Zentrum für Lehr-/Lernforschung nimmt Unterricht und Pädagogen unter die Lupe

Das Verhalten von Lehrern im Unterricht steht in enger Verbindung zum Lernen der Schüler. Foto: dpa

Kassel. Mit dem Zentrum für empirische Lehr-/Lernforschung (ZELL) wollen Wissenschaftler der Universität Kassel einen Beitrag zur Verbesserung des Bildungssystems in Deutschland leisten.

Mit ZELL ist die bereits bestehende Lehr- und Lernforschung jetzt an der Uni in einer Institution zusammengefasst. „Markenzeichen ist die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen“, sagt der designierte ZELL-Direktor Prof. Frank Lipowsky vom Institut für Erziehungswissenschaft.

In der Institution nehmen unter anderem Erziehungswissenschaftler, Psychologen und Fachdidaktiker nicht nur Unterrichtsmethoden und Lernumgebungen unter die Lupe. Auch das fachliche Wissen und das Verhalten von Lehrern im Unterricht werden wissenschaftlich untersucht.

Wo es im Unterricht besonders hakt, erklärt Prof. Werner Blum vom Institut für Mathematik: „Es ist eine Illusion zu glauben, durch reines Vortragen und Erklären Lernprozesse in Gang setzen zu können.“ Unabdingbar sei das aktive und selbstständige Lernen der Schüler. Außerdem müsse das Lernen immer wieder reflektiert werden, um wirklich effektiv zu sein. Auch die Ansicht, dass Schüler Transfer-Leistungen von sich aus erbringen, hält Blum für eine Illusion. „Auch Transfer-Leistungen müssen von Lehrkräften bewusst gefördert und organisiert werden“, sagt er.

Gerade das Verhalten der Lehrer spielt laut Lipowsky und Blum bei der Vermittlung von Wissen eine wichtige Rolle. Oft reiche bereits ein kleiner Impuls wie der Hinweis „Stell dir die Situation einfach vor“ aus, um Schüler dabei zu unterstützen, eine Aufgabe selbstständig zu lösen.

In der Lehrerfortbildung sind Lipowsky zufolge Videoaufnahmen des Unterrichts und deren Reflexion ein effektives Instrument, um das Verhalten von Lehrern weiterzuentwickeln und den Unterricht zu verbessern.

Ausbildung forcieren

Die Aus- und Weiterbildung der Lehrer noch stärker zu fördern, soll ein Schwerpunkt des ZELL werden. Momentan arbeiten 30 bis 40 Wissenschaftler, darunter elf Professoren, für das Zentrum.

Um die Forschungsergebnisse auch in der Aus- und Fortbildung der Lehrer nutzen und somit in die Schulen überführen zu können, will das Zentrum eng mit anderen Institutionen, Schulen und Universitäten zusammenarbeiten. Laut Lipowsky sind in Nordhessen sehr viele Schulen offen für Neuerungen und für eine enge Zusammenarbeit mit der Universität.

„Ein wichtiges Ziel ist, Lehrkräfte bei der Weiterentwicklung ihres Unterrichts zu beraten und zu unterstützen“, sagt Frank Lipowsky. (mkx)

Von Mirko Konrad

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