Radtour mit Christof Nolda durch Kassel zum Tag der Architektur

Gutwetter für den kritisierten Grimm-Platz

Gaben Auskunft über die Neugestaltung des Grimm-Platzes: Stadtplaner bei der Stadt Kassel, Jochen Scharf (links), und Stadtbaurat Christof Nolda erläuterten vor Ort die Märchenwald-Pläne des Kölner Büros Club L94.
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Gaben Auskunft über die Neugestaltung des Grimm-Platzes: Stadtplaner bei der Stadt Kassel, Jochen Scharf (links), und Stadtbaurat Christof Nolda erläuterten vor Ort die Märchenwald-Pläne des Kölner Büros Club L94.

Insgesamt 84 Menschen, so viele wie noch nie, haben in Kassel am Tag der Architektur an der schon traditionellen Fahrradtour mit Stadtbaurat Christof Nolda teilgenommen. Eingeladen hatte das Kasseler Architekturzentrum im Kulturbahnhof, Unterstützung kam vom ADFC, der für die Sicherheit im Straßenverkehr sorgte.

Kassel. Lag das große Interesse an dieser neunten Tour an der Station Grimm-Platz, dessen Neugestaltung zurzeit kontrovers diskutiert wird? Oder war es der neue inhaltliche Schwerpunkt Bodenpolitik und Stadtentwicklung, der zog? Dieses Mal ging es nicht um die Betrachtung von Architektur, sondern um aktuelle Gesellschaftspolitik.

Stopp im Martini-Quartier: Christof Nolda diskutierte mit 84 Teilnehmern über Verdichtung von Wohnraum.

Hat das Ein-Familienhaus am Stadtrand eine Zukunft oder müssen unsere Städte weiter verdichtet werden, wollen wir auf die ökologischen und klimatischen Dringlichkeiten reagieren? Um dies zu diskutieren, führte die Radtour zu gegensätzlichen Projekten: vom Neubaugebiet Feldlager in Harleshausen zum Martini-Quartier im Vorderen Westen. Hier Platz für Rasen und Kinderschaukel ums freistehende Haus, da hohe Gebäude dicht beieinander. Dass es eine große Qualität habe, mit vielen Menschen in einem Quartier gemeinschaftlich zu leben, erklärte ein begeisterter Martini-Quartier-Bewohner. Ein bisschen mehr Grün gegen die Sommerhitze könne das Areal jedoch vertragen. Zum Feldlager sagte Nolda: „Das sind Bebauungspläne aus einer anderen Epoche.“

Auf eine andere Epoche, die Barockzeit, kommt Nolda auch am nächsten Stopp, dem Grimm-Platz, zu sprechen: Die Pläne zur Neugestaltung der historischen Anlage am Fuße der Wilhelmshöher Allee mit einem runden Areal, auf dem ein Märchenwald aus Kiefern wachsen soll, waren auf vehemente Kritik gestoßen. Dagegen bezeichnete es Nolda als „einmalige Chance, in einer großen Geste“ mit dieser barocken Erweiterung des Trios Königsplatz, Friedrichsplatz, Grimm-Platz den ursprünglichen Übergang der Wilhelmshöher Allee in die Landschaft zu markieren. Blickachsen würden hier nicht verstellt, so Nolda. Chance auch deshalb, weil der Bund 75 Prozent der Kosten decke, nachdem man bereits die Wilhelmshöher Allee mit Fördermitteln herausgeputzt habe.

Das Dilemma, so Nolda, sei gewesen, dass sich Bürgerbeteiligung und Architektenwettbewerb quasi ausschlössen. Ein früh installierter Gestaltungsbeirat, in dem auch Anwohner vertreten sind, habe die Pläne des Kölner Büros Club L94 für gut befunden.

Wie sinnvoll es aber ist, Pläne für den öffentlichen Raum auch öffentlich zu erläutern und zu besprechen, zeigte der gestrige Tag. Gebannt verfolgten die Tour-Teilnehmer die Ausführungen Noldas und befanden nach interessierten Fragen mehrheitlich: Das ist ein guter Plan. Endlich Gutwetter für den Grimm-Platz. „Wie wär’s“, rief Beiratsmitglied Matthias Foitzik in die Runde, „wenn Sie jetzt alle begeisterte Leserbriefe schreiben.“ (Christina Hein)

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