Region Kassel

Wohnungen bei privaten Anbietern günstiger als bei Gesellschaften

+
Beliebte und gute Wohnlage: Der Kasseler Stadtteil Harleshausen im Westen der Stadt. In der Bildmitte ist die Erlöserkirche zu erkennen.

Kassel. Wer in der Region Kassel bei einem privaten Vermieter wohnt, mietet günstig und zahlt in der Regel weniger, als vergleichbare Wohnungen der großen Gesellschaften in der Nachbarschaft kosten.

Und: Er wird eher selten mit einer Mieterhöhung konfrontiert. Ein Drittel der privaten Vermieter erhöht die Miete ausschließlich bei einem Mieterwechsel.

Diese Zahlen liefert die erste Vermieterbefragung des Eigentümer-Verbandes Haus & Grund, deren Ergebnisse auch regional ausgewertet und jetzt vorgelegt wurden. Der Verband hatte im Herbst 2014 die Daten zu bundesweit rund 6500 Mietwohnungen in acht Regionen erhoben. In der Stadt Kassel und den Kommunen am Stadtrand wurden 264 Eigentümer mit insgesamt 754 Wohnungen erfasst. Damit ist die Befragung laut Haus & Grund repräsentativ. Zwei Drittel der in der Region Kassel erfassten Stichproben von 754 Wohneinheiten sind Wohnungen in Mehrfamilienhäusern. 17,1 Prozent der Wohnungen sind in Zweifamilienhäusern, 9,7 Prozent sind Eigentumswohnungen und 5,6 Prozent vermietete Einfamilienhäuser.

Bei jeder vierten Wohnung liegt der Mietpreis um zehn bis 20 Prozent unter der ortsüblichen Vergleichsmiete. Im Durchschnitt liegt die Miethöhe in den Wohnungen privater Vermieter 11,1 Prozent unter der Vergleichsmiete. Solche Vergleichsmieten für ähnliche Wohnungen in der Nähe müssen in Kassel und dem Umland jeweils ermittelt werden, weil es keinen qualifizierten Mietspiegel gibt.

Kleine Bleiben sind teurer

Kleine Wohnungen kosten in der Regel mehr Miete pro Quadratmeter als große Wohnungen, maßgeblich sind zudem Ausstattung und Lage. Das Internet-Immobilienportal immowelt.de nennt aktuell einen Durchschnittspreis für Kassel von 7,37 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter.

Je länger die Mietdauer, desto günstiger ist die Miete. 33 Prozent der privaten Vermieter erhöhen die Miete ausschließlich bei einem Mieterwechsel. Die meisten Mitglieder scheuten eine regelmäßige Mieterhöhung, sagt Wolfram Kieselbach, Verbandsvorsitzender von Haus & Grund Kassel. „Sie wollen keinen Ärger mit dem Mieter, das Mietverhältnis soll gut laufen, und sie verzichten auf den einen oder anderen Euro“, erklärt Kieselbach. Für die privaten Vermieter seien langfristige Mietverhältnisse wichtiger als hohe Renditen.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die privaten Vermieter keine Renditehaie sind, vor denen Mieter geschützt werden müssten“, sagt Haus-&-Grund-Präsident Rolf Kornemann. Private Vermieter seien sich ihrer sozialen Verantwortung bewusst und würden gewissenhaft damit umgehen.

In und um Kassel gab es bei mehr als jeder vierten Wohnung (27,8 Prozent) seit zehn Jahren oder länger keine Mieterhöhung. Durchschnittlich wurde seit 7,5 Jahren keine Mieterhöhung mehr ausgesprochen. Deshalb bleiben die Mieter wohl auch länger wohnen: Die durchschnittliche Mietdauer liegt in der Region bei 11,6 Jahren. Das sei für eine Großstadt eine ungewöhnlich hohe Zahl, erklärt Kieselbach.

