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Corona-Inzidenz fällt in Kassel unter 35 - Aber auch erste Corona-Mutationen bestätigt

Die Stadt Kassel hat mit niedrigen Infektionszahlen und Inzidenzwerten ihre Vorreiterrolle in Hessen ausgebaut. Sorgen bereiten allerdings Virus-Mutationen.

Kassel – Nachdem die Stadt am Mittwoch (10.02.2021) erstmals wieder unter den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen in der letzten Woche pro 100.000 Einwohner gefallen war, hat sie am Freitag mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 31,2 die Marke von 35 unterboten. Kassel ist damit die einzige Region in Hessen.

Die Zahl sei erfreulich, es gebe aber noch keinen Grund zur Entwarnung, sagte am Nachmittag Oberbürgermeister Christian Geselle. „Auch in Kassel haben sich erste Verdachtsfälle auf Virus-Mutationen bestätigt. Mit Blick auf die in den kommenden Tagen vorzunehmenden Abstriche bei Verdachtsfällen könnten die Zahlen schon bald wieder nach oben gehen“, so Geselle. Um welche Mutation es sich handelt, konnte die Stadt am Freitag nicht sagen.

Erreichte Corona-Inzidenz von unter 35: Kassel ist hessischer Spitzenreiter

Die in Kassel erreichte Inzidenz von unter 35 wird von Bund und Ländern inzwischen als entscheidend für mögliche Lockerungen angesehen. Doch können sich die Kasseler keine Hoffnung machen, dass bereits Beschränkungen wegfallen. Der Lockdown ist bis 7. März verlängert worden. Zudem sollen Beschränkungen erst dann aufgehoben werden, wenn die Inzidenz in ganz Hessen unter 35 fällt. Das Sozialministerium gab am Freitag die landesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 62,7 an.

Überblick über die aktuelle Corona-Inzidenz in Hessen.

Corona in Kassel: OB Geselle warnt vor Alleingängen bei Lockerungen

Als Präsident des Hessischen Städtetags warnt Kassels OB Geselle vor Alleingängen bei Lockerungen in einzelnen Städten und Gemeinden. Darüber könne mit dem Land frühestens dann entschieden werden, wenn die Schwellenwerte an mehreren aufeinander folgenden Tagen erreicht oder unterschritten würden, erklärte er. Die niedrigen Zahlen seien nur eine Momentaufnahme. Man wisse nicht, inwiefern die Witterung dazu beigetragen hätte. Menschen hätten wegen der Schneefälle Testzentren und Hausarztpraxen für einen Abstrich nur eingeschränkt erreichen können. Teils seien Proben und Laborergebnisse durch Ausfall der Post zu Beginn der Woche nicht übermittelt worden.

Eine Inzidenz unter 35 hatte Kassel letztmals am 8. Oktober 2020. Für den Moment zumindest ist eine positive Entwicklung erkennbar. Das bestätigt auch der Rückgang der Covid-19-Patienten in den Kliniken. Erfreulich sind auch die Zahlen im Landkreis Kassel: Mit einer Inzidenz von 49,4 ist auch dort der Schwellenwert von 50 unterschritten worden. Da sich das Infektionsgeschehen in ständigem Auf und Ab entwickelt, stellt die Inzidenz von 31,2 nur eine Momentaufnahme dar. Zumal am Nachmittag bekannt wurde, dass sich in Kassel die ersten Fälle von Virus-Mutationen bestätigt haben. Fragen und Antworten:

Kassel: Wie haben sich sonst die Corona-Infiziertenzahlen in Stadt und Kreis entwickelt?

Das Gesundheitsamt hat am Freitag auch für den Landkreis Kassel erstmals seit vielen Wochen wieder eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 gemeldet. Am Vortag hatte diese noch bei 57,0 gelegen. Berichtet wird für Stadt und Landkreis Kassel von lediglich 20 Neuinfizierten und von 453 aktuell Infizierten, das sind 14 weniger als am Vortag. 33 weitere Menschen gelten als genesen, ein weiterer Todesfall ist in der Stadt hinzugekommen.

Wie ist die Corona-Inzidenz in anderen Regionen außerhalb von Kassel?

