Gutes zu tun, machte sie glücklich

Frühere Kasseler Bundestagsabgeordnete Anneliese Augustin (CDU) gestorben

Beim Wahlkampf im Oktober 1994 auf dem Königsplatz: Anneliese Augustin mit (von links) Jürgen Gehb, Helmut Kohl und Georg Lewandowski.
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Beim Wahlkampf im Oktober 1994 auf dem Königsplatz: Anneliese Augustin mit (von links) Jürgen Gehb, Helmut Kohl und Georg Lewandowski.

Vielen Wegbegleitern ist vor allem ihre offene Art in Erinnerung geblieben: Die ehemalige Kasseler CDU-Bundestagsabgeordnete ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Dieses Lächeln war im Gesicht von Anneliese Augustin immer präsent. So als wollte sie jedem schon von Weitem signalisieren: Hier kommt die Frau, für die das Wort „positiv“ erfunden worden ist. So hat die HNA einmal die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete aus Kassel beschrieben.

Auch dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Michael von Rüden ist die offene Art von Anneliese Augustin in Erinnerung geblieben: Als er 1985 als Stadtverordneter begann, da habe Augustin eine tragende Rolle in der Kasseler CDU gespielt. Sie sei aufgeschlossen gewesen, sei auf die Menschen zugegangen. Das sei ihre Stärke gewesen, mit der es ihr auch gelungen sei, neue Mitglieder für die CDU zu gewinnen. Einmal habe Augustin im Wahlkampf zu einer Aktion vor den Henschel-Werkstoren aufgerufen, erinnert sich Michael von Rüden. Für morgens um 6 Uhr. „Das hat sie gemacht. Und wir haben es mitgemacht.“

Augustins politische Laufbahn begann in ihrer Geburtsstadt Kassel, dort trat sie 1967 in die CDU ein. Auch, weil „die mir so eine nette Einladung zu einer Veranstaltung geschickt haben“, sagte sie damals. Augustin, die in der Nähe von Basel aufwuchs und dort auch studierte, betrieb fast 30 Jahre lang bis zu ihrem Eintritt in den Bundestag eine Apotheke gegenüber dem heutigen Klinikum.

Einmal in der CDU, wollte Anneliese Augustin richtig mitmischen. Die Parteikollegen lernten schon bald: Hinter dem nimmermüden Lächeln verbirgt sich eine hartnäckige Frau. Die Zahlen, die ihr politisches Leben umschreiben, hatte Augustin immer auf Anhieb parat: Zwölf Jahre im Kasseler Stadtparlament, 1984 in eine höhere politische Liga gewechselt und 14 Jahre im Bundestag mitgemischt. Macht 26 Jahre im Zeichen von Anfragen, Ausschüssen, Fraktionszwang, Koalitionsgekabbel. Andere macht das mürbe und bitter. Anneliese Augustin aber strahlte, wenn sie davon erzählte. Die Außen-, Entwicklungs- und die Gesundheitspolitik zählten zu ihren wichtigsten Arbeitsfeldern.

„Wenn es eine Aufgabe gab, habe ich einfach gesagt, das mache ich gern“, beschrieb Augustin ihren Aufstieg. Unbequem sei sie wohl manches Mal gewesen, aber – und das war ihr wichtig – nie lästig und mit der Tür ins Haus fallend. Wollte sie etwas durchsetzen, dann mit „Schirm, Charme und Melone“.

Auch noch im Ruhestand aktiv: die ehemalige Bundestagsabgeordnete Anneliese Augustin.

Als Anneliese Augustin mit 68 Jahren aus dem Bundestag ausschied, tat sie das, weil sie jungen Leuten eine Chance geben wollte. Aber das bedeutete für sie nicht, sich zur Ruhe zu setzen. 2001 wurde die Christdemokratin von König Mohammed VI. zur ehrenamtlichen Honorarkonsulin für Marokko ernannt. Die Verbindung zwischen Deutschland und Marokko zu stärken, war ihr Ziel. Michael von Rüden erinnert sich auch an ihr Interesse an der deutsch-ägyptischen Gesellschaft in Kassel. „Ich bin ein Mensch, der nur glücklich ist, wenn er über den Familienkreis hinaus Gutes für andere tun kann“, sagte einst Anneliese Augustin, die Mutter zweier Kinder ist, über sich selbst.

Stünde sie noch mal vor der Wahl, 31 Jahre für die Politik zu opfern, würde sie es wieder tun. „Ich habe ein sehr erfüllendes Leben gehabt“, bilanzierte Anneliese Augustin gegenüber unserer Zeitung. Am 3. November ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. (Kathrin Meyer und Andreas Hermann)

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