Internetseite gibt für alle Wohngebäude in Region Wert an

Alle Häuser erhalten Preisschild: Kasseler Immobilienexperten sehen Bewertungsplattform Scoperty kritisch

Symbolbild Hauskauf Immobilienmarkt
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Wert der eigenen Immobilie schätzen: Scoperty will einen ersten Eindruck geben

Für Neugier und rege Debatten unter Kasseler Immobilieneigentümern sorgt der neue Online-Marktplatz Scoperty. Auf der Internetseite wird zu jeder Immobilie ein geschätzter Preis ausgewiesen – egal ob der Eigentümer das Haus oder die Wohnung derzeit verkaufen will oder nicht.

Kassel - Ziel des Start-ups Scoperty ist es, Interessenten und Verkäufer zusammenzubringen. Bei Kasseler Branchenvertretern wird das Angebot aber eher kritisch gesehen.

Was ist mein Haus wert und was kostet das des Nachbarn? Für solche Fragen bietet Scoperty vermeintlich schnelle Antworten. Die Online-Plattform basiert auf einer Mischung aus öffentlich zugänglichen Daten und Schätzwerten. So kann der Nutzer der Internetseite beispielsweise auf einer Karte über die Stadt Kassel scrollen und sich für fast jedes Wohngebäude eine geschätzte Preisspanne anzeigen lassen. Bei Mehrfamilienhäusern werden die einzelnen Wohnungspreise angegeben.

Wolfram Kieselbach, Vorsitzender von Haus und Grund in Kassel, hält von dem Service wenig. Etliche Eigentümer seien unzufrieden, weil sie ihre Immobilie gar nicht verkaufen wollten. Der Eintrag auf der Plattform suggeriere dies aber. Wer die Angaben zu seiner Immobilie löschen lassen wolle, könne beim Anbieter schriftlich Widerspruch einlegen. Problematisch findet Kieselbach zudem, dass die Preise nur grobe Richtwerte seien. Diese seien teils unrealistisch hoch. Viele Merkmale des Hauses – etwa Baujahr und Wohnfläche – stimmten nicht. „Das ist eine Marketingmasche. Die Eigentümer sollen gelockt werden, die Angaben zu korrigieren“, glaubt Kieselbach.

Ähnlich sieht es Alexander Alter, Vorsitzender der nordhessischen Sektion des Immobilienverbandes Deutschland (IVD). „Scoperty ist von der Idee her nicht schlecht, aber die Angaben stimmen teils absolut nicht. So spielt etwa der Zustand des Hauses überhaupt keine Rolle. Dazu gibt es halt auch keine zugänglichen Daten“, so Alter. Nur wenn die Plattform von vielen Eigentümern gepflegt werde, sei sie nützlich.

Eine Scoperty-Sprecherin stellt klar, dass es sich nicht um Preise, sondern Schätzwerte handele. Hinter dem System stehe ein Algorithmus. Umso mehr Transaktionen über die Plattform abgeschlossen würden und umso mehr Nutzer reale Daten zu ihren Immobilien hinterlegten, desto genauer werde das System. Ob es sich um die Eigentümer handele, werde telefonisch verifiziert.

Die Internetseite Scoperty.de gibt für 35 Millionen Wohnhäuser in Deutschland einen geschätzten Wert an. Dazu muss der Nutzer nur nach einer Adresse suchen und bekommt schon den jeweiligen Preis angezeigt. Die ING Bank und der Bewerter Sprengnetter sind Betreiber der Plattform. Über die Seite können Verkäufer, Käufer und Makler in Kontakt treten. Das Start-up verdient bei der Vermittlung (auch von Finanzierungen) durch Provisionen mit.  (Bastian Ludwig)

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