Pfeffermann-Prozess: Nebenklägerin leidet laut Experte nicht unter Belastungsstörungen

Seit 18 Verhandlunsgtagen auf der Anklagebank: Rainer Pfeffermann (rechts) neben seinem Verteidiger Axel Dohmann. Archivfoto:  dpa

Kassel. Bei der 40-jährigen Nebenklägerin im Verfahren gegen den ehemaligen SPD-Bundestagskandidaten Rainer Pfeffermann liegen keine posttraumatischen Belastungsstörungen in Folge eines sexuellen Übergriffs vor.

Das ist das Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens, das der Göttinger Neurologe und Psychiater Prof. Georg Stolpmann erstellt hat.

Stolpmann war mit der Fragestellung nach posttraumatischen Belastungsstörungen von der Fünften Strafkammer des Kasseler Landgerichts beauftragt worden, nachdem Anwalt Knuth Pfeiffer, der Vertreter der Nebenklägerin, einen entsprechenden Beweisantrag im November vergangenen Jahres gestellt hatte.

Eigentlich sollte Stolpmann das Gutachten am Mittwochvormittag beim mittlerweile 18. Verhandlungstag vortragen. Pfeffermann, der am 1. Januar 44 Jahre alt geworden ist, muss sich bereits seit August wegen des Verdachts der sexuellen Nötigung zweier Frauen auf der Anklagebank verantworten.

Am Mittwoch kam es aber erneut zu einer Verzögerung. Da Stolpmann allen Prozessbeteiligten das Gutachten erst am Morgen in schriftlicher Form zukommen ließ, wurde sein Vortrag auf den 1. Februar verschoben. Die Vorbereitungszeit von knapp einer Stunde Verhandlungspause sei zu kurz gewesen, um sich einzulesen, sagte der Vorsitzende Richter Jürgen Stanoschek.

Dass das Ergebnis des Gutachtens dennoch im Gerichtssaal zur Sprache kam, lag an einer Frage von Oberstaatsanwältin Andrea Boesken. Die wollte von Stolpmann wissen, ob er bei der Nebenklägerin nur posttraumatische Belastungsstörungen verneinen könne oder sie auch auf andere Krankheitsbilder untersucht habe. Das wäre vergleichbar, erläuterte Boesken ihre Frage, als wenn ein Arzt die Nieren eines Patienten untersuche, aber andere Organe außer Acht lasse.

Der Psychiater erklärte, dass er die Frau auftragsgemäß nur auf posttraumatische Belastungsstörungen untersucht habe.

Pfeiffer hatte das Gutachten beantragt, weil seine Mandantin berichtet hatte, unter Schlafstörungen, Schweißausbrüchen, Angstzuständen und Suizidgedanken gelitten zu haben, nachdem Pfeffermann sie attackiert habe.

Laut Anklage soll der Ahnataler seine Wahlkampfhelferin, die früher auch seine Geliebte war, am 6. April 2009 in seinem Haus an die Wand gedrückt und versucht haben, sie zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Pfeffermann bestreitet alle Vorwürfe.

Ohne auf weitere Inhalte einzugehen, bezeichnete sein Verteidiger Axel Dohmann das Gutachten nach Ende des 18. Verhandlungstages als „Etappenerfolg“.

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