Gute Noten für Kasseler Restaurants - Umsatzgarant für documenta-Zeit

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Ausgezeichnet: Die „Osteria“ von Elis und Gisela Levorato.

Kassel. Für Kassels Gastronomen ist die Hochsaison der Weihnachtsfeiern und Festtagsmenüs vorbei. Auf die nächste Sonderkonjunktur hoffen Restaurantbetreiber zur documenta, die in fünf Monaten beginnt.

Wer da in renommierten Restaurantführen wie Guide Michelin, Gault Millau oder Varta aufgelistet ist, hat die besten Chancen auf ausgebuchte Tische. Zwar gilt Nordhessen unter Feinschmeckern gemeinhin als kulinarische Diaspora, dennoch sind in den neuen Ausgaben der Führer einige Kasseler Häuser vertreten.

Schnitten gut ab im Urteil professioneller Restauranttester: Das „Steinerne Schweinchen“, wo sich Küchenchef Jürgen Richter und Inhaber Thomas Nähler gleich über mehrere vordere Plätze freuen.

Die besten Bewertungen erhält die Küche von Jürgen Richter im „Steinernen Schweinchen“: 15 Punkte im Gault Millau sind immerhin so viel, wie auch Medienstar Johann Lafer für sein Gourmetrestaurant im rheinland-pfälzischen Stromberg bekommen hat. Lafer hat allerdings auch noch einen Stern vom Guide Michelin, welcher das Haus am Kasseler Brasselsberg nur auf niedrigerer Ebene ausgezeichnet hat – mit dem „Bib Gourmand“ für besonders gutes Essen im preisgünstigeren Segment. Der Varta-Führer vergibt drei von fünf Diamanten und erklärt das Haus zum „Varta-Tipp“ für Kassel.

„Schweinchen“-Inhaber Thomas Nähler freut sich über die guten Noten und vor allem darüber, dass sein Gourmetrestaurant nach einjähriger Schließungszeit wieder im einflussreichen Gault Millau vorkommt. Dessen Tester sind für ihre scharfzüngigen Urteile gefürchtet und verwenden auch etliche Zeilen darauf, einen „zu verspielten“ Küchenstil Richters zu kritisieren. Was zähle, sei aber der grundsätzlich empfehlende Charakter, sagt Nähler: „Damit werden wir an den 100 documenta-Tagen wohl ausgebucht sein – wie schon vor fünf Jahren.“

Außerhalb dieser Zeit sei mit einem Gourmetrestaurant in Kassel kein Geld zu verdienen. Dem hohen Waren- und Personalaufwand stehe eine viel zu geringe Zahl von Kunden gegenüber, die bereit seien, entsprechende Preise zu zahlen, sagt Nähler. Für ihn lohne es sich dennoch, weil die hauseigenen Hotelzimmer deutlich besser ausgelastet seien, wenn die Küche in Gastro-Führern empfohlen werde. Nähler erweitert das Steinerne Schweinchen zurzeit von 56 auf 80 Gästezimmer. Es seien nicht die regionalen, sondern die reisenden Gourmets, die das Geschäft in der Gesamtbetrachtung rentabel machen.

Als einziges weiteres Haus in Kassel ist im Gault Millau die „Osteria“ ausgezeichnet – mit 13 Punkten und einer durchgehend positiven Besprechung. „Vielleicht gab’s einfach nichts zu meckern“, sagt dazu selbstbewusst die Küchenchefin und -autodidaktin Gisela Levorato, die laut Urteil der professionellen Tester „wie die sprichwörtliche italienische Mamma kocht, obwohl sie Deutsche ist“.

Auch sie rechnet damit, dass die Erwähnung im Gault Millau ihrem Haus hohe Aufmerksamkeit beim internationalen documenta-Publikum bescheren wird. Voll ist es in der Osteria allerdings ohnehin an den meisten Tagen, da die Strategie von Gisela und Elis Levorato aufgegangen ist: Vor acht Jahren hatten sie ihr aufwendiges Feinschmeckerlokal „La Frasca“ in eine zwanglose Weinstube mit sehr guter Küche umgewandelt. Auch die ist den Testern bisher Jahr für Jahr eine gute Benotung wert.

Von Axel Schwarz

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