Erhebliche Schäden durch Trockenheit, Borkenkäfer und Stürme im Habichtswald

Förster warnt: „Unser Wald befindet sich im Ausnahmezustand“

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Jede Menge Baumstümpfe: Entlang des Wanderwegs zum derzeit geschlossenen Herbsthäuschen sieht man die Spuren der Rodungen. Insbesondere Fichten waren hier nach Trockenheit und Stürmen umgekippt.

Wer in diesen Tagen als Spaziergänger im Habichtswald unterwegs ist, sieht im wahrsten Sinne des Wortes überall die Einschläge. Es gibt erhebliche Lücken im Forst, überall liegen Stämme am Wegesrand, ein paar Meter jenseits der Wege stehen oft nur noch Stümpfe.

„Auch unser Wald befindet sich im Ausnahmezustand“, sagt Uwe Zindel, der Leiter des für Kassel zuständigen Forstamtes Wolfhagen.

Ein Musterbeispiel dafür ist der Weg vom Parkplatz Herbsthäuschen Richtung Teufelsmauer und weiter bis zur derzeit geschlossenen Waldgaststätte. Da haben die Forstwirte Markierungen wie „Käfer“ und Hinweise zum Baumfällen auf die Bäume gesprüht. Daneben gibt es lichte Flächen, wo vor einigen Monaten noch dichter Wald stand. Zwei extrem trockene Sommer, die mehr als bedenklich Ausbreitung des Borkenkäfers und die Stürme der vergangenen Monate nennt er als wichtigste Gründe für die angespannte Situation.

Holzlager am Wegesrand: Im Habichtswald mussten viele Bäume gefällt werden.

Dabei gibt es nicht nur negative Entwicklungen. Die starken Regenfälle im Februar bis in den März hätten dazu geführt, dass zumindest die oberen Erdschichten wieder durchfeuchtet seien. Weiter unten ist es immer noch viel zu trocken.

Mittlerweile sei man dabei, 70 000 junge Eichen aufzuforsten, und setze zudem auf die natürliche Verjüngung. Eichen seien in der Lage, auch aus trockenen Böden noch mehr Feuchtigkeit herauszuholen als zum Beispiel Fichten, sagt Zindel. Auch Tannen und Douglasien würden gepflanzt. Bei der Verjüngung setze man unter anderem auf Lärchen.

Schädling: Die Markierung weist auf Käfer hin.

Große Sorgen bereiten den Fachleuten aktuell auch die Buchen. Innerhalb kurzer Zeit trockne bei vielen dieser Bäume die Rinde unterhalb der Krone aus. Der Grund sei auch hier ein Schädlingsbefall, wie man ihn in den vergangenen Jahrzehnten noch nicht erlebt habe. Bundesweit weisen Förster darauf hin, dass die dringend notwendige Verjüngung des Waldes nur gelingen kann, wenn zum Beispiel der Bestand an Rehen nicht zu groß ist. Deshalb müsse intensiv gejagt werden.

In den heimischen Forstämtern haben die Mitarbeiter im Moment jedenfalls richtig viel zu tun. Bislang habe man zum Glück noch keine Coronafälle zu verzeichnen, sagt Uwe Zindel. Es gebe eine Reihe von Vorsichtsmaßnahmen. Unter anderem machen die Forstwirte ihre Pausen mittlerweile nicht mehr gemeinsam in Schutzhütten. „Jeder isst sein Frühstücksbrot jetzt allein im Auto“, sagt Zindel. Er bittet um Verständnis dafür, dass für die Sicherheit weiterhin Bäume gefällt werden müssen.

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