Interview mit Kasseler Wissenschaftlerin: Führungsstil beeinflusst Stressempfinden und Zufriedenheit der Mitarbeiter

Gutes Wort vom Chef kann viel bewegen

Kassel. Die Führungsqualität eines Chefs hat großen Einfluss auf das Belastungsempfinden und die Zufriedenheit der Mitarbeiter. Das hat Stephanie Schmidt vom Fachgebiet Arbeits- und Organisationspsychologie der Uni Kassel in ihrer Abschlussarbeit herausgefunden. Dafür wurde die wissenschaftliche Mitarbeiterin kürzlich mit dem Hans-Martin-Preis ausgezeichnet. Wir sprachen mit Stephanie Schmidt über ihre Studie.

Wie sind Sie vorgegangen, um den Einfluss der Führungsqualität zu ermitteln?

Stephanie Schmidt: Grundlage war eine Befragung von Mitarbeitern in einem Fertigungsunternehmen, die ich für meine wissenschaftliche Arbeit statistisch analysiert habe. Anhand der Ergebnisse sollte unter anderem aufgezeigt werden, bei welchem Führungsverhalten ein deutliches Verbesserungspotenzial besteht.

Was macht denn einen guten Chef aus?

Schmidt: Mitarbeitern ist es wichtig, dass sie als individueller Mensch wahrgenommen werden und dass man mit dem Vorgesetzten offen sprechen kann. Erwünscht sind ein klares Feedback, Anerkennung, Einfühlungsvermögen und Wertschätzung durch den Vorgesetzten. Zudem sollten Vorgesetzte darauf achten, ein allzu autoritäres Führungsverhalten zu vermeiden.

Sahen die Mitarbeiter hier Defizite bei ihren Chefs?

Schmidt: Ja, die Ergebnisse haben gezeigt, dass sie unter anderem ein klares Feedback und den sensiblen Umgang mit den Gefühlen der Mitarbeiter vermissen.

Welches sind die wichtigsten Punkte, die Vorgesetzte beachten sollten?

Schmidt: Mangelnde Kommunikation und Information können zu belastenden Situationen führen. Es ist ebenfalls wichtig, sich im Team auszutauschen. Dafür eignen sich beispielsweise regelmäßige Teambesprechungen, bei denen unter anderem Ziele benannt werden. Vorgesetzte sollten zudem Einfühlungsvermögen zeigen, auf Fehler angemessen reagieren und nicht laut werden, wenn solche auftreten.

Wissen Führungskräfte Ihrer Einschätzung nach, welchen Einfluss und welche Wirkung ihr Verhalten haben kann?

Schmidt: Ich glaube, dass den Führungskräften oft nicht bewusst ist, wie groß ihr Einfluss in Bezug auf ihr Verhalten Mitarbeitern gegenüber tatsächlich ist. Es hat sich beispielsweise gezeigt, dass durch eine verbesserte Kommunikation und Information die Zufriedenheit mit dem direkten Vorgesetzten deutlich gesteigert werden kann. Auch psychische und körperliche Belastungen könnten durch ein entsprechendes Führungsverhalten reduziert werden. Ein kleines Wort kann demnach viel bewegen.

Inwiefern körperliche Belastungen?

Schmidt: Ein typisches Beispiel sind Probleme und Schmerzen im Muskel- und Skelettbereich. Sowohl der ergonomische Zuschnitt der Arbeitsplätze als auch die Taktzahl in der Produktion und Spannungen im Team können Ursache dafür sein. Auf all diese Faktoren hat ein Vorgesetzter Einfluss. Allerdings gibt es Strukturen und organisatorische Vorgaben, auf die mitunter auch die Führungskraft keinen Einfluss hat.

Was können denn Mitarbeiter tun, damit es im Betrieb besser läuft?

Schmidt: Meines Erachtens sollten die Mitarbeiter versuchen, offen zu kommunizieren. Das heißt, zum Beispiel Konflikte anzusprechen oder Unzufriedenheit zu äußern. Man kann es ganz einfach sagen: So, wie ich es von meinem Vorgesetzte verlange, sollte ich es selbst halten. Dabei sollte man darüber nachdenken, dass der Vorgesetzte auch nur ein Mensch ist und er ebenfalls Vorgesetzte hat.

Und über was sollten Führungskräfte nachdenken?

Schmidt: Vorgesetzte sollten sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass sie die Mitarbeiter brauchen, um die Unternehmensziele zu erreichen. Eine gute Unternehmenskultur muss von oben nach unten gelebt werden. Foto: Heise-Thonicke

Von Martina Heise-Thonicke

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