Im Habichtswald gibt es so viele Wildschweine wie selten zuvor

Viele Keiler sind im Wald unterwegs: Die Wildschwein-Population im Habichtswald hat sich fast verdoppelt. Archivfoto:  nh

Kassel. Es wäre ein Paradies für den Gallier Obelix: So viele Wildschweine wie jetzt gab es wohl selten zuvor im Habichtswald. Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen, geht davon aus, dass 400 bis 500 Tiere derzeit von den abgeernteten Feldern zurück in den Wald kehren.

Dass die Wildschwein-Population so zugenommen hat, ist in erster Linie auf das gute Nahrungsangebot zurückzuführen. Zahlreiche Maisfelder und eine Fülle von Bucheckern und Eicheln stehen den Wildschweinen zur Verfügung. Die Buche trage in diesem Jahr schon wieder Vollmast; ebenso wie vor zwei Jahren, sagt Zindel. Früher sei eine Vollmast im Abstand von sechs bis acht Jahren normal gewesen. Die Witterung des Juni im Vorjahr spiele dabei eine erhebliche Rolle. Ist es im Juni trocken und warm, bildeten die Bäume entsprechend viele Knospen und Früchte.

„Verhältnisse wie in Berlin wird es bei uns nicht geben.“

Uwe Zindel

Normalerweise hätten Wildschweine einen Wurf pro Jahr, dieses Jahr seien die Bachen (weibliche Wildschweine) zweimal „rauschig“ geworden. Auch jüngere Bachen seien bereits „beschlagen“ worden, was zu mehr Nachwuchs geführt habe. Damit die Wildschwein-Population nicht überhandnehme, müssten in der Jagdsaison, die nach einer Jagdpause im Staatswald am 1. September wieder begonnen hat, noch etwa 150 Tiere erlegt werden. Etwa 100 Jäger und Förster seien dafür zuständig. „Die haben das gut im Griff. Verhältnisse wie in Berlin wird es bei uns nicht geben“, sagt Zindel.

Von dort wurde mehrfach berichtet, dass Wildschweine in Wohngebiete vorrückten. Laut Zindel müssen nur Gartenbesitzer in der Nähe des Habichtswaldes damit rechnen, ungebetenen Besuch von dem Schwarzwild zu bekommen.

Heruntergefallene Früchte locken die Tiere an. „Ein Zaun wirkt Wunder an dieser Stelle.“ Den Golfplatz umgibt deshalb ein Elektrozaun.

Da Wildschweine auch tierische Eiweiße benötigen, wühlen die Allesfresser im Boden herum, um Engerlinge, Larven und Mäuse zu erbeuten. Derzeit müssten Autofahrer deshalb auf öffentlichen Straßen, die durch den Wald führen, ganz besonders achtsam fahren. Sie müssten jederzeit damit rechnen, dass ein Wildschwein über die Straße saust. Die Tiere durchwühlen die Wegränder nach Nahrung. „Ein 40 bis 50 Kilogramm schweres Wildschwein schlägt wie ein Geschoss in die Kühlerhaube ein“, sagt Zindel.

Gesunde Population

Nicht nur wegen der Wildschäden in der Landwirtschaft, sondern auch wegen der Gesundheit der Population dürfe der Wildschwein-Bestand nicht zu groß werden, sagt der Forstamtsleiter. Je mehr Tiere es gibt, desto stressiger wird die Situation für sie. Dann besteht die Gefahr, dass sie krank werden. „Von daher ist es wichtig, dass die Jagd an dieser Stelle eingreift.“ Foto:  nh

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