Viele bleiben unerkannt

Umweltsünder im Habichtswald: Immer mehr Müll wird abgeladen

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Förster Florian Horst vor Müllsäcken im Habichtswald.

Hessenforst beklagt, dass mehr Müll im Habichtswald entsorgt wird. Durch die Entsorgung von Grünschnitt breiten sich auch fremde Pflanzen im Wald aus. 

  • Illegale Müllentsorgung im Habichtswald nimmt zu.
  • Unrat wird oft am Wochenende abgeladen.
  • Die meisten Umweltsünder bleiben unerkannt

Alte Möbel, Altkleider, Spielzeug, Papier, Reifen, Bauschutt, Flaschen oder Altöl werden wahllos unter Bäume geworfen: Die illegale Entsorgung von Müll im Habichtswald hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, stellt Matthias Schnücker, Bereichsleiter im Forstamt Wolfhagen (Hessenforst), fest. „Wir finden mittlerweile häufig komplette Haushalte“, sagt Schnücker.

Zwischen Juli und Dezember 2019 haben Mitarbeiter des Forstamts Wolfhagen etwa 3,3 Tonnen wild abgelagerten Sperrmüll und Bauschutt im Habichtswald gefunden. Auch ein Zigarettenautomat sei im Wald weggeworfen worden, so Schnücker. Für Hessenforst habe das Entsorgungskosten von rund 2650 Euro bedeutet, die „wir als Waldbesitzer selbst tragen müssen“. Hessenforst beauftragt den Zweckverband Naturpark Habichtswald mit der Entsorgung des Mülls.

Habichtswald: Müllberge im Wald am Montag

Revierförster Florian Horst berichtet, dass er jede Woche neue Müllberge entdeckt. „Vornehmlich montags“, sagt Horst. Müllsünder würden gern am Wochenende in den Wald fahren, um ihren Müll abzuladen. Vornehmlich bei Dunkelheit, um nicht erwischt zu werden. Sei an einer Stelle erst einmal eine wilde Müllkippe eröffnet, passiere es schnell, dass weiterer Unrat hinzukomme, sagt Förster Horst. 

Ende vergangener Woche habe er zum Beispiel zum wiederholten Mal Müllsäcke in Nähe der Waldzufahrt am Gasthaus Ahnatal an der B 251 entdeckt. Am Montag sei der Müllberg deutlich angewachsen: Neben Kinderspielzeug und alter Kleidung liegt dort nun auch ein Lampenschirm.

Die meisten Umweltsünder bleiben unerkannt, es werden aber auch einige erwischt. Laut Bereichsleiter Schnücker wurden im vergangenen Jahr drei Personen identifiziert, die ihren Müll im Habichtswald entsorgt hatten.

Ein Gewerbetreibender habe zum Beispiel an der Hessenschanze Reste seines Verkaufsstandes sowie nicht verkaufte Ware im Wald entsorgt. Ein anderer Verursacher sei erwischt worden, der Kanister mit Altöl an der Rasenallee hinterlassen habe. 

Habichtswald: Die Müllsünder kommen nachts

Es sei noch nicht lange her, da habe er eine Mikrowelle im Wald entdeckt, sagt ein Mann, der regelmäßig durch den Habichtswald geht. „Es ist nicht zu fassen, was hier alles rumliegt und was die Menschen für Energie aufbringen, um ihren Müll in den Wald zu bringen“, sagt der Spaziergänger am Montagmittag zu Förster Florian Horst. Der steht an einer wilden Müllkippe, die er Ende vergangener Woche an einem Waldweg in Nähe der Zufahrt am Gasthaus Ahnatal an der B 251 entdeckt hat. Mittendrin liegt sogar ein pinker Lampenschirm

In Nähe von Waldzufahrten werde regelmäßig Müll entsorgt, sagt Horst. Der Spaziergänger berichtet, dass innerhalb der vergangenen zwei Jahre die illegalen Müllkippen im Habichtswald massiv zugenommen hätten. Finde er nur kleine Mengen Müll, dann packe er diese in eine Tüte, die in seinem Auto liegt, sagt der Förster. Stoße er auf mehrere Säcke, dann werde der Zweckverband Naturpark Habichtswald eingeschaltet. Dessen Mitarbeiter entsorgen den illegalen Müll aus dem Wald. 

Der Revierförster kann nicht nachvollziehen, warum Menschen ihren Müll im Wald entsorgen, wenn sie diesen auch zur Deponie bringen können. Sperrmüll kann man zum Beispiel kostenlos auf den beiden Recyclinghöfen der Stadtreiniger in Kassel entsorgen. Altkleider, die auch im Wald geworfen werden, können ebenfalls in Container im Stadtgebiet entsorgt werden. Auch das kostet nichts. Warum nehmen die Leute dann in Kauf beim illegalen Müllentsorgen im Wald erwischt zu werden? fragt sich der Förster. 

Habichtswald: Müllsäcke werden zu Todesfallen

Besonders ärgerlich sei es, wenn zum TeilEssenreste in Säcken entsorgt würden. Igel, Mäuse und andere Waldtiere würden in die Säcke kriechen. Oft würden die Tiere dann nicht mehr den Ausgang finden und in den Müllsäcken sterben. 

Bis zu den 1970er-Jahren sei es nicht erlaubt gewesen, dass die Menschen den Wald bei Dunkelheit betreten, sagt Revierförster Horst. Das sei erst seit der Änderung des Forstgesetzes gestattet worden. Viele Waldbesitzer hätten bereits damals befürchtet, dass diese Änderung zur Folge hat, dass Menschen die Nacht nutzen, um ihren Müll in den Wald zu bringen, sagt Horst. Diese Befürchtung habe sich wohl bestätigt. 

Habichtswald: Illegal entsorgter Grünschnitte schadet dem Wald

Die Mitarbeiter von Hessenforst haben aber nicht nur mit der Entsorgung von Sperrmüll und Bauschutt zu kämpfen. Auch Grünabfälle stellten mittlerweile ein großes Problem dar, sagt Matthias Schnücker, Bereichsleiter im Forstamt Wolfhagen. Das wilde Ablagern von Grünabfällen im Wald führe dazu, dass sich nicht heimische Pflanzenarten (Sträucher, krautige Pflanzen und Bäume) im Wald ausbreiteten und gegebenenfalls heimische Arten verdängen würden. Dies sorge auch für Probleme in Schutzgebieten, wie zum Beispiel der Dönche, so Schnücker. 

Durch die Entsorgung von Grünschnitt hätten sich zum Beispiel schon Pflanzen wie Rhododendron und Koniferen angesiedelt, die im hiesigen Wald eigentlich nichts zu suchen hätten. Rasenschnittablagerungen würden verstärkt im Bereich der Straßen „Im Rosental,“, „Am Nössel“ und „Stiegelwiesen“ entsorgt. Das habe zur Folge, dass sich der Wald dort nicht natürlich verjüngen könne, da dort keine jungen Bäume mehr keimen könnten.

Frau entdeckt Müllberg im Habichtswald: Täter hinterließ seine Adresse. In der Gemeinde Frielendorf sorgte eine Wagenladung Sperrmüll bei Lenderscheid für Ärger.

Bei Fritzlar kam es zu einem besonders ekligen Fall von illegaler Müllentsorgung. Hier wurdenSchlachtabfälle in Gewässer entsorgt. 

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