Standort wird e-Achse für eActros montieren

Trotz Corona: Mercedes-Benz Werk in Kassel zieht positive Bilanz

Das Mercedes-Benz Achsenwerk in Kassel
+
Hat die Coronakrise bislang gut überstanden: Nach einem mehrwöchigen Produktionsstopp im Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk nahm das Geschäft im Laufe des vergangenen Jahres wieder an Fahrt auf. Archiv

Trotz Coronakrise und wochenlangem Produktionsstopp blickt das Kasseler Mercedes-Benz Achsenwerk zufrieden auf das abgelaufene Geschäftsjahr zurück.

Kassel - 2020 war auch für das Mercedes-Benz Achsenwerk Kassel ein forderndes Jahr. Coronabedingt stand die Produktion wochenlang still, die Nachfrage nach schweren Lkw brach ein. In den letzten Monaten hat das Nutzfahrzeuge-Geschäft aber wieder stark angezogen. Gemessen an den Ereignissen sei 2020 ein gutes Geschäftsjahr gewesen, sind sich Werkleiter Frank Lehmann und Betriebsratsvorsitzender Jörg Lorz einig. Und sie blicken optimistisch in die Zukunft, auch weil die Montage der e-Achse für den eActros im hiesigen Werk erfolgen wird.

Rückblick

„Wir sind erstaunlich schnell aus dem Corona-Loch im vergangenen Jahr herausgekommen“, sagt Lehmann. Die Entwicklung auf den relevanten Märkten sei V-förmig verlaufen. Auf den Einbruch folgte die Erholung. „Wir konnten vergleichsweise schnell wieder aus der Kurzarbeit raus.“ Insgesamt habe die Produktion unter dem Vorjahresniveau gelegen. Im Vergleich zu 2019 müsse man zweistellige Verluste verbuchen. „Aber das ist kein guter Vergleich angesichts der speziellen Situation.“ Dass das Ergebnis überraschend gut war am Ende des Corona-Jahres, unterstreicht auch der Betriebsratsvorsitzende Jörg Lorz. Die „Zukunftssicherung 2030“, nach der es bis zum Ende des Jahrzehnts keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll, hätte aufrechterhalten werden können. Verhandlungen zu einer Betriebsvereinbarung zur Ergebnisbeteiligung würden jetzt folgen. Für die besonderen Leistungen der Mitarbeiter in der Krise werde im April eine Anerkennungsprämie von 500 Euro ausgezahlt.

Status quo

„Der Trend der Markterholung setzt sich fort“, sagt Lehmann. Das Kasseler Werk sei gut ausgelastet und werde sicher weitere Kapazitäten benötigen unter dem Vorbehalt, dass sich die Lage mit steigenden Impfraten weiter normalisiere. „Wir haben eine phänomenale Entwicklung hingelegt. Wir haben derzeit einen erhöhten Personalbedarf und stellen Leiharbeiter ein“, erläutert Lorz. Auch die im vergangenen Jahr vereinbarte Arbeitszeitverkürzung in den Verwaltungs- und produktionsnahen Bereichen ende ein halbes Jahr früher als geplant am 31. März.

Ausblick

Im Zuge der geplanten Aufspaltung des Daimler-Konzerns in die Pkw-Sparte Mercedes-Benz und die Lkw-Sparte Daimler Truck soll Letztere an die Börse. Die Entscheidung soll im Herbst fallen. Diese Nachricht habe bei der Belegschaft für Unsicherheit und Unverständnis gesorgt, sagt Lorz. Sie frage sich, was der Druck vom Kapitalmarkt für den Standort, seine 2800 Beschäftigten und deren Arbeitsplätze bedeute. „Diese Rückmeldungen nehmen wir sehr ernst.“

Lorz und Lehmann betonen, dass alle Vereinbarungen wie die Zukunftssicherung 2030 weiterhin gelten. Für die Mitarbeiter ändere sich mit einem Börsengang eigentlich nichts, sagt Lehmann. „Wir marschieren schon jetzt selbstständig, unabhängig von der Rechtsform.“ Der Standort Kassel bleibe zu 100 Prozent Teil der Daimler Truck AG, auch wenn das Werk ebenfalls die Pkw-Sparte beliefert, betont er.

Das zweite große Zukunftsthema ist der Transformationsprozess hin zu alternativen Antrieben. Das hiesige Werk hat dort einen wichtigen Schritt getan. Die Montage der e-Achse für den Elektro-Lkw eActros wird dort erfolgen. „Der eActros geht dieses Jahr in Serie. Da sind wir mit unseren e-Achsen dabei“, sagt Lehmann. Zugleich werde weiter in konventionelle Antriebe investiert, versichert er. Wie viele Arbeitsplätze im Zuge der Transformation wegfallen, sei noch nicht absehbar. Klar sei aber, dass es in zehn bis 15 Jahren weniger Beschäftigte gebe als heute. „Wir suchen gemeinsam mit dem Betriebsrat nach guten Lösungen“, so Lehmann.

In den jetzt aufgenommenen Gesprächen sei die Kernfrage, wie die fallende Personallinie abgeflacht werden kann, erläutert Lorz. Dazu fordert er die Entwicklung eines konkreten, tragfähigen Zukunftsbildes.

Von Nicole Schippers

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.