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Körperwelten-Ausstellung: Blick in Gunther von Hagens Plastinarium

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Das etwas andere Erinnerungsstück: Gunther von Hagens an seiner Gefängnistür.

Im Februar macht die Körperwelten-Ausstellung Station in Kassel. Wir haben Gunther von Hagens in seiner Manufaktur Plastinarium im brandenburgischen Guben besucht. 

  • Ausstellung Körperwelten von Gunther von Hagens kommt nach Kassel
  • Manufaktur an der polnischen Grenze
  • Dauerhaftes Verfahren zur Konservierung toter Körper

Kassel - Gunther von Hagens ist einfach da. Ganz plötzlich. Mit Hündchen Bella an seiner Seite. Er setzt sich zu der Besuchergruppe, und als er erfährt, dass sie aus Kassel kommt, sagt der Macher von Körperwelten: „Das Projekt, das für mich wichtig ist, ist die Kunst.“ 

Gunther von Hagens: Die documenta in Kassel ist sein Ziel

Die documenta Kassel ist sein Ziel. Er, der so aussieht wie Joseph Beuys, erinnert an die ausgestopfte Giraffe von Peter Friedl, die 2007 zur documenta 12 in der documenta-Halle stand. Von Hagens verweist anschließend auf eine plastinierte Giraffe, die im großen Saal hinter ihm ausgestellt ist, und sagt: „Unsere ist besser.“ Dann lacht er.

Körperwelten-Ausstellung hat Gunther von Hagens berühmt gemacht

Gunther von Hagens ist der Mann, den der Boulevard gern Leichen-Schausteller und Dr. Tod nennt. Er hat mit der Plastination ein Verfahren erfunden, das zur dauerhaften Konservierung toter Körper taugt. Mit der Ausstellung „Körperwelten“, die im Februar nach Kassel kommt, ist er berühmt geworden. 

Das hat auch damit zu tun, dass sie immer begleitet wurde von Diskussionen darüber, ob das, was von Hagens macht, nicht die Würde des Menschen verletzt. Von Hagens scheint das eher angetrieben zu haben; auch die kritischen Artikel über ihn stellt er für alle sichtbar aus.

Kassel: Körperwelten-Ausstellungsstücke kommen aus Manufaktur

Heute forscht der Anatom in Guben an der polnischen Grenze, wo er aus einer alten Hutfabrik das Plastinarium gemacht hat – eine Manufaktur, die Körper für Ausstellungen und Universitäten präpariert. Wer von Hagens dort auch nur für ein paar Minuten erlebt, bekommt einen Eindruck von diesem Mann und seiner Motivation.

Gunther von Hagens leidet an Parkinson

Seit mehr als zehn Jahren leidet von Hagens an dem unheilbaren Nervenleiden Parkinson. Es hält den 75-Jährigen nicht davon ab, sein Leben zu leben. Dabei hilft dem Erfinder der Körperwelten-Ausstellung auch sein Smartphone. Mittels einer App kann er einen Takt einstellen, der ihm das Sprechen erleichtert. Es ist dann nicht alles zu verstehen, aber doch vieles. Zum Beispiel seine Gedanken zur documenta in Kassel und den Giraffen.

Körperwelten in Kassel: Gunther von Hagens will das Unmögliche möglich machen

In dem Saal hinter ihm hängt auch eine Giraffe am Baum. Das gibt die Natur eigentlich nicht her, aber es passt zu von Hagens. SeinSohn Rurik sagt über seinen Vater, dass er gern das Unmögliche möglich mache und groß denke – ein Leben gegen die Normalität. Gunther von Hagens’ Kinder heißen Rurik, Bera und Tona, weil sie Namen haben sollten, die sonst keiner hat.

Gefängnistür als Erinnerung an politische Gefangenschaft

Am Rande des Saals mit den Giraffen ist eine Gefängniszelle aufgebaut. Tür und Gitter sind die Originale aus jener Zelle in Cottbus, in der von Hagens von 1968 bis 1970 eingesperrt war. 2007 kaufte er die etwas anderen Erinnerungsstücke. Von Hagens wuchs in der DDR auf und kam nach misslungener Republikflucht in politische Gefangenschaft. Die Bundesrepublik kaufte ihn frei. Fortan begann seine Karriere als Anatom in Heidelberg.

Ein Hauch von documenta: Auch diese Giraffe hat Gunther von Hagens plastiniert. Das Ausstellungsstück steht in Guben. 

Dort hält er sich nach wie vor oft auf – wenn er nicht gerade in Guben ist. Hier in Brandenburg führt er das Leben eines kleinen Daniel Düsentriebs, wie ihn sein Sohn manchmal nennt. In seinem Bereich dieser schier unendlichen Gebäude des Plastinariums vermengt sich irgendwie alles: Labor, Büro, Fitnessraum, Schlafzimmer.

Körperwelten: Familie unterstützt Gunther von Hagens bei Ausstellung

Von Hagens zeigt die Räume gern, und wenn er auf dem Weg zum Schlafzimmer an seinen Fitnessgeräten vorbeikommt, absolviert er gleich ein paar Übungen – mit Gewichten, die weit Jüngere nicht stemmen können. Über seinem Bett hängt ein Plastinat – es zeigt Mann und Frau beim Küssen. Es verwundert nicht, dass seine zweite Frau Angelina Whalley die Körperwelten-Ausstellungen kuratiert.

Dem Labor schließen sich noch zwei Räume an, in denen nur Kakteen stehen. Von Hagens hat sie vor gar nicht langer Zeit eingerichtet, weil ihn die Gewächse so faszinieren. Der Rundgang mit von Hagens erweckt den Anschein, dass er nach bester Oliver-Kahn-Manier immer weitergeht.

Gunther von Hagnes: Das Leben ist endlich

Aber auch von Hagens Leben wird endlich sein, und die Frage ist, was mal aus ihm geschehen soll. Sein Sohn sagt, sein Vater würde seine Pläne immer ändern. Mal stelle er sich vor, als Ganzkörperplastinat die Menschen in einer einzigen Körperwelten-Ausstellung zu begrüßen. Mal bevorzugt er die Variante, in Scheiben geschnitten zu werden, um Teil jeder der parallel stattfindenden Ausstellungen zu werden.

Entschieden ist die Frage noch nicht. Gut möglich, dass von Hagens Zeit bleibt. Sein Vater ist 103 und versorgt sich noch selbst.

Video: Osnabrücker Referendarin entwickelt Tablet-Programm und macht den Körper verstehbar

Infos: Die Ausstellung „Körperwelten“ (koerperwelten.de/ kassel) ist vom 21. Februar bis 17. Mai in der documenta-Halle in Kassel zu sehen. Die Eintrittspreise liegen zwischen 13 und 21 Euro. Inhaber der HNA-Abo-BonusCard erhalten im Vorverkauf bis zu 40 Prozent Rabatt – beim  HNA-Kartenservice (0561/203204) und bei allen HNA-Geschäftsstellen.

Gunther von Hagens Körperwelten-Ausstellung kommt nach Kassel. Es werden nicht nur viele Besucher erwartet, vierzehn Kassler habe sich sogar als Spender für zukünftige Körperwelten-Ausstellung registrieren lassen. 

Kurz vor der Eröffnung der Körperwelten-Ausstellung in Kassel hat die HNA mit Kuratorin Angelina Whalley gesprochen. Im Interview spricht sie über die Kritik und Faszination.

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