Habichtswald: Forstamtsleiter weist Kritik an vermeintlichem Raubbau zurück

Aufforstung im Habichtswald: Forstamtsleiter Uwe Zindel besichtigt eine Fläche, auf der nach Sturm Kyrill 2007 Ahornbäume gepflanzt wurden. Zindel widerspricht der Kritik, das Forstamt würde aus wirtschaftlichen Überlegungen im Habichtswald Raubbau betreiben.  Foto:  Janz

Kassel. „Es gibt keinen Raubbau im Habichtswald“, sagt Uwe Zindel. Der Leiter des Forstamtes Wolfhagen wehrt sich gegen Vorwürfe, in seinem Bezirk werde der Wald nicht mit ökologischem Augenmaß bewirtschaftet, sondern nur mit dem Blick auf kurzfristigen Profit.

In den vergangenen Wochen hat das Forstamt im Revier zwischen Ehlen und Wilhelmshöhe, Weimar und Schauenburg zahlreiche Bäume gefällt. „Das können wir nur in den Wintermonaten machen“, erklärt Zindel. Ab April, wenn die Brut- und Setzzeit beginnt, ließen die Förster die Tiere und damit die Bäume in Ruhe.

Weil sich an den Waldwegen die Stämme stapeln, warfen Spaziergänger dem Forstamt einen Kahlschlag ohne Augenmaß vor. Davon kann laut Zindel aber keine Rede sein. „Die Waldpflege und Holzernte ist transparent und basiert auf der nachprüfbaren Inventur für jede einzelne Waldfläche“, sagt der Forstamtsleiter. Diese Planung werde seit Anfang des 19. Jahrhunderts alle zehn Jahre neu erstellt, und das Forstamt weiche davon nicht einfach so ab.

„Wir setzen auf eine Naturnutzung mit Augenmaß“, sagt Zindel. Er zitiert gerne den hessischen Forstwissenschaftler Georg Ludwig Hartig, der schon vor 200 Jahren Nachhaltigkeit predigte. Im Habichtswald wachsen jedes Jahr 28 000 Festmeter Holz nach, von denen nur etwa 23 000 Festmeter geerntet würden, so Zindel. Das habe ökologische Gründe: Alt- und Totholz solle seltenen Arten einen Lebensraum bieten. Außerdem blieben Äste und Kronenteile im Wald, um den Boden mit Nährstoffen zu versorgen.

Gezielte Eingriffe in Bestand

Das Forstamt arbeite kontinuierlich daran, Dauerwald-Strukturen zu schaffen: Solch ein Revier bestehe aus einem „vielfältigen Nebeneinander von alten, mittelalten und jungen Bäumen“, das langfristig sogar einen höheren Holzertrag biete.

Um diese ideale Mischung zu erreichen, müsse jetzt gerade in den mittelalten Bestand gezielt eingegriffen werden. Ein Kahlschlag sei das aber nicht: „Es stehen überall noch immer ganz viele Bäume davon kann sich jeder überzeugen, der im Wald spazieren geht“, sagt Zindel.

Forstamt stellt sich Fragen

Forstamtsleiter Uwe Zindel und Revierförster Dieter König werden sich Fragen zur Forstwirtschaft im Habichtswald auch öffentlich stellen. Sie laden für Samstag, 16. April, zu einem Spaziergang ein. Treffpunkt ist um 9 Uhr an der Straßenbahn-Endhaltestelle Hessenschanze.

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