Durch Demografie und Studium

Immer weniger Bewerber: Gute Auszubildende in Region werden knapp

Kassel. Es klingt paradox, ist es aber nicht: Obwohl in Stadt und Landkreis Kassel aktuell 889 junge Menschen einen Ausbildungsplatz suchen, wird ein Teil der zurzeit 445 freien Stellen am Ende unbesetzt bleiben.

Die Gründe sind nach den Erfahrungen von Arbeitsagenturen und Kammern vielschichtig: Viele Bewerber haben sich auf einen bestimmten Beruf festgelegt und sind nicht bereit, umzudisponieren. Anderen fehlt häufig die schulische Qualifikation, und immer mehr entscheiden sich für den Besuch einer weiterführenden Schule oder für ein Studium und fehlen dann in Industrie, Handwerk, Handel und Gastronomie.

Walter Ruß, bei der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg für die Weiterbildung zuständig, weist auf einen anhaltenden „Akademisierungstrend“ hin. So wünschenswert es sei, dass junge Menschen sich höher qualifizierten, so unverzichtbar seien die gewerblichen Fachkräfte in den Betrieben.

Der Leiter der Arbeitsagentur Kassel, Detlef Hesse, beklagt zudem, dass es vielen Bewerbern an räumlicher Mobilität mangele. Will heißen: Junge Menschen sind vielfach nicht bereit, für eine gute Ausbildung aufs Land zu ziehen, oder täglich weitere Fahrten in Kauf zu nehmen.

Das ist umso bedauerlicher, als es im Kreis Hersfeld-Rotenburg mittlerweile rein rechnerisch mehr Ausbildungsplatzangebote gibt als Interessenten. Die demografische Entwicklung mit abnehmenden Bevölkerungszahlen verläuft in abgelegenen Gebieten dramatischer als in Stadt und Landkreis Kassel.

Das bekommt mittlerweile auch der Kasseler Weltkonzern K+S im hessisch-thüringischen Kalirevier unweit von Bad Hersfeld zu spüren. Auch für das Dax-Unternehmen wird es trotz überdurchschnittlich guter Bezahlung und Sozialleistungen sowie beruflicher Perspektiven immer schwieriger, gute Azubis zu bekommen.

Von José Pinto

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa-tmn

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