Amtsgericht verurteilt Kasseler wegen gewerbsmäßigen Betrugs in vier Fällen zu Bewährungsstrafe

Händler betuppt mit Tupperware

Tupperware: Vom Angeklagten bestellt und nicht bezahlt. Foto:  nh

Kassel. „Natürlich zahl’ ich“, stand auf dem T-Shirt der Zeugin, als sie den Verhandlungssaal betrat. Es wirkte wie ein Appell. Denn nicht gezahlt hatte der Mann auf der Anklagebank - für Tupperware-Produkte, die sich seine Firma in größeren Mengen von dieser und drei anderen Frauen schicken ließ. Wegen gewerbsmäßigen Betrugs in vier Fällen verurteilte das Gericht den vorbestraften 36-Jährigen deshalb zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und setzte diese zur Bewährung aus. Als Auflage soll der Kasseler 300 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.

Die Zeuginnen hatten auf ein Angebot im Internet reagiert. Der Kasseler handelt dort mit den bekannten Plastikbehältern und bot an, neuwertige und gut erhaltene Ware aufzukaufen. Die vier Frauen waren oder sind Tupper-Beraterinnen und sahen eine Gelegenheit, Restbestände an den Kasseler loszuwerden. Zwischen April und September 2009 ließen sie ihm Pakete zukommen - eine schickte drei, die zweite sieben, die dritte stellte mit einer Freundin 17 Kisten zusammen. Keine von ihnen sah ihre Plastikbehälter wieder - oder das versprochene Geld dafür.

Auch die Zeugin mit  dem  T-Shirt hatte Waren geschickt und nicht bezahlt bekommen. Sie strengte einen Zivilprozess gegen den 36-Jährigen an. Dort wurde ein Vergleich geschlossen. Der Angeklagte sollte ihr 1000 Euro zahlen - was er nicht tat. Dass er bereits im April 2009 eidesstattlich erklärt haben soll, er sei vermögenslos, habe ihr niemand gesagt, betonte die Frau.

Während der Staatsanwalt dem 36-Jährigen typisches Verhalten eines Betrügers bescheinigte und das später verhängte Strafmaß forderte, plädierte die Verteidigung auf Freispruch.

Der Kasseler selbst beschrieb sich als engagierten Kaufmann. Dass er mit seinem Geschäft viel Ärger hat, war allerdings nicht zu übersehen. Zu Beginn seiner Aussage wies der Angeklagte auf einen Herrn von der Steuerfahndung hin, der im Zuschauerraum sitze. Gerade weil es Konflikte mit dem Finanzamt gebe, habe er bei seinen Lieferantinnen auf ordentliche Rechnungen gepocht.

Die Zeuginnen mit den drei bis 17 Paketen seien „Problemfälle“, sagte der Kasseler aus. Bei ihnen hätten Rechnungen gefehlt, einige hätten zu viel Geld verlangt. Zum Teil habe er keine Adressen gehabt, um sie zu kontaktieren. Er habe Bargeld mit, um in einem Fall jetzt direkt zu zahlen, bot er an. Die Zeuginnen allerdings berichteten von ihren Versuchen, die Sache zu klären. E-Mails seien unbeantwortet geblieben, Einschreiben nicht angenommen worden.

Die Richterin zeigte sich in ihrer Urteilsbegründung überzeugt, dass der Kasseler wegen seiner „desolaten wirtschaftlichen Lage“ zumindest in Kauf nahm, die angenommene Ware nicht bezahlen zu können. „Sie hatten so lange Zeit!“, kommentierte sie sein Ansinnen, jetzt alles regeln zu wollen. Als wichtige Grundlage für die Bewährung bezeichnete sie die Ankündigung des Kasselers, künftig auf das umstrittene Ankauf-Verfahren zu verzichten.

Von Katja Schmidt

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