Wer stand Pate? Datenmaterial spärlich

Habichtswald: Dass Greifvogel Namen gab, ist nicht erwiesen

Der Herkules im Habichtswald: Kassels Wahrzeichen steht auf dem Karlsberg in 515 Metern Höhe. Die Bronzefigur ist 8,30 Meter groß. Das imposante Bauwerk entstand 1701 bis 1717. Archivbild: Herzog / sky-promotion

Kassel. Es ist erstaunlich: Mutmaßlich weiß niemand genau, warum der Habichtswald vor den Toren Kassels diesen Namen trägt. Dass er von jenem Greif abgeleitet ist, der gestern zum Vogel des Jahres auserkoren wurde, ist nicht gesagt. Weder Hessen-Forst noch das Naturparkzentrum Habichtswald auf dem Dörnberg wissen, woher diese Bezeichnung stammt.

Klaus Fröhlich, Naturfreund und Hobby-Historiker aus Dörnberg, hat einen belastbaren Hinweis auf den Namen. In der Beschreibung des „Hessengaus“ zitiert der bekannte Kasseler Archivar und Geschichtsforscher Georg Landau (1807 bis 1865) aus einem Dokument des Fritzlarer Propstes von 1219, in dem im Zusammenhang mit der Gründung des Klosters Weißenstein, dem Vorgängerbau des heutigen Schlosses Wilhelmshöhe, die Ortsbezeichnung „Habigeswalt“ auftaucht. Was es damit auf sich hat, weiß Fröhlich nicht. „Aber ich glaube nicht, dass es mit dem Vogel zu tun hat“, sagt er. Gegen diese These spricht aber, dass das Hessische Flurnamenbuch sehr wohl einen Zusammenhang sieht. Auch Jacob Grimm schrieb den Namen in einem Aufsatz über Ortsnamen (1840) dem seltenen Greif zu. Der Habichtswald zähle zu den Wäldern, die nach dem „darin hausenden Wild“ benannt seien.

Wie auch immer: Der Habichtswald, dessen genaue Bezeichnung „Habichtswälder Bergland“ lautet und der beim Zusammenschluss der Ortschaften Ehlen und Dörnberg Pate für den neuen Gemeindenamen stand, ist ein tolles Fleckchen Erde mit naturbelassenen Wäldern und Auen, einer üppigen Flora und Fauna.

Überwiegend auf Kreisgebiet 

Infos:

www.naturpark-habichtswald.de

Tel. 0 56 06/53 32 66.

Er liegt ganz überwiegend im Kreis Kassel, aber auch die Stadt Kassel und der Schwalm-Eder-Kreis können einen Teil des Gebirgszugs für sich reklamieren. Er ist mit 209 Quadratkilometern ebenso groß wie der Reinhardswald und doppelt so groß wie das Stadtgebiet Kassels. Bekannteste Bauwerke sind der Herkules und die Weidelsburg bei Ippinghausen. Höchste Erhebung ist mit 614,8 Metern das Hohe Gras, das in den Gemarkungen Kassel und Schauenburg liegt. Es folgt der Große Bärenberg (600,7) mit Aussichtsturm und der Essigberg mit dem 186 Meter hohen Fernsehturm (597,5).

Der Naturpark Habichtswald erstreckt sich auf 474 Quadratkilometern zwischen Diemeltal, Weserbergland, Kaufunger Wald und Kellerwald. Über ihn wacht der Zweckverband Naturpark Habichtswald, der beim Kreis Kassel angesiedelt ist und von ihm, der Stadt Kassel und dem Schwalm-Eder-Kreis getragen wird.

Im Naturparkzentrum auf dem Dörnberg können sich Besucher über die Schutzwürdig- und Vielseitigkeit des Gebiets informieren, an Kursen teilnehmen und übernachten. Es ist idealer Ausgangspunkt für Wanderungen etwa auf dem Habichtswaldsteig, der bis zum Edersee führt und zu den schönsten Wanderrouten Deutschlands zählt.

Von José Pinto

 

Hintergrund

Geschickter Flieger und Jäger 

Der Habicht gehört nicht zu den gefährdeten Arten und kommt vor allem in Nord-, Süd- und Osteuropa sowie in Nordamerika vor. Er ist ein äußerst geschickter Flieger und gefährlicher Jäger. Im Gegensatz zu Rot- und Schwarzmilan und Bussard, die sich meist an Kadavern schadlos halten, erlegt der Habicht seine Beute.

Auf dem Speiseplan des Greifs stehen kleine und mittelgroße Vögel und Säugetiere bis zu einem Kilogramm Gewicht. „Der Habicht ist ein echter Power-Vogel“, sagt der stellvertretende Chef des Forstamts Wolfhagen, Theo Arend, begeistert.

Die bis zu 60 Zentimeter großen Tiere werden bis zu 2,23 Kilogramm schwer und haben eine Spannweite von 89 bis 122 Zentimeter. Die Weibchen sind in der Regel deutlich größer als die Männchen. (jop)

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