mattis Jurist und AfD-Mitglied © Privat

Manfred Mattis, ehemaliger Sprecher der AfD in Kassel, hatte am vergangenen Samstag in einer Gaststätte in der Nordstadt ein Erlebnis, das ihm sicherlich in Erinnerung bleiben wird. Der 66-jährige Jurist berichtet, dass er von einer Gruppe von zehn bis zwölf Personen beleidigt und bedroht worden sei.

Kassel - „Das war ein bedrohlicher Auftritt“, sagt Mattis. Er hat Anzeige erstattet. Das Staatsschutzkommissariat des Polizeipräsidiums Nordhessen ermittelt jetzt wegen des Verdachts der Bedrohung und Beleidigung, wie Polizeisprecherin Ulrike Schaake bestätigt.

Er habe gegen 18.15 Uhr mit einer Bekannten im Außenbereich der Gaststätte an der Gottschalkstraße in Nachbarschaft zum Kulturzentrum Schlachthof gesessen, so Mattis. Er habe in Richtung Uni geblickt. Plötzlich sei von hinten eine Gruppe von zehn bis zwölf Personen gekommen. Männer und Frauen, die alle eine Maske getragen hätten. Man habe ihn gefragt, ob er der Mattis von der AfD sei. „Ich war perplex und habe das bejaht“, sagt Mattis. Schließlich stehe er dazu, Mitglied in der AfD zu sein.

Einer aus der Gruppe habe dann gesagt, er sei ja Funktionär der Partei. Das habe er verneint. Seit 2017 habe er kein Amt mehr inne, er sei nur einfaches Mitglied. Das spiele keine Rolle, habe jemand der Personen zu ihm gesagt. Wegen Menschen wie ihm würden andere Menschen im Mittelmeer ertrinken, sei ihm vorgeworfen worden. Er sei für den Schießbefehl. Zudem sei er von den Unbekannten als „Fascho“ tituliert worden.

Mattis berichtet, dass er im Laufe des Gesprächs aufgestanden sei. Jemand aus der Gruppe habe dann seinen Stuhl weggezogen. Zudem habe eine der maskierten Personen sein Alster vom Tisch genommen und auf den Gehweg geschüttet. Leute wie er hätten in dem Lokal nichts zu suchen, er solle verschwinden, schildert Mattis das weitere Gespräch.

Daraufhin habe er gesagt, so der 66-Jährige: „In der Gruppe seid ihr mutig.“ Einer der Männer aus der Gruppe habe dann gekontert, dass er ihm auch allein die Fresse polieren würde.

Mattis berichtet, dass ein anderer Gast, der im Wintergarten des Lokals gesessen und den Zwischenfall beobachtet habe, für ihn Partei ergriffen habe. Dieser Gast habe zu der Gruppe gesagt, sie solle ihn in Ruhe lassen und verschwinden. Der Chef der Gaststätte habe den Vorfall auch mitbekommen, aber nicht eingegriffen, sagt Mattis. „Der Wirt war hilflos.“ Dafür habe er sogar Verständnis, sagt Mattis. Er habe aber kein Verständnis für die Gruppe, die ihn angegriffen habe. „Die können mir doch kein Hausverbot erteilen, das kann nur der Wirt.“

Als er anschließend bei dem Wirt die Rechnung zahlen wollte, habe dieser kein Geld von ihm annehmen wollen, sagt Mattis. Er sei öfters Gast dort, weil er auch in der Nordstadt lebe. Er habe den Wirt gefragt, ob er wiederkommen dürfe, so der Jurist. Das habe dieser bejaht.

Gegenüber der HNA wollte sich der Chef der Gaststätte zu dem Vorfall vom frühen Samstagabend nicht mehr äußern. Damit wolle man nichts zu tun haben, man wolle sich auf die Gastronomie konzentrieren.

Manfred Mattis ist indes über seine eigenen Fähigkeiten als Zeuge nicht so begeistert. Als Anwalt habe er ja ständig mit Zeugen zu tun. Aber eine detaillierte Beschreibung der Gruppe könne er nicht abgegeben.

Dafür sei er offenbar zu perplex und überrumpelt gewesen. Er schätze, dass die Personen zwischen 25 und Anfang 30 gewesen sind. Nach dem Vorfall sei die Gruppe in Richtung Biergarten des Kulturzentrums gegangen. Dort fand am Wochenende das Festival „Nach dem Rechten sehen“ statt. Laut Kulturzentrum handelt es sich dabei um ein offenes Festival für politische Bildung, Aufklärung und Sensibilisierung in Bezug auf rechte Phänomene und Strukturen in der Gesellschaft.

Mattis war von 2015 bis 2017 Beisitzer im Vorstand des AfD-Landesverbandes Hessen, kandidierte 2017 für den Bundestag und 2018 für den Hessischen Landtag. Zudem hielt er mehrfach Reden bei den Kagida-Demos in Kassel in den Jahren 2014 und 2015. Hinweise auf die Gruppe an die Polizei unter Tel. 0561/9100. (use)

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