Auch dort sind die Neuinfektionen in den letzten sieben Tagen pro 100 000 Einwohner deutlich gesunken (Grafik). Für die an Stadt und Landkreis Kassel angrenzenden Kreise hat das Robert-Koch-Institut (RKI) am Freitag folgende Inzidenzwerte gemeldet: Waldeck-Frankenberg 71,0, Werra-Meißner-Kreis 47,7, Schwalm-Eder-Kreis 75,1 und Hersfeld-Rotenburg 58,8. Der im Norden angrenzende niedersächsische Landkreis Göttingen hat lediglich eine Inzidenz von 39,3, der im Westen angrenzende nordrhein-westfälische Landkreis Höxter eine Inzidenz von 56,3.

Corona-Pandemie: In Kassel ist die Inzidenz derzeit auf dem tiefsten Wert in Hessen. (Symbolfoto)

Wie viele Corona-Infizierte werden im Klinikum Kassel und in anderen Krankenhäusern behandelt?

Nach Angaben des Gesundheitsamtes müssen derzeit 61 Infizierte in Krankenhäusern in Stadt und Landkreis Kassel behandelt werden, 21 davon auf Intensivstation. Wie das Klinikum Kassel auf Anfrage berichtet, werden dort aktuell 27 Covid-Patienten behandelt. Zum Vergleich: Um Weihnachten und Silvester waren es 60 bis 70. Als Maximalversorger und koordinierendes Krankenhaus für Nordhessen trage das Klinikum die Hauptbelastung und sei verantwortlich für die Steuerung der Patientenströme in der Stadt und in den Landkreisen Kassel, Waldeck-Frankenberg, Werra-Meißner und Schwalm-Eder.

Ziel sei es, sich gegenseitig Hilfestellung zu geben (etwa zur medizinischen Versorgung oder bei Fragen des Personalschutzes) und die Patienten so auf die Krankenhäuser zu verteilen, dass sie bestmöglich versorgt seien. Je nach Schwere der lokalen Ausbruchssituation und Erkrankung nimmt das Klinikum nach eigenen Angaben Patienten aus umliegenden Landkreisen, aber auch aus ganz Hessen und darüber hinaus auf. Das Modell der koordinierenden Krankenhäuser habe das Sozialministerium im März zu Beginn der Pandemie realisiert.

Kassel: Wie hoch ist das Risiko, sich im Krankenhaus mit Corona zu infizieren?

„Patienten, die aufgrund ihrer Erkrankung eine Behandlung im Krankenhaus benötigen – ob stationär oder ambulant – sollten auf keinen Fall Angst haben, sich im Krankenhaus versorgen zu lassen“, sagt dazu das Klinikum Kassel. Viel gefährlicher sei es, wenn Erkrankungen verschleppt würden. Im Klinikum und im Krankenhaus Bad Arolsen, die beide zur Gesundheit Nordhessen gehören, seien zu Beginn der Pandemie Hygienemaßnahmen etabliert worden, „die das Risiko einer Corona-Ansteckung auf ein absolutes Minimum reduzieren“, sagte eine GNH-Sprecherin.

Dazu gehörten neben strikt getrennten Covid-- und Non-Covid-Bereichen Kontrollen an den Eingängen, regelmäßige Testungen bei Personal und Patienten sowie umfassende Regelungen zum Tragen von Schutzkleidung. Zudem sei ein Großteil des Personals, das in der Covid-Versorgung und in sensiblen Bereichen tätig und der höchsten Prioritätsgruppe zugeordnet ist, bereits geimpft worden.

Kassel: Stand der Corona-Impfungen - Was tun, wenn das Wetter den Termin verhindert?

In Kassel sind bislang (Stand: Donnerstag, 11. Februar) 17 069 Menschen gegen Corona geimpft worden, das sind 3026 mehr als am Donnerstag der Vorwoche. Unter den Geimpften sind auch Bewohner aus umliegenden Städten und Gemeinden.

Die Frage bezüglich des Wetters hat uns am Freitag ein HNA-Leser gestellt, dessen Mutter am Nachmittag einen Termin im Kasseler Impfzentrum hatte. Er habe kein Auto, und Taxis würden wegen der Witterung nicht garantieren, dass sie pünktlich seien, so der Kasseler. Wie berichtet, bietet die Stadt mobil Eingeschränkten eine kostenlose Taxifahrt (Hin- und Rückfahrt) zum Impfzentrum an, falls sie keine Möglichkeit haben, eigenständig oder mit Angehörigen, Freunden oder Nachbarn dort hinzukommen. Das Angebot ist unter Rufnummer 0561 / 787 9117 (wochentags 9 bis 15.30 Uhr, freitags bis 13 Uhr) erreichbar. (Andreas Hermann)

Rubriklistenbild: © Peter Hartenfelser/Imago

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