Ergebnisse der Befragung von Haus & Grund: Die meisten Wohnungen sind gut in Schuss

ie Wohnungen der privaten Vermieter in der Region Kassel sind gut in Schuss. 45,4 Prozent verfügen laut der Ergebnisse der Vermieterbefragung von Haus & Grund über eine gute Ausstattung. Das bedeutet: Es gibt eine gute Raumaufteilung, eine Gästetoilette sowie Garten, Balkon oder Terrasse, eine hochwertige Ausstattung (zum Beispiel Parkettboden und Einbauküche) sowie moderne Sanitärausstattung und Haustechnik. Zudem müssen Wohnungen mit guter Ausstattung energieeffizient sein, also über gute Wärmedämmung verfügen und kostengünstig zu beheizen sein.

48,5 Prozent der Wohnungen verfügen über eine mittlere Ausstattung. Das bedeutet eine durchschnittliche Raumaufteilung, zeitgemäße Sanitäranlagen, Isolierverglasung, Balkon oder Terrasse sowie Kabel- oder Satellitenanschluss fürs Fernsehen.

Nur 6,1 Prozent der Wohnungen sind einfach ausgestattet, haben einen ungünstigen Wohnungszuschnitt, kleine Räume, einfache Sanitärausstattung in einem älteren Bad, einfache Bodenbeläge und keinen Balkon.

Auch bei der Wohnlage können die privaten Vermieter punkten. 54,7 Prozent ihrer Wohnungen befinden sich in guten Wohnlagen. Das bedeutet: Eine ruhige Wohngegend mit Gärten, eine lockere Bebauung mit überwiegend Ein- und Zweifamilienhäusern sowie Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte und Schulen in der Nähe.

41,1 Prozent der Wohnungen befinden sich in mittlerer Wohnlage. Das bedeutet: Es gibt eine gute Nahverkehrsanbindung, das Quartier wird überwiegend zum Wohnen genutzt, es herrschen kleinerer Geschosswohnungsbau und leichte Durchgrünung des Wohnumfeldes vor.

Lediglich 4,2 Prozent der Wohnungen befinden sich in einfachen Wohnlagen. Solche Wohnungen sind an Hauptstraßen gelegen (zum Beispiel Holländische, Frankfurter, oder Leipziger Straße), es gibt überwiegend Geschosswohnungsbau mit einfacher Bausubstanz, es handelt sich bei den Quartieren um Mischgebiete für Wohnen und Gewerbe sowie um wenig beliebte und gering nachgefragte Wohnlagen.

Hintergrund: Befragung in acht Regionen

Der Eigentümer-Verband Haus & Grund hat die privaten Vermieter im vierten Quartal 2014 mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Beratungsunternehmen empirica schriftlich befragt. Die repräsentative Untersuchung wurde in den acht Regionen München, Düsseldorf, Lübeck, Tübingen, Gelsenkirchen, Magdeburg, Kassel und Osnabrück gestartet. Ausgewertet wurden die Angaben zu 6500 Wohnungen von 2100 privaten Vermietern.

Haus & Grund plant, die Befragung künftig halbjährlich zu wiederholen. Der Verband hat bundesweit 900 000 Mitglieder, die in 22 Landesverbänden mit über 900 Vereinen organisiert sind. In Kassel gibt es den Haus- und Grundeigentümerverband mit 4000 Mitgliedern bereits seit dem Jahr 1879.

Energie-Zahlen

In mehr als der Hälfte der Wohnungen (59,4 Prozent) privater Vermieter in der Region wird Gas für Heizung und Warmwasserbereitung genutzt. Heizöl ist in einem Drittel der Wohnungen (33,6 Prozent) Energieträger. Fernwärme (4,4 Prozent), Elektroheizung (1,6 Prozent ) und Ofenheizung mit Kohle (0,3 Prozent ) spielen kaum eine Rolle. In 15,6 Prozent der Wohnungen wird bereits Energie aus erneuerbaren Quellen genutzt. Von diesen Wohnungen nutzen 63,1 Prozent Sonnenenergie, meist als Solarthermie zur Erwärmung von Wasser. In 29,7 Prozent der Wohnungen werden Feuerungsanlagen mit Holz oder Holzpellets genutzt, in 7,2 Prozent gibt es Wärmepumpen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.