Drei Geschwister haben Betrieb als nächste Generation übernommen

Gut Kragenhof betreibt wieder Stand in der Kasseler Markthalle

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Seit dieser Woche wieder in der Markthalle: Der Backwarenstand vom Gut Kragenhof mit (von links) Katharina Merz, Nicolas Merz, Verkäuferin Karin Hesse sowie Julian Merz.  

Kassel. Nach 15 Jahren Unterbrechung ist der Bioland-Betrieb Gut Kragenhof mit seinen Backwaren wieder in der Kasseler Markthalle präsent. Außerdem gab es einen Generationswechsel.

Mit handwerklich gebackenen Bio-Broten, Brötchen und Kuchen beliefert der Kragenhof ansonsten über 60 Lebensmittelmärkte in der Region.

Am Marktstand den direkten Draht zum Endkunden wieder aufzunehmen ist eine Entscheidung der neuen Betriebsinhaber Julian, Katharina und Nicolas Merz. Die drei Geschwister sind nach ihren Ausbildungen in den elterlichen Betrieb eingestiegen und haben den Kragenhof jetzt offiziell als nächste Generation übernommen.

Dass sie dort alle in ihren gelernten Metiers ein Betätigungsfeld finden würden, war nicht von langer Hand geplant. „Das hat sich einfach so ergeben“, erzählt Katharina Merz (38). Sie hat Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Event-Management studiert und kümmert sich um die Vermarktung des idyllisch gelegenen Hofgeländes als Veranstaltungsort. In einer großen Scheune und anderen Räumlichkeiten werden Hochzeiten, Firmen-Events und private Feste ausgerichtet. In zwei Gästehäusern können insgesamt 39 Personen in verschieden großen Zimmern übernachten.

Um den Landwirtschaftsbetrieb kümmert sich Agrarwissenschaftler Nicolas Merz. Der Kragenhof umfasst je etwa 25 Hektar Privatwald sowie Agrarfläche, auf welcher das Bio-Getreide für die hofeigene Bäckerei angebaut wird. „Als weiteres Standbein“ will der 29-Jährige ab Oktober 2400 Legehennen auf die Halbinsel holen, sie sollen dort in mobilen Ställen leben. Die Bio-Eier gehen an die Filialen mehrerer Lebensmittelketten und sollen dann auch an dem neuen Stand in der Markthalle angeboten werden.

Julian Merz (34) verantwortet nicht nur die Hofbäckerei, er hat als Diplom-Pädagoge seit einigen Jahren den Kragenhof zu einem beliebten Ort außerschulischen Lernens entwickelt. Regelmäßig verbringen Klassen diverser Schulen sowie weitere Kinder- und Jugendgruppen einen ein- oder zweiwöchigen Aufenthalt in der natürlichen Ruhe der Fulda-Halbinsel. Dabei ist konsequentes Handy- und TV-Verbot angesagt.

Sofern Lehrkräfte keine eigenen Pläne mit den Schülern haben, kümmert sich Julian Merz um ein breites Angebot erlebnispädagogischer Aktivitäten. Er holt Töpfer, Holzhandwerker, Schmiede oder Staatstheater-Schauspieler auf den Kragenhof, organisiert Nachtwanderungen oder baut mit den jungen Gästen Flöße, die dann auf der Fulda ausprobiert werden. Gekocht, geputzt und geplant wird bei den Jugend-Aufenthalten stets gemeinsam.

Mit diesem vielseitigen Profil sehen die drei Geschwister das Gut Kragenhof gut gerüstet für die Zukunft. Die Betriebsübergabe fällt mit einem runden Jahrestag zusammen: Es ist genau 35 Jahre her, seit die Familie Merz den Kragenhof übernommen hat.

Hintergrund: Ein Stück Kassel auf niedersächsischem Gebiet

Das Gut Kragenhof wurde bereits im 12. Jahrhundert als Klostergut gegründet. Es hat nicht nur eine lange Geschichte, sondern auch eine ganz spezielle Lage: Auf der Landzunge der Fuldaschleife nördlich von Kassel liegt das Gut Kragenhof gegenüber von Fuldatal-Simmershausen auf der anderen Flussseite und somit eigentlich auf niedersächsischem Gebiet. So hat der Gutsbetrieb auch Postleitzahl und Telefonvorwahl von der Gemeinde Staufenberg im Nachbar-Bundesland. 

Einzigartige Lage: Die Landzunge an der Fuldaschleife mit dem Gut Kragenhof liegt eigentlich auf niedersächsischem Gebiet, ist aber eine Exklave der Stadt Kassel. Foto: Gut Kragenhof GbR / nh

Tatsächlich aber gehört die Landzunge mit dem Gut Kragenhof als hessische Exklave zum Gebiet der Stadt Kassel. Der damalige Gutsbesitzer Friedrich Thomée (1835-1901) hatte das einst 75 Hektar große Gelände im Jahr 1901 der Stadt vermacht, um darauf eine Walderholungsstätte einzurichten. 1936 wurde das Gut Kragenhof ins Kasseler Stadtgebiet eingemeindet. Es gehört seither zum Stadtteil Wolfsanger/Hasenhecke.

Die Familie Merz bewirtschaftet den Kragenhof seit 1983.

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